Blond aus Chemnitz - Nina Kummer (Gesang), Lotta Kummer (Schlagzeug, Rap) und Johann Bonitz (Bass)
Blond lieben es, sich in Szene zu setzen. Ihren Musikstil bezeichnen sie selbst als 'Las Vegas Glam'. Bildrechte: Thomas Reichl

Chemnitz Blond - Die Kraftklub-Schwestern im Interview

Blond, das sind zwei Blondinen und ein blinder Multiinstrumentalist aus Chemnitz. Und obendrein die Schwestern der Kummer-Brüder von Kraftklub. Wir haben mit den Newcomern u.a. über ihre Heimatstadt Chemnitz, ihre Familie und Frauen in der Musikbranche gesprochen.

Blond aus Chemnitz - Nina Kummer (Gesang), Lotta Kummer (Schlagzeug, Rap) und Johann Bonitz (Bass)
Blond lieben es, sich in Szene zu setzen. Ihren Musikstil bezeichnen sie selbst als 'Las Vegas Glam'. Bildrechte: Thomas Reichl

MDR KULTUR: Zwei Mädels und ein blinder Multiinstrumentalist – das ist eine ungewöhnliche Mischung. Habt ihr euch vorher gefragt: Wer ist in der Musik unterrepräsentiert oder wie kam die Konstellation zustande?

Nina Kummer: Du meinst, weil wir so Minderheiten vereinen in einer Band? (lacht)
Lotta Kummer: Frauen…ist schon schwierig und dann auch noch ein Blinder. (lacht)
Nina: Nein, also wir kenn uns ja tatsächlich seit wir Kinder sind. Uns ist das später erst aufgefallen... Es klingt wie eine gewollte Konstellation als Erfolgskonzept, aber es ist alles real. Darauf schwören wir!

Wie hat das bei euch angefangen?

Nina: Dadurch, dass wir als Kinder früher schon viel Zeit miteinander verbracht haben. Unsere Eltern kennen sich ziemlich gut, da waren wir immer zusammen im Urlaub. Und dann haben wir immer mal aus Spaß Musik gemacht: Wir kommen aus zwei musikalischen Haushalten und da wurde uns das in die Wiege gelegt.
Lotta: Und nach dem zehnten Hochzeits- und Jugendweihe-Gig haben wir irgendwann gesagt: Ja, das kann man auch mal normal machen.
Nina: Und eigene Lieder schreiben. … und dann wurde es ernst.

Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?

Nina: Wir haben uns ein eigenes Genre ausgedacht, das heißt "Las Vegas Glamour" und das beschreibt unsere Musik sehr gut. Wir hassen so Schubladen.
Johann Bonitz: Ganz viele Indie-Untergenres werden darin vereint.
Nina: Wir ziehen auf der Bühne ja ganz gern Kostüme an und Las Vegas ist ja auch so ein bisschen bunt und flippig und extravagant.

Blond, das ist der verbeulte Kaugummi-Automat, die misshandelte Barbie Puppe. Blond ist das Aufstoßen nach dem Genuss eines grellfarbenen Energydrinks.

Blond-Promo-Text

Blond aus Chemnitz - Nina Kummer (Gesang), Lotta Kummer (Schlagzeug, Rap) und Johann Bonitz (Bass)
Blond spielen aktuell als Vorband von Kraftklub. Bildrechte: Thomas Reichl

Ihr bezeichnet euren Stil also als Las Vegas Glamour. Reicht es heute nicht mehr zu sagen, wir machen jetzt Indie-Pop?

Nina: Man hört eine Band ja nicht nur, weil die Indie-Pop macht. Du brauchst immer das gewissen Etwas. Was uns unterscheidet von anderen ist, dass wir keine Scheu haben, Sachen auszuprobieren. Wir sind nicht so, dass uns irgendwas peinlich ist.
Lotta: Die Angst, irgendwie komisch rüberzukommen, auch mal "hässlich" zu sein, wir spielen halt auch mit Übertreibungen und das fetzt auch, und ich finds auch immer doof, wenn man sich zu ernst nimmt und das tun wir eben nicht.
Nina: Es geht ja nicht mehr nur um die Musik, sondern es geht viel mehr ums Auftreten. Auch bei Social Media und so. Da geht es ja schon lange nicht mehr nur ums Hören.
Johann: Heute muss man sich extravagant präsentieren, damit die Leute auf einen aufmerksam werden.

Bei euch denkt man unweigerlich auch ein bisschen an die Neunziger.

Nina: Wir wurden bis jetzt nur verglichen mit den Cranberries, aber die haben wir zum Beispiel selbst nie gehört…

Ihr habt Songs wie "Fat" und dann folgt plötzlich eine Hiphop-Einlage – wie gehört das zusammen?

Nina: Alles, worauf wir Lust haben, machen wir auch live. Warum sollen wir jetzte eine Indie-Pop-Band sein? Wir wollen auch Hiphop machen und wir wollen auch ein bisschen tanzen, wir wollen auch eine Choreo vorführen. Deswegen machen wir das alles.
Johann: Lotta sagt, sie will rappen – okay! Man muss sich ja nicht auf eins festlegen…  Wir wollen ausbrechen aus dem klassischen Zeug, was jede Band macht.

Wenn man sich euer Musikvideo wie "Spinaci" anschaut – das ist nicht gerade schön.

Nina: Was ist denn hässlich und was ist schön?
Lotta: Ich vergleiche das immer mit dem Theater: Da gibt es Leute, die wollen immer die Prinzessin sein und anderen ist es egal, denen geht es einfach darum, etwas zu spielen, auch mal die Oma oder den Opa. So ist das auch bei Musikvideos und bei Musik an sich.
Nina: Da bin ich wieder bei den sozialen Netzwerken: Es ödet einen regelrecht an, dieses Streben, ein perfektes Leben zu führen und perfekt auszusehen und sich perfekt zu ernähren, viel Sport zu treiben, um den perfekten Körper zu haben – das finde ich einfach komplett uninteressant. Da können wir ja eine kleine Gegenbewegung starten als Band, als Statement.

Welche Rolle spielt es, dass ihr eine frauendominierte Band seid?

Nina: Für uns eigentlich keine… Uns ist aufgefallen, dass es wenig Frauen in der Branche gibt und wir haben uns gefragt wieso?
Lotta: Ich habe zum Beispiel manchmal das Gefühl, dass man nicht so richtig ernst genommen wird, wenn man sowas sagt, wie: Frauen und Technik! Das ist komisch.
Nina: Lotta baut fast täglich ihr Schlagzeug auf und ab und trotzdem gibt es Leute, die denken, sie müssten ihr erklären, wie man das macht.
Johann: Es gibt auch Leute, die finden es immer noch absurd, dass eine Frau Schlagzeug spielt, warum auch immer.
Nina: Unser Beitrag ist eben: Wir sind zwei Mädchen und wir machen Musik und wir wollen auch, dass es möglichst viele Mädchen und Frauen auch machen – weil die fehlen auf jeden Fall, die Frauen. Und das ist schade, dass es die so selten gibt.

Blond aus Chemnitz - Nina Kummer (Gesang), Lotta Kummer (Schlagzeug, Rap) und Johann Bonitz (Bass)
Blond vor ihrem Auftritt in Magdeburg im Backstagebereich. Bildrechte: Thomas Reichl

Was bedeutet Chemnitz als Heimatstadt für euch?

Lotta: Das ist eine Stadt, die noch nicht ganz fertig ist. Und das ist besser, als wenn du in einer Stadt wohnst, in der es schon alles gibt. Wenn du was aufmachen willst, juckt es niemanden. Aber hier ist es so: Die Stadt ist noch nicht ganz fertig und wenn du Bock hast, dass es besser wird, kannst du das selber machen.

Ihr stammt ja aus einer Musikerfamilie: Euer Vater, Jan Kummer, war als Musiker in der DDR aktiv (AG Geige), eure Brüder spielen bei Kraftklub. Welche Rolle spielt das? Hat es euch geholfen – aktuell seid ihr ja Vorband von Kraftklub?

Lotta: Das klingt immer so, als würden wir am Abendbrottisch sitzen und sagen: So, jetzt nehmt ihr aber mal eure Schwestern mit, kommt schon, die wollen doch auch mal! Wir wurden ganz normal angefragt. Die hätten uns auch angefragt, wenn wir uns nicht gekannt hätten.
Nina: Wir haben ja auch nicht angefangen und wurden sofort mitgenommen… Wir wurden ganz offiziell angefragt, nicht beim Familientreffen oder so.

Das Interview führte Marcus Fitsch.

Über die Band: Blond (nicht zu verwechseln mit den schwedischen Eurovision Song Contest-Teilnehmern 1997) sind Johann Bonitz, Lotta und Nina Kummer, die Schwestern der Kraftklub-Musiker Felix und Till Kummer. Das Trio kommt ebenso aus Chemnitz und bezeichnet den eigenen Musikstil als Mischung aus Indie, Pop und Las Vegas Glamour. Ihrem Publikum bieten sie eine überraschungsreiche und unterhaltende Shows mit Tanz- und Rapeinlagen. Derzeit sind sie als Vorband von Kraftklub auf Tour.

Tourdaten (Auswahl): 23. März | Rostock
27. April | Erlangen (Unter einem Dach Festival)
2. August | Elend, Sachsen-Anhalt (Rocken am Brocken Festival)
19. Oktober | Magdeburg

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | artour | 08. März 2018 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2018, 07:38 Uhr

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