Reggae-Künstler Wie Bob Marley die Musikwelt beeinflusste

Mit Bob Marley wurde die Reggae-Musik weltweit populär, die vor gut einem Jahr sogar ins immaterielle Weltkulturerbe von der Unesco aufgenommen wurde. 1981 starb der Musiker. Aber sein Einfluss ist in der Musik und über sie hinaus ungebrochen. Warum dieser Jamaikaner auch fast 40 Jahre nach seinem Tod noch so präsent ist.

Bob Marley, 1979
Für viele war Bob Marley die Stimme einer ganzen Generation. Bildrechte: imago/Prod.DB

Die internationale Erfolgsgeschichte von Reggae beginnt Anfang der 70er-Jahre. Der englische Musikjournalist Neil Spencer erinnert sich, wie Bob Marley schon damals ein Star in Jamaika gewesen sei. Aber eben nicht darüber hinaus.

Es sei die Weitsicht des Musikproduzenten Chris Blackwell gewesen, Bob Marley und den Wailers zur Albumproduktion Geld zu geben, so Spencer. "Dieses Album ist eben ein Meilenstein der Musik auf einer Ebene mit Sergent Peppers oder the Doors. Die Musikwelt war danach nicht mehr die Gleiche."

Eine Zeit vor und nach Bob Marley

Neil Spencer hat Bob Marley mehrmals getroffen und interviewt. Zu der Zeit war er Chefredakteur des einflussreichen New Musical Express'. In seinen Augen war Marley ein Revolutionär.

Vor und nach Bob Marley sind komplett unterschiedliche Zeiten in der Musik.

Neil Spencer, Musikjournalist

Nach Spencer gab es bis zu Erscheinen Bob Marleys nur einen kleinen Kreis weißer Musikfans, die sich für Reggae interessierten. "Als ich beim NME anfing, machten die Redakteure noch rassistische Bemerkungen über Reggae und Rastas. Das änderte sich erst mit Bob Marley."

Botschafter einer Kultur

Bob Marley
Bob Marley beeinflusste sowohl die Musikwelt als auch eine ganze Generation. Bildrechte: Universal Music

Bob Marley veränderte die Welt der Musik. Aber auch das Denken der Jugendlichen. Zuerst erntete er noch Kopfschütteln als Anhänger der Rastafari, die in dem äthiopischen Herrscher Haile Selassie den schwarzen Messiahs sahen. Aber der charismatische Bob Marley erreichte die Menschen weltweit in ihren Herzen. Er sah sich selbst ebenfalls als Revolutionär - "ohne Hilfe, aber unbestechlich. Er trage den Kampf im Alleingang mit Musik aus, so Marley. Für ihn war Rasta die Zukunft.

Der erste Superstar der dritten Welt

Bob Marley kiffte lieber und spielte Fußball, als sich um schicke Villen und teure Autos zu kümmern. Bob war "real" und das spürten die Menschen. Wenn Bob sang, sagt seine Witwe Rita, dann sang er über das wahre Leben. Über die Schmerzen, über Armut. Und er wusste wovon er sang, er hat das ja selbst alles erlebt.

Mit Bob Marley trat eine ganz neue Art von Superstar auf die Bühne, sagt Neil Spencer. Er sei der erste Superstar der dritten Welt gewesen. Für Spencer sei besonders gewesen, dass er sich in der Rockszene behauptete, aber aus Jamaika kam. "Er kam aus ärmlichen Verhältnissen und kannte die Probleme der Armen. Egal, ob unterdrückte Menschen in Amerika oder die Aborigines in Australien - überall wo Menschen unterdrückt werden, hörst du die Musik der Wailers.

Genreübergreifender Einfluss

Bis heute hat es keinen Musiker gegeben, der sich so für die Unterdrückten dieser Welt eingesetzt hat. Aber auch musikalisch ist Bob Marleys Erbe ohne Vergleich. Marley machte die Reggaemusik mit der ungewohnten Betonung der Off-Beats im Takt weltweit populär. Sein Produzent und damaliger Freund Lee Scratch Perry dekonstruierte im Studio die Songs und setzte sie neu zusammen, mit Hall und Echo-Effekten. Daraus entstand Dub Reggae. Das Prinzip Dub war immens einflussreich auf die Clubkultur mit ihren Remixen.

Dieses bewusste Zerstückeln von Songs im Dub wurde später im Hip Hop mit Hilfe von Computer-Samplern umgesetzt. Marleys Reggae beeinflusste auch ganz direkt die Rap-Szene. Denn der Sprechgesang hatte mit der Tradition der Toaster im Reggae ebenso seinen Vorläufer. Bob Marley stand im Zentrum all dieser Entwicklungen, war entweder direkt daran beteiligt oder ihr Pate und Ideengeber.

Marleys Erben

Bob Marley
Marleys Musik hielt Einzug in viele verschiedene Musikgenre. Bildrechte: Universal Music

Musikalisch gehörte Bob Marley selbst vor allem der Roots-Reggae-Musik an. Roots Rock Reggae – das sang Bob Marley nicht nur. Er brachte auch diese Verbindung von Rock, R'n'B und Soul mit der Musik Jamaikas zusammen. Unzertrennbar verbunden mit der Botschaft der Rastafari. Nach Bob Marley gab es lange niemand, der diese Fackel weitertrug. Es wird sich sehr wahrscheinlich auch nie wieder eine Person finden, die wie er Musik und Spirit so eng miteinander verbinden konnte.

Aber seit einigen Jahren gibt es das so genannte Roots-Revival im Reggae. International erfolgreiche Musiker wie Chronixx, Protoje und Kabaka Pyramid nehmen die Musik und Botschaft von Bob Marley und singen wieder von den Dingen, die im Leben wirklich wichtig sind. "Mein Reichtum sind keine materiellen Güter", so Bob Marley - "mein Reichtum ist das Leben".

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Februar 2020 | 18:05 Uhr

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