Vor 75 Jahren geboren Bob Marley: Musik als Revolution

Durch ihn wurde eine ganz neue Musikrichtung populär: der Reggae. Bob Marley war aber mehr als nur ein Musiker, er war auch Vorkämpfer des Panafrikanismus und Botschafter seiner Heimat. Heute wäre er 75 Jahre alt geworden.

Bob Marley
Aufgewachsen in Jamaika, feierte Bob Marley mit seiner Musik weltweit Erfolge. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Zur Musik sagte Bob Marley einst, dass er sie fühle und man sie deswegen nicht nachmachen könne. Für ihn sei sie ein Gefühl, das von innen kommt und das man nicht lernen könne. "Klar kannst du theoretisch den Rythmus und die Harmonien verstehen, aber trotzdem kannst du die Musik nicht machen", so der Reggae-Musiker.

Musik als Heimat

Bob Marley. Die Musik seiner Heimat ist für ihn Herzens- und Seelen-Angelegenheit, mit dem Reggae wird Marley groß – wortwörtlich. Als Sohn einer jamaikanischen Sängerin und eines britischen Offiziers wächst er in den Slums von Kingston auf, in Trenchtown. Hier, wo in den 1950er und 60er-Jahren Rock’n Roll, Rhythm and Blues, westafrikanische Folklore und der karibische Calypso aufeinandertreffen. Heraus kommt, was zunächst als Ska oder Rocksteady bezeichnet wird, dann als Reggae.

Mit dem Reggae gegen Rassismus

Bob Marley
Eine Ikone der Rastafari: Bob Marley. Bildrechte: Universal Music

Seit Anfang der 60er-Jahre macht Marley Musik, gründet mit Bunny Wailer und Peter Tosh die "Wailers". Der britische Musik-Journalist Neil Spencer führt als einer der ersten mit Marley ein Interview. Für ihn sei der Musiker ein Revolutionär gewesen, "in dem Sinne, dass sich mit Bob Marley die ganze Musikszene geändert hatte."

In Großbritannien hätte es nur einen kleinen Kreis weißer Musikfans gegeben, die sich mit Reggae-Musik abgaben. Außer den Mods und den Skinheads hätte niemand diese Musikrichtung gehört, so Spencer. "Als ich beim 'New Music Express' anfing, machten die Redakteure noch rassistische Bemerkungen über Reggae und Rastas. Reggae-Platten landeten umgehend im Papierkorb. Das war lange die vorherrschende Haltung und änderte sich erst mit den Wailers

Musik als Religion

Doch für Marley ist der Reggae nicht nur einfach Musik. Er nutzt ihn, um seine Botschaften auszusenden. Vom Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit und Rassismus, gegen die Unterdrückung und jahrhundertelange Ausbeutung der Schwarzen, für ein neues Selbstbewusstsein der ehemaligen Sklaven. Exodus, der biblische Auszug ins heilige Land – "Back to Afrika", Heimkehr nach Afrika, wo in Äthiopien Kaiser Haile Selassi thront, der "Erlöser der Farbigen", der gottgleich verehrte "König der Juden". Er selbst sei schon immer Rasta gewesen, berichtet Marley. Der Rasta-Glaube sei eng verbunden mit Reggae.

Bob Marley
Bildrechte: Universal Music

Meine Musik ist mehr als nur Musik der Rastafaris. Sie ist die Musik des Volkes, die Kraft des Volkes. Und so ist die Kraft des Volkes die Kraft der Rastafari.

Bob Marley, Reggae-Musiker

Die Rastafari-Philosophie, die Marley in die Welt trägt, ist weit mehr als die Dread-Locks, die bunten Wollmützen und T-Shirts, die vegetarische Ernährung, das Kiffen oder die plakative Systemkritik am "Babylon" der westlichen Welt – all das, was Marleys weiße Anhänger im Westen gern und schnell kopieren.

Der Autor Andrian Kreye meint, Marley lieferte das "überschaubare Gerüst für ein Hippie-Lebensgefühl, das zu nichts verpflichtete, wil man die exotischen Insignien ebenso schnell wieder ablegen konnte, wie man sie sich angeeignet hatte."

Aufstieg zum Weltstar

Mitte der 1970er landet Marley mit "Stir it up", "I shot the sheriff" und vor allem "No women, no cry" seine ersten Riesen-Hits. Schnell wird er danach zum verklärten Superstar gemacht. Der "erste Rock-Superstar aus der dritten Welt". Dabei sind Marley Star-Allüren fremd. Doch die Legendenbildung ist schon in vollem Gange. Gleichzeitig rückt Marleys Gesundheit in den Mittelpunkt. Anfang der 80er-Jahre sagt er selbst, dass er verstehe, dass sich Journalisten sehr besorgt über seine Gesundheit zeigten. "Ich danke euch für eure Anteilnahme. Bald ist alles wieder in Ordnung." Er kündigt neue Aufnahmen und Auftritte an.

Plötzliches Ende

Bob Marley
Marley verstirbt 1981 überraschend an einem Hirntumor. Bildrechte: Universal Music

Bob Marley im September 1980, auf dem Höhepunkt seiner Karriere: ausverkaufte Tourneen, grandiose Plattenumsätze, umjubelte Konzerte vor zehntausenden Zuschauern. Doch neue Konzerte und Aufnahmen wird es nicht geben.

Bob Marley stirbt im Mai 1981 an einem Gehirntumor. Radiosender auf Jamaika unterbrechen für die Meldung ihr Programm. Zeitungen veröffentlichen Sonderausgaben. Etwa 100.000 Jamaikaner kommen zum Staatsbegräbnis in Kingston. Marley wird in einem Bronzesarg beigesetzt – mit Bibel und E-Gitarre.

Mehr Musikgeschichte

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Februar 2020 | 06:40 Uhr

Abonnieren