Der Sänger Tobias Jundt der Band Bonaparte steht beim Lollapalooza Festival auf dem Gelände der Rennbahn Hoppegarten auf der Bühne.
Sänger Tobias Jundt von der Band Bonaparte. Bildrechte: dpa

Neues Album "Was mir passiert" Wie Bonaparte Afrobeats mit Schweizerdeutsch verbindet

Früher war Tobias Jundts Band Bonaparte für provokante Shows bekannt. Zehn Jahre ist es bereits her, dass Bonaparte mit dem Song "Anti Anti" einen Ohrwurm landete. Nun hat Tobias Jundt sein persönlichstes Album herausgebracht: "Was mir passiert". Darauf lässt er die Elfenbeinküste erklingen und singt mit Sophie Hunger. Eine Albumkritik.

von Maximilian Enderling, MDR KULTUR

Der Sänger Tobias Jundt der Band Bonaparte steht beim Lollapalooza Festival auf dem Gelände der Rennbahn Hoppegarten auf der Bühne.
Sänger Tobias Jundt von der Band Bonaparte. Bildrechte: dpa

Extravagante Liveshows, nicht selten in Begleitung von Strippern und Stripperinnen oder Drag Queens. Dafür war Bonaparte bekannt, das Bandprojekt des Schweizer Musikers Tobias Jundt. Die Truppe hatte lange den Ruf weg, quietschbunte Konzerte zu inszenieren und dabei auch gerne mal zu provozieren. Dazu passte auch die Musik auf Bonapartes ersten Alben: schriller Elektropunk mit Partyrythmen. Auf Bonapartes letzter Platte "The Return of Stravinsky Wellington" waren dann aber deutlich ruhigere Klänge zu hören. Weniger Keyboard, mehr Akustik-Gitarre.

Jetzt bringt Bonaparte ein neues Album heraus: "Was mir passiert". Und Partymusik klingt anders. Bonaparte hat die Flegeljahre hinter sich gelassen und widmet sich jetzt ganz dem ruhigen, fast sentimentalen Musizieren.

Nebenjob als Dozent für Songwriting

Das liegt vielleicht auch am Nebenjob: Jundt ist Dozent für Songwriting an der Zürcher Hochschule der Künste. Die Tätigkeit habe ihn geerdet, sagt er. "Ich dachte, das ist doch schön, dann habe ich noch einen Bezug zur Schweizer Musikszene über die Studenten da, und gleichzeitig weiß ich dann wenigstens ein oder zweimal im Jahr, welcher Monat gerade ist, weil ich war schon wirklich on the road und Rock ’n’ Roll", sagt Jundt.

Ich hab mich fallen lassen in dieses Bonaparte-Dasein.

Musiker Tobias Jundt

Besonders rockig klingt sein Lehrplan tatsächlich nicht: "Songwriting Lyrics" oder "Creative Pop-Songwriting" steht auf dem Stundenplan.

Beats von der Elfenbeinküste

Poppig ist auch sein neues Album, das dabei jedoch einen spannenden Fokus hat: die aufstrebende Musikszene der Elfenbeinküste, zu der Bonaparte in den letzten Jahren immer wieder gereist ist. Gerade die Musik der Hauptstadt Abidjan hat es ihm angetan. "Die Beats stammen wirklich aus Abidjan und werden auch nur da zelebriert, wie der Coupé Decalé", erklärt Jundt. "Es gibt Sachen, die nur auf eine Stadt bezogen sind, das finde ich voll schön."

Ich meine: Was ist der Halle-Beat? Wenn eine Band aus Halle kommt, dann muss die diesen Beat haben. Den Gedanken finde voll schön!

Musiker Tobias Jundt

Und Bonaparte hat nicht nur Abidjans Rythmen mitgebracht. Auch viele ivorische Künstlerinnen und Künstler sind auf dem Album zu Gast wie Bop de Narr im Song "Warten".

Erstes Album auf Deutsch

Umso erstaunlicher ist es, dass "Was mir passiert" das erste Album ist, auf dem Bonaparte selbst überwiegend auf Deutsch singt, sogar muttersprachlich auf Schweizerdeutsch in dem wundervollen Duett "Dene wos guet geit" mit seiner Landsfrau Sophie Hunger. "Ich werde sicher irgendwann eine Platte auf Schweizerdeutsch machen", sagt Jundt. "Ich hab’s nicht gemacht, weil ich früher wollte, dass die Welt doch irgendwie versteht, was ich da sage." Jetzt könne er sich aber auch vorstellen, eine Platte auf Berndeutsch zu machen, die sich dann Leute in Australien anhörten und okay fänden. Schon auf diesem Album würdigt Bonaparte die deutsche Sprache, das Berndeutsche und die westafrikanische Musikszene gleichermaßen – und sie harmonieren wundervoll.

Aber warum gerade jetzt der sprachliche Umstieg bei diesem sonst so fremd klingenden Album? "Ich war nie sehr deutschaffin", sagt Jundt. "Ich hatte aber deutsche Texte rumliegen. Damon Albarn macht diese Reise und Platten mit Afrobeats in englischer Sprache schon seit 20 Jahren, warum sollte ich das tun?"

Sowas hat die Welt noch nicht gesehen

Tobias Jundt der Band Bonaparte
Früher noch mit pinkem Haar: Bonaparte Bildrechte: dpa

Und so schafft er stattdessen etwas Neues, das die deutsche Musiklandschaft so noch nicht gesehen hat. Auch inhaltlich haben sich Bonapartes Texte dabei verändert, die auf den ersten Alben noch betont hedonistisch waren. Von "Bohème" war da in den Kritiken vielfach die Rede. Zuletzt hatte er sich mit Songs wie "White Noise" dann gesellschafts-kritisch gezeigt, nun lässt er seine gefühlvolle Seite durchscheinen, die bisher wohl persönlichste Seite.

Tobias Jundt ist ausgezogen in die Welt, das Musizieren zu lernen. Wieder einmal. Gegründet hatte er Bonaparte schließlich auch auf einem Roadtrip nach Barcelona, von seiner Beziehung zu Neuseeland hat er auch immer wieder gesungen. Und nun kehrt er mit einem ivorischen Album zurück nach Europa. Immer noch ein Weltbürger. Immer noch ein Ausnahmemusiker.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Juni 2019 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2019, 04:00 Uhr

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