Jürgen Blin gegen Muhammad Ali
Muhammad Ali gegen Jürgen Blin 1971. Ali war einer der bedeutensten Schwergewichtsboxer der Welt. Er wurde 1941 als Cassius Marcellus Clay in den USA geboren und starb im Juni 2016. Den Titel "Unumstrittener Boxweltmeister" hat er drei Mal gewonnen und wurde 1999 vom Internationalen Olympischen Komittee zum "Sportler des Jahrhunderts" gewählt. Bildrechte: IMAGO

Sachbuch-Empfehlung "Ali - ein Leben": Eine großartige Muhammad Ali-Biografie

"Ali – Ein Leben" liest sich wie der Stoff für eine dramatische Netflix-Serie über den Aufstieg und Fall der Boxlegende. Diese erste vollständige Biografie erzählt Alis Leben in einem nie da gewesenen Detailreichtum.

von Kais Harrabi, MDR KULTUR-Kritiker

Jürgen Blin gegen Muhammad Ali
Muhammad Ali gegen Jürgen Blin 1971. Ali war einer der bedeutensten Schwergewichtsboxer der Welt. Er wurde 1941 als Cassius Marcellus Clay in den USA geboren und starb im Juni 2016. Den Titel "Unumstrittener Boxweltmeister" hat er drei Mal gewonnen und wurde 1999 vom Internationalen Olympischen Komittee zum "Sportler des Jahrhunderts" gewählt. Bildrechte: IMAGO

"The Greatest", der Größte: Mit diesem Kampfnahmen stieg Boxer Muhammad Ali in den Ring. Mit Größenwahnsinn und Charme zog Ali in den Sechzigern und Siebzigern die Öffentlichkeit in den Bann. Und eine ähnliche Mischung zeichnet auch Johnathan Eigs Biografie des Boxers aus. "Ali - ein Leben" ist die erste vollständige Biografie des kontroversen Boxers. Wer sich durch die über 700 Seiten kämpft, wird mit einem unfassbaren Detailreichtum belohnt. Eig hat vermutlich alles über Muhammad Ali herausgefunden, was man herausfinden kann. Vom Tapetenmuster im Kinderzimmer bis hin zur exakten Anzahl der Schläge in den Boxkämpfen. Interviews mit Zeitzeugen und Wegbegleitern lassen ein Bild des kontroversen Boxers entstehen.

Ali verweigerte den Kriegsdienst in Vietnam

Zu erzählen gibt es mehr als genug: Ali sorgte zu Lebzeiten für zahlreiche Kontroversen. Er hatte für damalige Verhältnisse ein sehr loses Mundwerk, schloss sich einer schwarzen Widerstandsbewegung an, konvertierte zum Islam und legte seinen "Sklavennamen" Cassius Clay ab. Er verweigerte den Dienst im Vietnamkrieg - damals eine Straftat - und riskierte so fast das Ende seiner Boxkarriere. Schließlich wurde er zu einer Ikone der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, bevor seine Karriere ein würdeloses Ende fand.

"Ali – Ein Leben" ist eigentlich Stoff für eine dramatische Netflix-Serie über den Aufstieg und Fall eines Boxers.

Kais Harrabi, MDR KULTUR-Kritiker
Muhammad Ali Biografie Ali - ein Leben, von Jonathan Eig - Buchcover
Muhammad Ali-Biografie "Ali - ein Leben" von Jonathan Eig Bildrechte: Deutsche Verlags-Anstalt DVA

Eig schafft es durch seine Detailversessenheit nicht nur, den Boxer Ali vor dem inneren Auge entstehen zu lassen, sondern auch die Welt um ihn herum. Ali wird 1942 im US-Bundesstaat Kentucky geboren. Ein Staat, der von Rassentrennung gezeichnet ist. Dagegen aufzubegehren bedeutet damals, sein Leben aufs Spiel zu setzen. In den Sechzigern folgen darauf die schwarze Bürgerrechtsbewegung und ihre radikalen Auswüchse, denen sich auch Ali anschließt.

Er ließ sich seine Hände betäuben

Eig spart aber auch nicht die dunklen Seiten des Boxgeschäfts aus. Etwa, dass Ali sich im späteren Verlauf seiner Karriere von seinem Arzt die Hände betäuben ließ. Oder die würdelosen letzten Kämpfe. Eine derart schonungslose Heldenbiografie hat man wohl selten zu lesen bekommen. "Ali – Ein Leben" ist eigentlich Stoff für eine dramatische Netflix-Serie über den Aufstieg und Fall eines Boxers und eine packende Zeitdiagnose, die angesichts der Proteste schwarzer Footballspieler in den USA auch wieder sehr aktuell ist.

Angaben zum Buch: "Ali - ein Leben" von Jonathan Eig, erschienen in der Deutschen Verlags-Anstalt DVA, gebunden, 704 Seiten, 32 Euro.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. Juni 2018 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Juni 2018, 04:00 Uhr