"Cubed" Kultobjekt der 80er: Rubik erzählt vom Zauberwürfel

Der Zauberwürfel, auch Rubik's Cube genannt, ist heutzutage ebenso ein Gradmesser für Intelligenz wie Schach oder ein IQ-Test. Wegen seiner Popularität ist er auch immer wieder Gegenstand von Büchern: Oft sind es Anleitungen, damit jeder die Lösung findet oder nostalgische Panoramen über die 80er. Nun hat der Erfinder Ernö Rubik selbst ein Buch veröffentlicht: In "Cubed: Der Zauberwürfel und die großen Rätsel dieser Welt" erzählt er aus seinem Leben und wie er den Kult erfunden hat.

Ernö Rubik
Ernö Rubik bei einem Zauberwürfel-WEttbewerb Bildrechte: imago images/ITAR-TASS

Meine erste Begegnung mit dem Zauberwürfel von Ernö Rubik hat mich nachhaltig geprägt. Weil ich es es einfach nicht auf die Reihe bekommen habe, den Würfel zu lösen, habe ich irgendwann versucht, mit rabiater Gewalt die kleinen Würfel rauszubrechen und an die richtige Stelle zu stecken. Sagen wir mal so: weder meine Fingernägel noch der Würfel haben diesen etwas unorthodoxen Lösungsansatz überlebt.

Ernö Rubik
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Damals war ich etwa sechs Jahre alt. Wahrscheinlich ist dieses Erlebnis daran schuld, dass ich den Hype um den Zauberwürfel nie so ganz nachvollziehen konnte. Würfelerfinder-Ernö Rubik beschreibt den Zustand, in den man beim Lösen des "Cubes" gerät so: "Die Gesichter wirken ganz ruhig, aber auch intensiv beschäftigt. Konzentriert, nach innen gekehrt, ohne Kontakt mit der Umgebung und der Außenwelt. Die Menschen sehen aus, als befänden sie sich in einem Zustand der Meditation, nur dass sie sich nicht in ihrem Innersten verlieren, sondern beschäftigt und aktiv sind. Sie existieren in einem der seltenen Momente, in denen Ordnung und Chaos friedlich nebeneinander bestehen."

Der verwunderte Erfinder

"Cubed: Der Zauberwürfel und die großen Rätsel dieser Welt" ist so etwas wie der Versuch Ernö Rubiks eine Autobiographie zu schreiben und die Geschichte des Würfels zu erzählen. Der Cube, Rubiks Zauberwürfel, war das Hype-Spielzeug der Achtziger. Wie ein Fidgetspinner, nur so nachhaltig, dass damit heute noch gespielt wird. Auch über vierzig Jahre nach seiner Erfindung werden noch Meisterschaften darin abgehalten, den Cube so schnell wie möglich zu lösen. Er ist zu einem Symbol für überdurchschnittliche Intelligenz geworden und für die alles bestimmenden 80er-Nostalgie, die von der Popkultur Besitz ergriffen hat. Selbst die Supercomputer der Tech-Konzerne bringt der Zauberwürfel an seine Grenzen. Rubik beschreibt diese Entwicklung in seinem Buch sehr anschaulich.

Ernö Rubik
1989 war Ernö Rubik selbst Schiedsrichter bei einem Wettbewerb. Bildrechte: dpa

Im Kern geht es aber weder darum, wie der Würfel zum Kultobjekt geworden ist, noch um Ernö Rubiks Lebensgeschichte. In "Cubed" geht es Rubik vor allem einer Frage nach: "Wie konnte ausgerechnet dieser unaufdringliche, unscheinbare ältere Herr aus Ungarn dieses wundersame Objekt erfinden?"Was braucht es, um ein Puzzle zu erfinden, dass Logik, Motorik, Geduld und Frustrationstoleranz fordert? Vielleicht ist es genau die Kombination aus Eigenschaften, mit denen Rubik sich selbst beschreibt. Er sei auf keinem Feld Profi, heißt es im Buch. Er gibt sich ausgesprochen bescheiden. Sein Antrieb seien vor allem Beharrlichkeit und Neugier, schreibt er über sich.

Ich kann nicht behaupten, das, was ich da machte, sei das Ergebnis eines Geistesblitzes gewesen – eines trügerischen "Heureka!"-Moments –, bei dem ich mir fast aus dem Nichts ein solches Objekt vorstellen konnte, und alles andere folgte dann. Es gab keinen bestimmten Zeitpunkt, den ich als einen Moment ähnlich Newtons sprichwörtlichem Erlebnis mit dem Apfel benennen könnte. Kein zufälliges Ereignis, kein Traum, keine Begegnung war der Auslöser.

aus: "Cubed" von Ernö Rubik

Sympathischer Erzähler

Rubiks Bescheidenheit hebt sich wohltuend von Größenwahn und Heldenverklärung ab, die sonst gerne Erfinderbiographien durchwehen. Mit Schaudern denkt man da an Geschichten von Elon Musk oder Steve Jobs. Streckenweise liest sich "Cubed" wie die Gedanken eines netten älteren Herren, der selbst nicht so recht begreift, was ihm wiederfährt. Dass er dabei die Seiten im Buch auch nutzt, um Weisheiten über Bildung, Kreativität oder harte Arbeit von sich zu geben, gehört zum Genre dazu. Dass er dabei manchmal übers Ziel hinausschießt und mehr nach Kluge-Sprüche-Kalender klingt, sei ihm verziehen.

Schließlich ist Rubik auch als Schriftsteller ein Amateur, wie er im Buch nicht müde wird zu betonen. Außerdem ist er ja ein durch und durch sympathischer Erzähler seiner Geschichte. "Cubed" ist ein lockeres, ausgesprochen charmantes Buch, dass das Phänomen des Zauberwürfels von allen Seiten recht gut erklärt. Selbst die mathematischen Probleme, die dem Würfel zu Grunde liegen erläutert Rubik anschaulich. Und tatsächlich hat mir "Cubed" auch Lust gemacht, den Würfel selbst mal wieder in die Hand zu nehmen und mich an der Lösung zu versuchen.

Ernö Rubik: Cubed. Der Zauberwürfel und die großen Rätsel dieser Welt
Cover von Rubiks Autobiographie Bildrechte: C.H. Beck

Angaben zum Buch Ernö Rubik: "Cubed: Der Zauberwürfel und die großen Rätsel dieser Welt"
aus dem Englischen übersetzt von Andreas Wirthensohn

erschienen bei C.H. Beck, 215 Seiten
ISBN: 978-3-406-75572-9
Preis: 19,95 Euro

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Oktober 2020 | 08:40 Uhr