Blick über den Messesee mit Durchgang auf das Congress Center Leipzig und die Glashalle
Blick über den Messe-See mit Durchgang auf das Congress Center Leipzig und die Glashalle Bildrechte: Leipziger Messe/Grubitzsch

Buchmesse-Chef Oliver Zille zum Umgang mit rechten Verlagen Leipziger Buchmesse will Zeichen für offene Gesellschaft setzen

Blick über den Messesee mit Durchgang auf das Congress Center Leipzig und die Glashalle
Blick über den Messe-See mit Durchgang auf das Congress Center Leipzig und die Glashalle Bildrechte: Leipziger Messe/Grubitzsch

Die Leipziger Buchmesse will Verlage aus dem rechten Spektrum nicht generell ausschließen. Das teilte Buchmesse-Direktor Oliver Zille am Mittwoch in Leipzig mit. Er betonte, auch rechte Verlage hätten das Recht auszustellen, wie andere auch, es gelte Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit. Man habe keine Handhabe, solche Verlage auszuschließen. Doch selbstverständlich müssten die Publikationen rechter Verlage mit dem Gesetz vereinbar sein. Auf die Frage, wieso eine GmbH - was die Leipziger Messe ist - Meinungsfreiheit garantieren müsse, antwortete Zille:

Die Messe ist öffentlicher Raum. Wir sind ein öffentliches Unternehmen. Und deswegen sind wir auch ganz eng an den Artikel 5 des Grundgesetzes in Bezug auf die Meinungsfreiheit gebunden. Und die Buchmesse tritt auch qua ihres eigenen Statutes für die Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit ein.

Oliver Zille, Chef der Leipziger Buchmesse

Gerade eine Buchmesse sei das "Brennglas der gesellschaftlichen Entwicklung" und sie zeige, dass es einen Zuspruch für demokratiefeindliche Bewegungen gibt. Damit müsse man umgehen. Sollte ein Verlag eine Publikation anbieten, die nicht gesetzkonform ist, werde man diese von der Messe entfernen. Das hieße jedoch nicht, dass man automatisch den gesamten Verlag entfernen könne, es handele sich um eine Frage der Verhältnismäßigkeit.

Sich mit Veranstaltungen gegen Rechts positionieren

Oliver Zille
Oliver Zille, Chef der Leipziger Buchmesse Bildrechte: MDR/Bernd Cramer

Man rechne mit vier bis fünf rechten Verlagen unter den Ausstellern 2018, der Anmeldeprozess sei aber noch nicht abgeschlossen. Zille sagte, man arbeite jedoch daran, dass rechte Verlage nicht zu sehr dominieren. Andere Themen dürften nicht außer Acht gelassen werden. Außerdem stehe man mit Initiativen wie #verlagegegenrechts im Austausch. Daraus seien Pläne für eine Veranstaltungsreihe entstanden, die "ein anderes Menschenbild und Meinungsspektrum transportiert, nämlich das einer offenen, freien Gesellschaft."

Was ist neu am Sicherheitskonzept?

Demonstranten halten am 14.10.2017 auf der Buchmesse in Frankfurt am Main (Hessen), bei einer Lesung und Podiumsdiskussion mit Thüringens AfD-Landes- und Fraktionschef Höcke, Protestplakate hoch.
Demonstranten bei einer Lesung und Podiumsdiskussion mit Thüringens AfD-Landes- und Fraktionschef Björn Höcke auf der Frankfurter Buchmesse am 14.10.2017 Bildrechte: dpa

Auf der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Herbst hatte es Proteste und Ausschreitungen gegeben, die Polizei musste einschreiten. Die Leipziger Veranstalter wollen ihr bestehendes Sicherheitskonzept nun anpassen und sich auf Proteste vorbereiten. Generell würde das Sicherheitskonzept für die Messe alljährlich mit Polizei, Staatsschutz und eigenen Sicherheitsleuten der aktuellen Lage angepasst, so der Buchmesse-Direktor weiter.

Der kommunikative Aufschwung der rechten Szene ist ein gesellschaftliches Phänomen. Wir werden auf der Buchmesse ein gesellschaftliches Problem nicht an vier Tagen lösen können. Wir sind einer der wenigen analogen Orte, wo eine Auseinandersetzung mit Rechts stattfinden kann. Das sind die Bedingungen, unter denen es die letzte Lösung, die alle zufrieden stellt, nicht geben kann.

Oliver Zille, Chef der Leipziger Buchmesse

Anteil ausländischer Verlage auf der Buchmesse wächst

Herta Müller
Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller Bildrechte: dpa

Die Leipziger Buchmesse findet in diesem Jahr vom 15. bis 18. März statt. Bislang seien die Anmeldezahlen "mehr als stabil", sagte der Buchmesse-Chef. 2017 hatten sich insgesamt 2493 Aussteller in Leipzig präsentiert. Der Anteil an ausländischen Verlagen wachse. Gastland wird in diesem Jahr Rumänien sein. Es werden große Namen wie Norman Manea, Mircea Cartarescu und die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller erwartet sowie viele jüngere Schriftsteller. Auch eine Preisträgerin steht schon fest: Åsne Seierstad erhält auf der Leipziger Buchmesse für ihr Buch über den Massenmörder Anders Breivik den Buchpreis zur Europäischen Verständigung.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Kompakt | 03. Januar 2018 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2018, 10:54 Uhr

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