Buchstadt-Chronik 1945-1983 Frankfurt, Leipzigs alte Konkurrentin, hat die Nase vorn

1945

Am 18. April wird Leipzig durch Truppen der US Army befreit. Doch ist klar, dass die Stadt, wie von den alliierten Siegermächten in Jalta vereinbart, schon bald unter sowjetische Verwaltung gestellt wird. Zuvor soll Major Douglas Waples vom Amt für psychologische Kriegsführung den Börsenvereinsvorstand und wichtige Verlage zur Übersiedlung nach Wiesbaden in der amerikanischen Besatzungszone bewegen. Waples, im Zivilberuf  Professor an der Library School der Universität in Chicago, kennt Leipzig von Besuchen aus der Vorkriegszeit. Gezielt spricht er Verleger an, weist sie auf den baldigen Einmarsch der Roten Armee hin und verspricht ihnen Unterstützung beim Umzug, inklusive Transfer der Firmenkonten. Am 12. Juni verlässt ein Fahrzeug-Konvoi mit den Inhabern der Verlage F.A. Brockhaus, Insel, Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung und Georg Thieme sowie des Kommissionsgeschäfts C. F. Fleischer die Stadt Leipzig in Richtung Westen. Eine Woche später folgt der Verlag Breitkopf & Härtel. Am 1. Juli übergeben die abziehenden US-Truppen Leipzig an die die Sowjetische Militäradministration.

Im Frühjahr 1946 nimmt in Leipzig mit Genehmigung der sowjetischen Besatzungsbehörden der Börsenverein der Deutschen Buchhändler seine Tätigkeit wieder auf. Erster Vorsteher ist (bis zu seinem Rücktritt 1948) Ernst Reclam, der den Umzug in die amerikanische Zone abgelehnt hatte.  

In Frankfurt am Main schließen sich 1948 die buchhändlerischen Landesverbände der amerikanischen und der britischen Besatzungszone zur Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verleger- und Buchhändler-Verbände zusammen. 1955 wird daraus der Börsenverein des Deutschen Buchhandels als Parallel-Gründung zum Leipziger. Schon im Oktober 1945 waren die in die US-Zone übergesiedelten Verleger in Stuttgart zusammengekommen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

1950

An der zweiten Frankfurter Buchmesse beteiligen sich bereits 100 ausländische Verlage - aus der Schweiz, Frankreich, Österreich, Großbritannien, Schweden, den USA, und den Niederlanden. Erstmals wird in Frankfurt der "Friedenspreis des Deutschen Buchhandels" vergeben.

Die Messe in Frankfurt am Main, veranstaltet vom Börsenverein (West), entwickelt sich bald zur weltgrößten Lizenzmesse. Nach knapp 200 Jahren löst Frankfurt damit Leipzig als Zentrum des Buchhandels in Deutschland ab. Die Leipziger Buchmesse hat während des Kalten Kriegs vor allem Bedeutung als Ost-West-Treffpunkt.

1951

Die 1933 abgebrochene Tradition des Wettbewerbs um die "Schönsten Bücher des Jahres" wird wieder aufgenommen und bis 1989 getrennt in der DDR und der BRD durchgeführt. Seit 1990 ist der Wettbewerb wieder eine gesamtdeutsche Veranstaltung.

1955

Das Leipziger Literaturinstitut in der Wächterstraße
Das Leipziger Literaturinstitut in der Wächterstraße Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Leipzig wird ein Literaturinstitut gegründet. Geleitet wird es bis 1970 durch den Lyriker Georg Maurer. 1958 erhält es Hochschulstatus und 1959 den Namen "Johannes R. Becher".

Zu den fast 1.000 Absolventen zählen Heinz Czechowski, Kurt Drawert, Adolf Endler, Ralph Giordano, Kerstin Hensel, Sarah Kirsch, Rainer Kirsch, Angela Krauß, Erich Loest, Dieter Mucke, Andreas Reimann, Gerti Tetzner und Fred Wander. Die Lehre knüpft an den Schreibinteressen junger Autoren an. So stehen schöpferische Seminare für Lyrik, Prosa und Dramatik im Mittelpunkt der Ausbildung.

1959

Von nun an wird in Leipzig - anknüpfend an die Tradition von 1927 - alle sechs Jahre wieder eine Internationale Buchkunstausstellung veranstaltet. Die letzte findet 1989 statt.

1963

Erstmals wird in Leipzig der internationale Wettbewerb "Schönste Bücher aus aller Welt" veranstaltet. Daran teilnehmen können Bücher, die bereits in ihrem Ursprungsland im Ergebnis eines nationalen Ausscheids ausgezeichnet worden sind. Beurteilt werden dabei Buchgestaltung und Typografie, Ästhetik und Lesbarkeit, aber auch Ausstattung und Herstellungsqualität durch eine jährlich wechselnde, international besetzte Fachjury.

1983

Von den 78 DDR-Verlagen haben 38 ihren Sitz in Leipzig.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im ... Radio | 24.03.2017 | 12:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2011, 18:34 Uhr