Die norwegische Autorin und Journalistin Åsne Seierstad, aufgenommen im Gewandhaus zur feierlichen Eröffnung der Buchmesse.
Die norwegische Journalistin Åsne Seierstad bei der Verleihung des Buchpreises zur Europäischen Verständigung im Gewandhaus Leipzig Bildrechte: dpa

Verleihung des Buchpreises zur Europäischen Verständigung Preisträgerin Seierstad: Rechtsextremismus entblößen, um ihn zu bekämpfen

Die norwegische Autorin und Journalistin Åsne Seierstad, aufgenommen im Gewandhaus zur feierlichen Eröffnung der Buchmesse.
Die norwegische Journalistin Åsne Seierstad bei der Verleihung des Buchpreises zur Europäischen Verständigung im Gewandhaus Leipzig Bildrechte: dpa

Die norwegische Autorin und Journalistin Åsne Seierstad ist mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2018 ausgezeichnet worden. Der Preis wurde ihr am Mittwochabend bei der feierlichen Eröffnung der Leipziger Buchmesse im Gewandhaus überreicht. Seierstad wurde für ihr Buch über den Massenmörder Anders Behring Breivik geehrt, es trägt den Titel "Einer von uns. Die Geschichte eines Massenmörders“. Breivik hatte 2011 in Oslo einen Terroranschlag verübt und auf der Insel Utøya 77 Menschen getötet.

In ihrer Dankesrede betonte die Preisträgerin, dass das Buch das schwierigste gewesen sei, das sie je geschrieben habe. Seit Breiviks Terrorakt habe der Rechtsextremismus in Europa noch zugenommen. Weiterhin sagte Seierstad:

Um ihn zu bekämpfen, müssen wir ihn entblößen.

Åsne Seierstad, Autorin und Preisträgerin

Schriftstellerin und Journalistin Verena Lueken hielt die Laudatio für Seierstad und bezeichnete das Buch "Einer von uns" als "Zeugnis einer Trauer immensen Ausmaßes". Seierstads furchtloser Blick und ihre klare Sprache in dem Werk schafften einen Raum von Freiheit, der es ermögliche, darüber nachzudenken: "Was haben wir falsch gemacht?".

Aufruf zu Toleranz

An der Eröffnungsfeier im Gewandhaus zu Leipzig nahmen auch der Direktor der Leipziger Buchmesse, Oliver Zille, und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer teil. Kretschmer betonte, wie wichtig Freiheit und Toleranz seien: "Wir brauchen den wohldurchdachten öffentlichen Diskurs der Ideen, wir leben von ihm.“ Schreiben und Lesen könnten dabei helfen, den Horizont zu weiten und neue Perspektiven zu schaffen.

Lesen macht nicht nur schlau, sondern auch stark - zum Beispiel gegen Unfug, Ignoranz oder Intoleranz.

Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen
Menschen demonstrieren auf dem Augustusplatz.
Während im Gewandhaus der Buchpreis verliehen wurde, demonstrierten davor 400 Menschen gegen rechte Verlage. Bildrechte: MDR/Dirk Knofe

Vor dem Leipziger Gewandhaus protestierten etwa 400 Menschen gegen rechte Verlage auf der Buchmesse. "Wir werden nicht hinnehmen, dass rechte Ideologien auf der Buchmesse verbreitet werden", sagte René Arnsburg, Mitinitiator von #verlagegegenrechts auf der Kundgebung. Es gehe nicht um ein Verbot, sondern um Widerstand. Die Buchmesse hatte zuvor die Zulassung rechter Verlage verteidigt und zu einer offenen und gewaltfreien Debatte aufgerufen.

Einer der wichtigsten Literaturpreise Deutschlands

Der Buchpreis ist mit 20.000 Euro dotiert und wird seit 1994 vergeben. Er zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen in Deutschland. Im vergangenen Jahr hatte der Franzose Mathias Énard den Preis für sein Buch "Kompass" erhalten. Mit der Verleihung des Buchpreises zur Europäischen Verständigung wird die Leipziger Buchmesse traditionell eröffnet. Ab Donnerstag ist die Messe für Besucher geöffnet. Gastland in diesem Jahr ist Rumänien. Laut Messe präsentieren sich diesmal 2.635 Aussteller aus 46 Ländern, fünf Prozent mehr als im Vorjahr.

Alles zur Leipziger Buchmesse 2018

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur kompakt | 15. März 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2018, 20:01 Uhr

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