Corona und die Folgen Kommentar zur Buchmesse-Absage 2021: "Eine vernünftige, klare Entscheidung"

Die Leipziger Buchmesse ist abgesagt. Die Messe in ihrer klassischen Form mit Publikum und Gästen wird es 2021 nicht geben. Nachdem sie zunächst auf Ende Mai verschoben wurde, findet sie nun gar nicht statt – zumindest nicht auf dem Messegelände in Leipzig. MDR KULTUR-Literaturredakteurin Katrin Schumacher sieht darin ein starkes Signal und eine neue Chance für das Buchfest. Ein Kommentar.

Impressionen der Leipziger Buchmesse 2019
So lebendig wie auf der Leipziger Buchmesse 2019 wird es auch in diesem Jahr Corona-bedingt nicht zugehen. Die Buchmesse in ihrer klassischen Form wurde abgesagt. Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Katrin Schumacher 2 min
Bildrechte: MDR/Hagen Wolf
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Eine klare Entscheidung und das auch nicht kurz vor knapp, sondern mit langem Vorlauf. Dass die Leipziger Messe jetzt schon dieses riesige Publikumsevent absagt, in dem sich laut miteinander sprechend – und ja: in aller Intimität – begegnet wird, ist ein starkes Signal. Statt mit den Unwägbarkeiten zu hantieren, erzählt es uns von der Realität. Niemand weiß, wie es Ende Mai aussieht mit der Pandemielage. Und niemand kann einschätzen, ob die Mühen und Planungen, die Alternativen und Sicherheitsmaßnahmen, an denen schon herumgedacht wurde und bis zum Ende würde, überhaupt zu Stande gekommen wären.

Buchmesse 2020 war offensichtlich eine Lehre

Es gilt die alte Wahrheit, dass man die Zukunft am besten vorhersehen kann, indem man sie selbst gestaltet. Und in solch einer unabsehbaren Lage ist es das Vernünftigste, keine leeren Energien zu produzieren, sondern von vornherein zu sagen: Klassische Buchmesse ist etwas für nachher. Nach Covid-19, nach der Pandemie, für dann, wenn wir wieder sicher und gut zusammenkommen können.

Die Leipziger Messe scheint aus dem Schock des vergangenen Jahres, als im März kurz vor Toröffnung abgesagt wurde, Lehren gezogen zu haben. Dieser Moment, in dem Autorinnen und Autoren stündlich Lesungsabsagen bekamen und ein Auftritt nach dem anderen wegbrach. In dem Bühnenprogramme und Lesenächte in rasantem Tempo zu Staub wurden. Ach ja, hier noch schnell eine Lesung und da noch schnell ein Treffen – bevor wir auseinandergegangen sind, wir Leserinnen und Leser und Autorinnen und Autoren.

Mit voller Kraft in die Zukunft blicken

Katrin Schumacher
MDR KULTUR-Literaturredakteurin Katrin Schumacher Bildrechte: MDR/Hagen Wolf

Nun: Für die Verlage und die Schreibenden ist es eine weitere Katastrophe im Chor der schlimmstmöglichen Zustände. Das Corona-Loch, in das Romane, Debüts, wichtige Sachbücher und kleine, feine Gedichtbände fielen. Es ist weiter mit all seinen fiesen aufschürfenden Abhängen offen und es wird weiter gefüttert werden.

Aber dass die Leipziger Messe jetzt bereits sagt "Wir können nicht sein", ist auch eine Chance. Dafür, den Bücherfrühling neu zu denken – alle Kraft voraus. Tun, was möglich ist, mit Abstand das krachendste Buchfest zu denken, was in dieser Welt möglich ist. Das müssen wir Journalistinnen und Journalisten tun, das müssen wir Leserinnen und Leser tun. Im Zweifel so: Wir sind die Buchmesse.

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Corona und die Folgen für die Kultur

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Januar 2021 | 14:55 Uhr

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Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei