Corona-Pandemie Buchmesse-Chef: Absage der Leipziger Buchmesse bietet auch Chancen

Der erneuten Absage der Leipziger Buchmesse kann deren Direktor, Oliver Zille, auch Positives abgewinnen. Schon länger habe er sich eine Zeit des Neustarts und Aufräumens für die Literaturschau gewünscht. Seine Vorstellungen hat Zille im Gespräch mit Vladimir Balzer von MDR KULTUR berichtet.

Die wiederholte Absage der Leipziger Buchmesse sieht deren Direktor Oliver Zille auch als Chance, Dinge neu zu denken und auch mal aufzuräumen. Im Gespräch mit MDR KULTUR verweist er zwar darauf, dass die Absage der Literaturschau aufgrund der Corona-Pandemie die einzige denkbare verantwortungsvolle Lösung war, wenn auch "für den Markt die schlechteste". Es sei eine eher pragmatische Entscheidung gewesen, und zu Pragmatismus neige er schon vom Typ her, so Zille.

Schon die letzten Jahre dachte ich so: Wenn man hier die Reset-Taste mal drücken könnte bei der Buchmesse. Mal an bestimmten Stellen aufräumen!

Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse

Leben in der Zukunft

Das Engagement bei der Leipziger Buchmesse beschreibt Zille als Leben in der Zukunft, denn "Es ist immer die nächste Messe. Und dann ist die Messe rum – und dann ist schon wieder die nächste Messe. Man lebt dann schon immer im Jahr darauf."

So blickt er auch schon auf die anstehenden Planungen zur Buchmesse im Jahr 2022. Hier stellen sich ihm die Fragen: Was ist jetzt wirklich noch gut? Was hilft dem Markt? Was hilft dem Standort Leipzig? Was hilft der Buchbranche? Die Zeit der abgesagten Buchmessen hat er auch genutzt, "mal über die Buchmesse grundsätzlich nachzudenken, was sie in der Zukunft sein soll – oder sein kann". Darum hadert der Pragmatiker auch nicht mit der aktuellen Situation.

Impressionen der Leipziger Buchmesse 2019
Der Ausfall der Leipziger Buchmesse ist für viele Literaturinteressierte ein großer Verlust. Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Zwar hätte auch Zille sich gewünscht, dass man nicht "solche Brocken auf dem Weg liegen hat und die wegräumen muss". Aber er behält auch die gesamte Gesellschaft im Blick, die sich schließlich mit den Einschränkungen und Änderungen im Zuge der Corona-Pandemie auseinandersetzen muss.

Nicht jammern

Als Fazit zieht Zille: "Also werden wir nicht jammern, sondern eben schauen: Was ist jetzt zu tun und wie können wir der Buchbranche, dem Standort Leipzig und uns selbst helfen, das Beste aus dieser superschwierigen Situation zu machen." Und er setzt noch den optimistischen Gedanken obenauf, "und dann gucken, dass man noch ein bisschen mehr rausholt."

Nicht was ich mir wünsche, sondern was möglich ist – und dann einen drauf.

Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse

Alles zur Leipziger Buchmesse 2021

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. März 2021 | 11:05 Uhr

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Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei