Esther Kinsky bei der Verleihung des Leipziger Buchmessepreises in der Kategorie Belletristik
Esther Kinsky bei der Preisverleihung Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Preis der Leipziger Buchmesse 2018 Esther Kinsky gewinnt Leipziger Buchmessepreis

Esther Kinsky hat für ihren Roman "Hain - Geländeroman" den ersten wichtigen Buchpreis des Jahres gewonnen. Für das beste Sachbuch wurde der Historiker Karl Schlögel ausgezeichnet. Die beiden Übersetzer Sabine Stöhr und Juri Durkot erhielten die Auszeichnung für ihre Übertragung von Serhij Zadans "Internat" aus dem Ukrainischen ins Deutsche. Alle Gewinner erhalten jeweils 15.000 Euro Preisgeld.

Esther Kinsky bei der Verleihung des Leipziger Buchmessepreises in der Kategorie Belletristik
Esther Kinsky bei der Preisverleihung Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Der Preis der Leipziger Buchmesse 2018 geht an Esther Kinsky. Sie wurde für ihren bei Suhrkamp erschienenen Roman "Hain - Geländeroman" in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet. Kinsky erzählt in "Hain" von drei italienischen Reisen einer Ich-Erzählerin abseits der touristischen Pfade. Die Jury würdigte ihr Schreiben als "stille, fast übersinnlich präzise Beobachtungen, die ihre Tiefe aus der Versenkung in die Oberfläche gewinnen." Kinskys Reizreduktion mache jedes Detail mit geradezu übersinnlicher Genauigkeit sichtbar, so die Jury weiter.

Buchmesse 2018, Esther Kinsky, Belletristik-Gewinnerin live OnAir am Stand von MDR KULTUR - 15.3.2018
Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Die im Bergischen geborene und in Berlin lebende 61-jährige Kinsky wurde bereits mehrfach für ihre Arbeiten ausgezeichnet. Ihr Werk umfasst neben Übersetzungen aus dem Polnischen, Englischen und Russischen auch Lyrik, Erzählprosa und Essays. 2009 war ihr erster Roman "Sommerfrische" erschienen, es folgten "Banatsko", "Am Fluss" und "Hain". In einer ersten Reaktion zeigte sich Kinsky "sehr überrascht und bewegt".

Historiker Schlögel für bestes Sachbuch geehrt

Karl Schlögel, Preisträger 2018 im Bereich Sachbuch des Preises der Leipziger Buchmesse, am Stand von MDR KULTUR  - 15.3.2018
Bildrechte: MDR/Stephan Flad

In der Kategorie Sachbuch setzte sich Karl Schlögel mit "Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt" durch. Die Juroren würdigten Schlögels Buch als meisterhaft erzählte Geschichtsschreibung. Der Historiker Schlögel durchdringe anschaulich die tiefen Schichten einer Epoche. In einer ersten Reaktion zeigte sich Schlögel bewegt und überwältigt. Schlögel sagte: "Ich fühle mich mehr als belohnt für die Mühen, die in diesem Buch stecken." Auf der Leipziger Buchmesse ist er kein Unbekannter: 2009 erhielt Karl Schlögel den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung für sein Sachbuch "Terror und Traum. Moskau 1937".

Übersetzerpreis für Ukraine-Drama

Buchmesse 2018, Juri Durkot (Übersetzung), Preisträger im Bereich Sachbuch des Preises der Leipziger Buchmesse 2018 (zusammen mit Sabine Stöhr) - 15.3.2018
Juri Durkot bei der Bekanntgabe des Übersetzungs-Preises Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Die beste Übersetzung kommt von Sabine Stöhr und Juri Durkot. Sie wurden für ihre Übersetzung von Serhij Zadans "Internat" aus dem Ukrainischen ausgezeichnet. Der Hintergrund von Zadans Werk ist der Konflikt zwischen moskautreuen Separatisten und der ukrainischen Regierung im Donbass.

Die Jury würdigte die Übersetzung von Stöhr und Durkot als glänzendes Pendant des Originals. Ihnen sei es gelungen, den dichten Beschreibungen Zadans auch im Deutschen eine enorme Wucht zu verleihen. "Lebendiger als in diesem Roman kann man vom Krieg nicht erzählen", sagte Jurorin Maike Albath in ihrer Würdigung.

Sabine Stöhr (r.), Juri Durkot (m) Übersetzungs-Preisträger Preis der Leipziger Buchmesse 2018, hier am Stand von MDR KULTUR im Gespräch mit Moderator Carsten Tesch - 15.3.2018
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Sabine Stöhr und Juri Durkot haben den Leipziger Buchmessepreis für ihre Übersetzung von Serhij Zadans "Internat" aus dem Ukrainischen erhalten. Worum es im Roman geht, erklären sie hier.

MDR KULTUR - Das Radio Do 15.03.2018 17:30Uhr 06:28 min

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Preis der Leipziger Buchmesse 2018 Impressionen von der Preisverleihung

Die Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse 2018: v.l.n.r Esther Kinsky (Belletristik), Karl Schlögel (Sachbuch), Sabine Stöhr und Juri Durkot (Übersetzung)
Die Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse 2018: v.l.n.r Esther Kinsky (Belletristik), Karl Schlögel (Sachbuch), Sabine Stöhr und Juri Durkot (Übersetzung) Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Die Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse 2018: v.l.n.r Esther Kinsky (Belletristik), Karl Schlögel (Sachbuch), Sabine Stöhr und Juri Durkot (Übersetzung)
Die Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse 2018: v.l.n.r Esther Kinsky (Belletristik), Karl Schlögel (Sachbuch), Sabine Stöhr und Juri Durkot (Übersetzung) Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Esther Kinsky bei der Verleihung des Leipziger Buchmessepreises in der Kategorie Belletristik
Esther Kinsky auf der Buchmesse-Tribüne Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Freude - Esther Kinsky den Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse 2018 gewonnen. 15.3.2018
Überwältigende Freude bei der Schriftstellerin Esther Kinsky über den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Esther Kinsky freut sich über den Preis der Leipziger Buchmesse 2018.
Esther Kinsky freut sich über den Preis der Leipziger Buchmesse 2018. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Buchmesse 2018, Esther Kinsky, Belletristik-Gewinnerin live OnAir am Stand von MDR KULTUR - 15.3.2018
Esther Kinsky im Gespräch mit MDR KULTUR-Moderator Carsten Tesch Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Karl Schlögel, Preisträger 2018 im Bereich Sachbuch des Preises der Leipziger Buchmesse, am Stand von MDR KULTUR  - 15.3.2018
Karl Schlögel am Stand von MDR KULTUR Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Buchmesse 2018, Karl Schlögel, Preisträger 2018 Sachbuch des Preises der Leipziger Buchmesse - 15.3.2018
Schlögel hat den Sachbuch-Preis für "Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt" erhalten. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Buchmesse 2018, Juri Durkot (Übersetzung), Preisträger im Bereich Sachbuch des Preises der Leipziger Buchmesse 2018 (zusammen mit Sabine Stöhr) - 15.3.2018
Übersetzungs-Preisträger Juri Durkot, umgeben von Menschen, die sich mit ihm freuten Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Sabine Stöhr und Juri Durkot sind die Preisträger im Bereich Übersetzung des Preises der Leipziger Buchmesse.
Sabine Stöhr und Juri Durkot, die Preisträger im Bereich Übersetzung des Preises der Leipziger Buchmesse bei der Preisverleihung Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Sabine Stöhr (r.), Juri Durkot (m) Übersetzungs-Preisträger Preis der Leipziger Buchmesse 2018, hier am Stand von MDR KULTUR im Gespräch mit Moderator Carsten Tesch - 15.3.2018
Carsten Tesch (l.) im Gespräch mit Juri Durkot und Sabine Stöhr Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Sabine Stöhr, Juri Durkot (Übersetzung) sind die Preisträger im Bereich Sachbuch des Preises der Leipziger Buchmesse 2018, hier am Stand von MDR KULTUR - 15.3.2018
Sabine Stöhr und Juri Durkot haben die Auszeichnung für ihre Übertragung von Serhij Zadans "Internat" aus dem Ukrainischen erhalten. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Buchmesse 2018, Geschäftsführer Martin Buhl-Wagner verkündet den Preisträger im Bereich Übersetzung. 15.3.2018
Martin Buhl-Wagner, der Geschäftsführer der Leipziger Messe, bei der Preisverleihung Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Buchmesse 2018, Kirstina Maidt-Zinke, Vorsitzende der Jury zum Preis der Leipziger Buchmesse - 15.3.2018
Kirstina Maidt-Zinke war die Vorsitzende der Jury zum Preis der Leipziger Buchmesse 2018. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Buchmesse 2018, Impressionen, Glashalle
Die Glashalle lockt wieder Buchliebhaber aus ganz Deutschland an. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Buchmesse 2018
Die mit dem Buchmesse-Logo gestaltete Messetreppe ist mittlerweile zum fotogenen Markenzeichen geworden. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
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Die Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse 2018: v.l.n.r Esther Kinsky (Belletristik), Karl Schlögel (Sachbuch), Sabine Stöhr und Juri Durkot (Übersetzung)
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Die weiteren Nominierten

Zu den Nominierten in der Kategorie Belletristik gehörten außerdem Anja Kampmann mit ihrem Roman "Wie hoch die Wasser steigen", Isabel Fargo Cole mit "Die grüne Grenze", der Roman "Dunkle Zahlen" von Matthias Senkel und Georg Klein mit "Miakro".

Auf der Shortlist in der Kategorie "Sachbuch" standen neben dem Sieger Martin Geck mit "Beethoven – der Schöpfer und sein Universum", Gerd Konen und "Die Farbe Rot", das Buch "Die Gesellschaft der Singularitäten - Zum Strukturwandel der Moderne" von Andreas Reckwitz sowie Bernd Roeck mit "Der Morgen der Welt. Geschichte der Renaissance".

Als beste Übersetzung nominiert waren Robin Detje für die Übersetzung aus dem Englischen von "Buch der Zahlen" von Joshua Cohen und Olga Radetzkaja für die Übersetzung aus dem Russischen von "Sentimentale Reise" von Viktor Schklowskij. Außerdem waren Michael Walter für die Übersetzung der Werkausgabe zu Laurence Sterne aus dem Englischen und Ernest Wichner für die Übersetzung aus dem Rumänischen von "Oxenberg & Bernstein" von Catalin Mihuleac im Rennen.

Frühere Preisträger

Im vergangenen Jahr hatte Natascha Wodin den Buchmessepreis in der Kategorie Belletristik gewonnen. Sie wurde für ihr Buch "Sie kam aus Mariupol" ausgezeichnet. Zu den Belletristik-Preisträgern der Vorjahre gehören Guntram Vesper mit "Frohburg" (2016), Saša Stanišić mit "Vor dem Fest" (2014), Wolfgang Herrndorf mit "Sand" (2012) und Clemens Meyer mit "Die Nacht, die Lichter" (2008).

In der Kategorie "Übersetzung" gewann 2017 Eva Lüdi Kong für "Die Reise in den Westen" (aus dem Chinesischen), als bestes Sachbuch wurde Barbara Stollberg-Rilinger für "Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit" ausgezeichnet.

Der Preis der Leipziger Buchmesse wird seit 2005 verliehen und ist mit insgesamt 60.000 Euro dotiert. Die Gewinner erhalten jeweils 15.000 Euro zu ihrem Preis, zudem bekommt jeder nominierte Autor 1.000 Euro. Über die Gewinner entschied eine siebenköpfige Jury aus Journalisten und Literaturkritikern unter Leitung von Kristina Maidt-Zinke. In diesem Jahr hatte es 403 Einreichungen gegeben.

Alle Belletristik-Preisträger seit 2005
Jahr Autor Buchtitel
2017 Natascha Wodin "Sie kam aus Mariupol"
2016 Guntram Vesper "Frohburg"
2015 Jan Wagner "Regentonnenvariationen. Gedichte"
2014 Saša Stanišić "Vor dem Fest"
2013 David Wagner "Leben"
2012 Wolfgang Herrndorf "Sand"
2011 Clemens J. Setz "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes"
2010 Georg Klein "Roman unserer Kindheit"
2009 Sibylle Lewitscharoff "Apostoloff"
2008 Clemens Meyer "Die Nacht, die Lichter"
2007 Ingo Schulze "Handy. Dreizehn Geschichten in alter Manier"
2006 Ilija Trojanow "Der Weltensammler"
2005 Terézia Mora "Alle Tage"

Alle Belletristik-Nominierten auf einen Blick

Mehr zur Leipziger Buchmesse

Über die Leipziger Buchmesse berichtet MDR KULTUR auch im Radio und Fernsehen: MDR KULTUR - Das Radio:
15.2. | 14:30 Uhr
15.3. | 12-14 Uhr und 17-19 Uhr
16.3. | 12-14 Uhr und 17-19 Uhr
18.3. | 12-13 Uhr

Im MDR Fernsehen:
15.3. | 22:05 Uhr "artour"
17.3. | 23:15 Uhr "Unter Büchern"

Zuletzt aktualisiert: 15. März 2018, 21:24 Uhr