Ein Mann liest die deutsche Wochenzeitung 'Junge Freiheit' mit dem Titelfoto der AfD-Politiker Höcke und Petry.
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Interview mit Publizistin Liane Bednarz Wie weit rechts steht die "Junge Freiheit"?

Die Wochenzeitung "Junge Freiheit" hat kürzlich ihre Teilnahme an der Leipziger Buchmesse abgesagt, weil sie sich dort zu Unrecht in die rechtsextreme Ecke gestellt sah. Wo im Spektrum der Neuen Rechten ist sie einzordnen? Ein Interview mit der Publizistin Liane Bednarz.

Ein Mann liest die deutsche Wochenzeitung 'Junge Freiheit' mit dem Titelfoto der AfD-Politiker Höcke und Petry.
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MDR KULTUR: Es gibt die offizielle Stellungnahme der "Jungen Freiheit", man wolle in keinem rechtsextremen Block auf der Buchmesse stehen. Aber steckt da möglicherweise mehr dahinter? Immerhin hat ja schon vor einigen Wochen der neurechte Ideengeber, Verleger und AfD-Vordenker Götz Kubitschek darauf gewettet, dass die "Junge Freiheit" nicht nach Leipzig kommt. Wette gewonnen, kann man sagen.

Liane Bednarz: Ja, das kann man in der Tat in gewisser Weise sagen. Mich hat diese Absage auch nicht überrascht. Dazu muss man wissen, dass die "Junge Freiheit" doch seit einiger Zeit versucht, sich sehr vehement gegenüber diesem radikaleren Umfeld rund um Götz Kubitschek abzugrenzen.

Und nun kommt hinzu, dass auf der Buchmesse die Stand-Anordnung offenbar so ist, dass die "Junge Freiheit" nicht nur neben Götz Kubitscheks Verlag platziert gewesen wäre, sondern dass sich in diesem "rechten Block" eben auch ein NPD-naher Verlag befindet, und unter anderem deswegen hat sie dann davon abgesehen.

Wobei der Chef der "Jungen Freiheit", Dieter Stein, neben Götz Kubitschek und Karlheinz Weißmann einstmals der Vordenker der so genannten Neuen Rechten in Deutschland war oder zumindest dafür gehalten wurde. Wofür steht denn die "Junge Freiheit" heute, wenn sie sich abgrenzt?

Juristin und Publizistin Liane Bednarz
Die Juristin und Publizistin Liane Bednarz Bildrechte: IMAGO

Also die "Junge Freiheit" ist, so nennt die Szene das selber, das Mutterschiff der neurechten Publizistik. Man beobachtet aber in den letzten Jahren insbesondere auch in der Auseinandersetzung rund um den Höcke-Flügel in der AfD, wie die "Junge Freiheit" versucht, mehr wieder in das gemäßigtere Spektrum zu kommen.

Sie finden immer wieder auch dezidierte Kritik sowohl an Kubitschek als auch an Björn Höcke dort. Und die "Junge Freiheit" hat, ich glaube es war in der letzten Ausgabe, getitelt: "Überdreht die AfD?", da ging es um die Äußerung von André Poggenburg – also mit diesem völkisch-radikalen Teil der AfD möchte Dieter Stein nichts zu tun haben.

Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass die "Junge Freiheit" ein völlig harmloses, konservatives Blatt geworden wäre. Sie ist im Grunde im klassischen Sinne rechtskonservativ. Sie finden da harmlose konservative Texte, Sie finden aber auch nach wie vor Artikel namentlich von Karlheinz Weißmann und Thorsten Hinz, auch ein Vordenker der Neuen Rechten, wo Sie dieses typische neurechte Gedankengut auch weiterhin finden. Herr Hinz hat sich beispielsweise sehr kritisch neulich über die Stolpersteine geäußert und sprach davon, sie würden das Lebensumfeld in einen kontaminierten Raum verwandeln.

Nochmal zurück zu der Formulierung bei der Absage der "Jungen Freiheit", man wolle bitteschön nicht in einem rechtsextremen Block stehen – das kann man jetzt logistisch sehen, auf der Buchmesse die Platzierung der Stände, man kann es aber auch ideologisch verstehen wollen, dass die "Junge Freiheit" signalisiert: Die anderen sind rechtsextrem, wir bitteschön nicht mehr.

Liane Bednarz

Liane Bednarz

ist Publizistin und Juristin. Sie schreibt unter anderem für den "Tagesspiegel", "Die Zeit" und "The European". Bednarz bezeichnet sich selbst als liberal-konservativ. Sie lebt in München.

Ja, ich muss ehrlicherweise sagen, ich habe mich über die Formulierung gewundert, weil ich zum Beispiel über Kubitschek immer noch sagen würde, das ist radikal-rechts. Rechtsextrem ist ein Begriff, der fast schon noch ein bisschen weiter geht. Für diesen NPD-nahen Verlag trifft das fraglos zu. Es ist eine ganz klassische inhaltliche Distanzierung, die man von der "Jungen Freiheit" eigentlich in der letzten Zeit auch gewohnt ist, aber nicht mit so einem scharfen Vokabular. Der Name sagt ja nun klipp und klar, wir wollen mit denen, sprich auch mit Kubitschek, nichts zu tun haben.

Wie stehen Sie grundsätzlich zur Präsenz von neurechten Verlagen auf der Leipziger Buchmesse? Muss man das zulassen?

Rein rechtlich gesehen muss man es zulassen, weil – das gilt auch für die Frankfurter Buchmesse – man eine gewisse Monopolstellung hat. Sie können also Verlage, so lange die nicht offen verfassungsfeindlich sind, kaum ausschließen. Und ich persönlich halte auch Ausschließungen für den falschen Weg, mit rechtem Gedankengut umzugehen. Das ist nun mal präsent in Teilen der Gesellschaft.

Ich halte es für wesentlich zielführender, sich damit inhaltlich auseinanderzusetzen und insbesondere auch Leute, die sich dafür begeistern, versuchen, wieder davon abzubringen oder für die Mitte zu gewinnen. Und das werden Sie sicherlich nicht durch so eine Ausgrenzungspolitik.

Und die Reaktion der "Verlage gegen Rechts" über die Absage der "Jungen Freiheit" finde ich persönlich sehr fragwürdig. Da freut man sich regelrecht und verkennt übrigens offenbar vollständig, dass die "Junge Freiheit" eigentlich so das einzige rechte Medium ist, das noch versucht, gegen diese Radikalisierungstendenzen zumindest vorzugehen.

Das Interview führte MDR KULTUR-Moderator Thomas Bille.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. März 2018 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2018, 13:21 Uhr