#wirwollenlesen "Macht die Buchmesse auf": Autoren protestieren in Offenem Brief gegen die Buchmesse-Absage

Messe Leipzig
Messegelände Leipzig Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Schock sitzt immer noch tief in der Branche: Auch 2022 wird in Leipzig keine Buchmesse stattfinden, zum dritten Mal hintereinander. Hintergrund der Entscheidung waren vermehrte Absagen von Verlagen und Ausstellern aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie. Auch ein digitales Ersatzprogramm ist derzeit nicht geplant. Das könnte sich vielleicht ändern.

Ich sehe nicht ein, warum wir in fünf Wochen keine Buchmesse abhalten können, wenn wir jetzt die Berlinale mit Publikum machen. Da fehlt mir jedes Verständnis für.

Gregor Sander im Gespräch mit Carsten Tesch

Kritik an "großen westdeutschen Verlagen"

Der Schriftsteller Gregor Sander hat unter dem Hashtag #wirwollenlesen einen Offenen Brief und eine Petition auf change.org verfasst. Darin macht er seiner Enttäuschung Luft. Viele bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben den Brief bereits unterzeichnet, z. B. Heike Geißler, Jaroslav Rudiš, Anke Stelling oder Kaśka Bryla.

Der Wortlaut des Offenen Briefs


An: Börsenverein des Deutschen Buchhandels
Leipziger Buchmesse
Bonnier Media Deutschland GmbH
Holtzbrinck Buchverlage GmbH
Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH

Macht die Buchmesse auf! Wir wollen lesen!

Wir sind wütend, traurig, fassungslos. Die Leipziger Buchmesse wurde von den großen westdeutschen Verlagen zur Absage gezwungen. Schon an diesem Wochenende dürfen wieder 10.000 BesucherInnen in die Fußballstadien, die Berlinale findet zurzeit mit Publikum in Berlin statt und 2G in den Geschäften wird gerade abgeschafft. Warum also soll in fünf Wochen nicht die Leipziger Buchmesse stattfinden? Ist Literatur nichts wert? Sind wir nichts wert?

Auch in Leipzig können und wollen wir Maske tragen, Abstand halten und wir wollen unser Publikum sehen. Ein funktionierendes Konzept liegt vor. Wir haben jahrelang an diesen Büchern gearbeitet. Jetzt wollen wir uns treffen, einander vorlesen und miteinander reden und streiten. Wir alle lieben die spezielle Atmosphäre in Leipzig, die großen und kleinen Veranstaltungen, die leuchtenden Augen der Leserinnen und Leser UND der Vorlesenden. Was es jetzt braucht von Penguin-Random-House, Holtzbrinck, Bonnier und den anderen Großen dieser Branche ist Solidarität mit Leipzig, mit den Leserinnen und Lesern und uns AutorInnen. Macht die Buchmesse auf! Wir wollen lesen!

#machtdiebuchmesseauf
#wirwollenlesen

Gregor Sander
Katja Oskamp
Heike Geißler
Jaroslav Rudiš
Simone Buchholz
Peter Wawerzinek
Julia Schoch
Sabine Rennefanz
Anke Stelling
Leona Stahlmann
Peggy Mädler
Thomas Lang
Dilek Güngör
Christian Baron
Kaśka Bryla
Kathrin Werner
Julia Holbe
Lea Streisand
Bov Bjerg
Tobias Siebert
Isabel Bogdan
Bettina Wilpert
Lara Rüter

Man sei "wütend, traurig, fassungslos", wie es in dem Brief heißt. Die Buchmesse sei von "großen westdeutschen Verlagen zur Absage gezwungen" worden. Sander und die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner stellen die Frage auf, wie es sein kann, dass die Messe abgesagt werde, aber gleichzeitig Fußballspiele mit Tausenden Besucherinnen und auch die Berlinale stattfinden könnten. Man könne und wolle auch in Leipzig "Maske tragen, Abstand halten." Am Ende fordern die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, die Buchmesse zu öffnen: "Wir wollen lesen!"

Adressaten des Briefs sind unter anderem die drei großen Verlagsgruppen Bonnier Media Deutschland GmbH, Holtzbrinck Buchverlage GmbH und Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH. Sander wirft diesen mangelnde Solidarität mit Leipzig vor.

Die Buchmesse hätte stattgefunden von Seiten der Politik und der Buchmesse. Da gab es ein Konzept, dem alle vertraut haben. Doch dann haben die ersten abgesagt, und dann haben alle abgesagt, und damit war die Messe erledigt.

Gregor Sander im Gespräch mit Carsten Tesch

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Februar 2022 | 16:10 Uhr

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