Corona-Folgen Leipziger Buchmesse 2021 abgesagt

Impressionen der Leipziger Buchmesse 2019
Die Leipziger Messe wird im Frühjahr 2021 nicht zum Mekka der Literaten, Buchliebhaber und Mangafans. Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Ein weiterer Rückschlag für die Buchbranche: Die Leipziger Buchmesse wird 2021 aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie in ihrer klassischen Form abgesagt. Das erfuhr MDR KULTUR aus Veranstalterkreisen. Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe, erklärte, durch die Entwicklung der Pandemie bleibe keine andere Wahl:

Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe, bei einer Pressekonferenz
Martin Buhl-Wagner Bildrechte: dpa

Bis zuletzt hatten wir gerungen, persönliche Begegnungen in den Messehallen zu ermöglichen. Der schwere Verlauf der Pandemie lässt uns aber keine Wahl. Eine Veranstaltung mit mehr als 100.000 Gästen kann unter Gewährleistung der Gesundheit und angesichts der aktuellen Rechtslage nicht stattfinden.

Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe

Erst Verlegung auf Mai, nun die Absage

Die Veranstalter hatten die Leipziger Buchmesse bereits frühzeitig vom März in den Mai verlegt, um eine Absage zu verhindern. Doch nun wird doch die Notbremse gezogen – erneut. Die Leipziger Buchmesse war 2020 eine der ersten Großveranstaltungen, die wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden ist. MDR KULTUR und die ARD hatten die abgesagte Leipziger Buchmesse 2020 als "virtuelle Buchmesse" ins Studio nach Halle geholt, live im Netz und im Radio.

Nach Informationen von MDR KULTUR sollen trotzdem Lesungen in Leipzig oder digital stattfinden. Auch der Preis der Leipziger Buchmesse soll vergeben werden – in welcher Form ist noch unklar. Auf dem Messegelände jedenfalls findet nichts statt, weder Fach-, noch Besucher- oder Manga-Messe.

"Starkes Signal und klare Entscheidung"

Katrin Schumacher
Katrin Schumacher Bildrechte: MDR/Hagen Wolf

MDR KULTUR-Literaturredakteurin Katrin Schumacher sieht in der Absage des riesigen Publikumsevents, "in dem sich laut miteinander sprechend und in aller Intimität begegnet wird" ein starkes Signal. Die Absage ist "eine klare Entscheidung und das auch nicht kurz vor knapp, sondern mit langem Vorlauf."

Halbnahes Porträt von Oliver Zille, dem Chef der Leipziger Buchmesse: Mann mit Anzug und runder Brille vor bildfüllender, leicht unscharfter, farbig gestalteter Treppe mit Buchmesselogo im Hintergrund
Buchmesse-Chef Oliver Zille Bildrechte: Leipziger Messe

Für den Direktor der Leipziger Buchmesse, Oliver Zille, ist die Absage "die bitterste Entscheidung, die wir treffen mussten". Hoffte man anfangs noch auf die positiven Auswirkungen der Impfkampagne, zeigte sich zunehmend, dass die Sicherheiten einer Durchführung, beispielsweise durch ein bestätigtes Hygienekonzept, dadurch nicht zu erreichen ist. Laut Zille hätte man mit einer Minimalzahl von100.000 Besuchern rechnen müssen, damit sich die Investitionen der Aussteller und Verlage am Ende wieder rechnen. Diese Rechnung sei jedoch nicht aufgegangen.

100.000 Menschen Ende Mai – wo die Impfkampagne noch nicht abgeschlossen ist, noch nicht mal im Ansatz, vielleicht auf ihrem Höhepunkt – hier wirklich zusammenzubringen. Diese Verantwortung können und wollen wir nicht übernehmen.

Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse

Lange Buchmesse-Tradition in Leipzig

Die Leipziger Buchmesse ist neben der Frankfurter Buchmesse der größte Literatur-Branchentreff. Sie blickt auf eine jahrhundertealte Tradition zurück, bereits 1594 erschien der erste Ratsmessekatalog mit Neuerscheinungen. Die Buchmesse in Leipzig ist vorrangig eine Publikumsmesse. Neben der Schau in den Messehallen findet im Rahmen der Buchmesse das Lesefest "Leipzig liest" statt, auch die Manga-Comic-Convention sowie die Leipziger Antiquariatsmesse gehören dazu. Bei der letzten Ausgabe im Jahr 2019 wurden auf der Messe und beim Lesefestival "Leipzig liest" 286.000 Besucher gezählt.

Alles zur Leipziger Buchmesse 2021

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 29. Januar 2021 | 10:30 Uhr

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