Besucher verlassen über eine Treppe in der Glashalle die Leipziger Buchmesse.
Besucher verlassen über eine Treppe in der Glashalle die Leipziger Buchmesse. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Leipziger Buchmesse Messe-Ticker: Erster Messetag endet sonnig

Die Leipziger Buchmesse 2019 ist eröffnet. Rund 2.500 Verlage präsentieren ihre Frühjahrsprogramme. Der Stadt steht ein Lesemarathon mit rund 3.600 Veranstaltungen bevor, prominente Autoren wie Simon Beckett, Christoph Hein und Marion Brasch werden erwartet. MDR KULTUR ist mittendrin und informiert Sie hier im Ticker täglich über alle wichtigen Ereignisse.

Besucher verlassen über eine Treppe in der Glashalle die Leipziger Buchmesse.
Besucher verlassen über eine Treppe in der Glashalle die Leipziger Buchmesse. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

18:00 Uhr | Erster Buchmesse-Tag endet

Die Messe schließt ihre Tore und damit endet der erste aufregende Tag auf der Buchmesse. Bei strahlendem Sonnenschein war allerhand los und nicht nur für den drei Preisträgern wird der Tag in Erinnerung bleiben. Wir wünschen Ihnen einen schönen Abend und freuen uns, wenn Sie morgen wieder bei uns sind. Hier geht's zum Ticker vom Freitag.

17:14 Uhr | Frank Richter will Bürgern die Krone aufsetzen

Auch Frank Richter ist mit seinem Buch "Gehört Sachsen noch zu Deutschland?" da und stellt sich den Fragen von Besuchern. Eine Frau will von dem ehemaligen Bürgermeisterkandidat für Meißen wissen, was er machen würde, wenn er sächsischer Ministerpräsident wäre. "Die Krone auf der Staatskanzlei kann weg", sagt er. "Die müssten die Bürger kriegen." Vor der Europawahl mahnt der ehemalige Chef der Landeszentrale für politische Bildung auch, dass Europa wieder mehr ein politisches Projekt werden müsse und nicht der Wirtschaft hinterherrennen solle. "Wachstum für immer" sei eine Wahnvorstellung des Westen.

17:00 Uhr | Skurrile Lesehelfer in Messehalle 5

Auf der Buchmesse sind neben Büchern auch skurrile Lesehilfen, wie dieser "Lesefixx" zu finden, der als Buchhalter und Lesezeichen dienen soll.

Lesehelfer "Lesefixx" auf der Leipziger Buchmesse
Die "Lesefixxe" gibt es in Halle 5, Stand H206. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

16:49 Uhr | Anke Stelling bekommt Belletristikpreis

Der Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik geht an Anke Stelling. Sie wird für ihren Roman "Schäfchen im Trockenen" ausgezeichnet.

16:34 Uhr | Bestes Sachbuch: "Wolfszeit" von Harald Jähner

Buchcover - Harald Jähner: Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945 – 1955
Harald Jähners "Wolfszeit" Bildrechte: Rowohlt Verlag

Für das beste Sachbuch wird Harald Jähner ausgezeichnet. Er wird für sein Werk "Wolfszeit" ausgezeichnet, in dem er das erste Nachkriegsjahrzehnt, also die Jahre 1945 bis 1955 in Deutschland nicht vorrangig als Zeit der großen Entbehrungen, sondern des Aufbruchs und einer neuen, überbordenden Lebenslust zeichnet. Die Jury würdigte den Roman als "Alltagsgeschichte im besten Sinne".

16:27 Uhr | Übersetzerpreis für Eva Ruth Wemme

In der Kategorie Übersetzung geht der Preis der Leipziger Buchmesse an Eva Ruth Wemme. Sie wird für ihre Übertragung des Romans "Verlorener Morgen" von Gabriela Adameşteanu aus dem rumänischen ausgezeichnet.

16:08 Uhr | Publikumsliebling Ingrid Noll

Ingrid Noll bei einer Lesung
Ingrid Noll Bildrechte: imago/Future Image

Ingrid Noll ist ein Publikumsliebling auf der Messe. Sie stellt ihren 15. Roman "Goldschatz" vor. Wieder ein Kriminalroman, aber diesmal mit einer 20-jährigen Hauptfigur. "Über meine Enkelin hab ich noch nicht geschrieben", sagt sie - daher wurde es jetzt mal Zeit. Ihre Ideen bekommt sie auch beim Bügeln, erzählt sie. "Da hat der Kopf nicht so viel zu tun. Aber damit meine graue Zellen nicht verblöden, spiele ich Scrabble mit meinem Mann."

Eine Autobiografie will die Über-80-Jährige trotz ihres interessanten Lebens nicht schreiben. "Ich will lieber lügen." Ansonsten hat sie noch einen Lebenstipp für ihre vielen Fans: Andere Leute nicht beneiden. Das habe sie auch nie gemacht. Es ist einer von vielen Interviewterminen von Ingrid Noll. "Ich liebe die Leipziger Buchmesse", sagt sie. "Aber heute Abend bin ich fix und fertig."

16:01 Uhr| Preisverleihung gestartet

Die Spannung steigt in der Glashalle. Pünktlich um 16 Uhr hat Buchmesse-Direktor Oliver Zille die Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse eröffnet. In wenigen Minuten wird bekannt, wer den Preis in den Kategorien Übersetzung, Sachbuch und Belletristik bekommt. Einen Überblick über die Nominierten finden Sie hier.

15:45 Uhr | Manga-Trend: schwarzer Mundschutz

Drei Frauen mit schwarzem Mundschutz.
Bella, Vivien und Jenny Bildrechte: MDR/Sabrina Gebauer

Sehr präsent sind gerade die schwarzen Masken über dem Mund, die viele Jugendliche tragen – ein Trend aus der Mangawelt. Bella, Vivien und Jenny seien sonst nicht in der Szene unterwegs, sagen sie, den Mundschutz aber finden sie cool. Der Aufdruck "free hugs" – "kostenlose Umarmungen" zeige schon Wirkung. Sie wurden heute schon mehrfach gedrückt, sagen sie.

15:28 Uhr | Ein Trabi in der Glashalle

Skulptur auf der Leipziger Buchmesse
Skulptur "Quo Vadis" Bildrechte: MDR/Juliane Streich

Mit der Skulptur namens "Quo vadis" würdigt der tschechische Bildhauer David Černy die Ereignisse im Herbst 1989 in Prag. Mit dem Trabant verweist er auf die Tausenden Flüchtenden aus der DDR, die damals Zuflucht in der westdeutschen Botschaft suchten. Ihr Ziel: die Ausreise in die BRD.

15:03 Uhr | "Taxi zur Messe" rollt wieder

Auch in diesem Jahr begleitet Claudius Nießen wieder Gäste im Taxi zur Buchmesse. In der ersten Ausgabe mit der österreichischen Autorin Vea Kaiser gab es nicht weniger als acht Kilo Kekse. Bei Gebäck und Champagner sprechen die beiden über die Buchbranche und österreichische Schimpfwörter. Die nächsten Gäste werden in den folgenden Tagen Sarah Wiener, Sarah Kuttner und die Band Fettes Brot sein.

Ein Mann und eine Frau sitzen im Taxi. 7 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

14:38 Uhr | Über Leonardo da Vincis revolutionäres Frauenbild

Kia Vahland stellt ihre Künstlerbiografie "Leonardo da Vinci und die Frauen" vor. Sie sagt, da Vinci sei revolutionär gewesen, weil Frauen in seinen Bildern nicht nur Musen sind, sondern einen eigenen Willen haben.

Dem Zeitgeist der Renaissance habe das nicht gerade entsprochen. Vielmehr habe da Vinci damit das hierarchische Verhältnis der Geschlechter durchbrochen – die Patriarchie langweilte ihn, so die Autorin.

14:01 Uhr | Marianne Birthler: Was wir aus der DDR-Geschichte gelernt haben

Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Mauerfalls diskutieren die ehemalige Beauftrage der Stasi-Unterlagen-Behörde Marianne Birthler und der polnische Publizist Adam Michnik darüber, was man aus der Geschichte gelernt habe. Birthler fordert, dass die Geschichte der DDR und Osteuropas zentraler Punkt der europäischen Geschichte werden muss. Das käme Leuten in Paris noch viel zu weit weg vor. Birthler betonte auch die Bedeutung des freien Wortes für die Demokratie:

Ich wünsche mir eine Bewegung in Europa für das freie Wort, wo Lügen auch als solche benannt werden und nicht als abweichende Meinungen deklariert werden

Marianne Birthler
Marianne Birthler und Adam Michnik im Interview auf der Buchmesse.
Marianne Birthler (li.) und Adam Michnik (2.v.r.) bei einer Podiumsdiskussion Bildrechte: MDR/Juliane Streich

Adam Michnik erzählt, wie er am Tag des Mauerfalls schrieb: "Der Mensch hat gewonnen, der Stacheldraht verloren." Das würde er auch jungen Menschen heute sagen: "Seid immer auf der Seite des Menschen – nicht des Stacheldrahts!"

Birthler lobte außerdem ihre Enkelkinder, die am Freitag die Schule schwänzten. Sie lernten durch die Klimademos, dass es wichtig ist, sich für Zukunftsfragen einzusetzen.

13:45 Uhr | Herausragende Kinderbücher im "Leipziger Lesekompass"

Leipziger Buchmesse und Stiftung Lesen haben 30 Bücher, Hörbücher und Apps für Kinder und Jugendliche prämiert, die besonders gut zur Leseförderung geeignet sind. Die Auszeichnung "Leipziger Lesekompass" soll Eltern, Lehrern und Buchhändlern als Orientierungshilfe in der Menge der Neuerscheinungen dienen.

13:25 Uhr | Frühlingsgefühle auf der Buchmesse

Auf der Leipziger Messe ist es herrlich warm, so dass sich die Besucher draußen sonnen und vom Umherlaufen ausruhen können.

12:44 Uhr | "Ahoj Leipzig": Gastland Tschechien begrüßt die Buchmesse

Antonín Stanek
Der tschechische Kulturminister Antonín Stanek Bildrechte: MDR/Juliane Streich

Zur Eröffnung des tschechischen Stands in Leipzig sind der tschechische Kulturminister Antonín Stanek sowie viele Ehrengäste gekommen. Tschechien war 1995 das letzte Mal Gastland der Messe. Seitdem habe die Kenntnis der tschechischen Literatur in Deutschland wieder abgenommen, sagt Stanekt: "Dies möchten wir ändern." Daher habe es eine große Bedeutung für die tschechische Literatur, hier als Gastland aufzutreten.

Wichtig sei aber, was nach der Messe komme, betonte der Minister. Er hoffe, dass die Begeisterung für die tschechische Literatur in Deutschland anhalte. Auch Buchmessenchef Zille betonte seinen Wunsch, dass noch mehr deutsche Verlage tschechische Literatur herausbringen werden.

12:14 Uhr | Publikumsliebling: Jaroslav Rudiš

Jaroslav Rudiš trifft etwas verspätet am Stand bei den übrigen Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse ein – "pünktlich wie die tschechische Bahn", sagt er, der aus einer Eisenbahnerfamilie stammt. Das Publikum kichert. Der Protagonist seines Buches "Winterbergs letzte Reise" sei genauso historisch hysterisch wie er, sagt Rudis im Gespräch mit MDR KULTUR- Literaturredakteurin Katrin Schumacher. Wenn es um die Reaktionen des Publikums ginge, würde Rudis wohl den Preis bekommen – seine humorvolle Leseprobe sorgt für Gelächter und viel Applaus. 

12:12 Uhr | Wie Feridun Zaimoglu aus Sicht von Frauen schreibt

Über die Entstehung von "Die Geschichte der Frau" sagt Feridun Zaimoglu: "Man muss wissen, es vergehen erstmal Tage. Ich habe hier und da eine Idee, schreibe erstmal einen Satz, schlafe schlecht, nehme ab, es ist ein körperlicher Akt. Es geht erst nach vielen Wochen und Monaten, nach viel Verzweiflung – erst dann, wenn ich mich auf den Ton der jeweiligen Frau eingestimmt habe". Über Kritiker sagt er: "Ich bin auch verblüfft, dass sich Kritiker wie Internettrolle verhalten und seltsame Dinge geschrieben haben". In einem Punkt aber stimmt er zu: "es ist eine Zumutung, dass sich ein Mann anmaßt, zehn Frauen zu sein."

Anke Stelling, Feridun Zaimoglu und Katrin Schumacher
Anke Stelling und Feridun Zaimoglu stellen in Halle 4 ihre nominierten Bücher vor. Bildrechte: MDR/Sabrina Gebauer

11:59 Uhr | Anke Stelling spricht über "Schäfchen im Trockenen"

Die nominierten Romane für den Preis der Leipziger Buchmesse werden in Halle 4 am Stand F100 vorgestellt. Anke Stelling spricht über ihren Roman "Schäfchen im Trockenen": Resi, Mitte vierzig, Mutter von vier Kindern, wird die Wohnung gekündigt. Stelling will, dass Menschen sich in ihrer Protagonistin Resi erkennen. Sie hätte auch einen reichen Mann heiraten können, rächt sich das nun? Vielleicht hätte sie dann ihre "Schäfchen im Trockenen" gehabt, aber sie hat sich für liebe vor Geld entschieden. Im Buch hinterfragt sie die Entscheidungen in ihrem Leben.

11:36 Uhr | Schüler dominieren Messehallen

Impressionen der Leipziger Buchmesse 2019
Schüler auf der Leipziger Buchmesse Bildrechte: MDR/Sabrina Gebauer

Donnerstag ist traditionell der Tag der Schulklassen auf der Leipziger Buchmesse. Sie sammeln sich um Ratespiele der Bundeszentrale für politische Bildung, bei den Comics oder am Pommesstand. Das Durchschnittsalter in manchen Hallen dürfte heute Vormittag bei unter 20 Jahren liegen.

11:19 Uhr | Verlage wollen Google besser nutzen

Heutige Mikrotrends sind der Trend von morgen, heißt es in Halle 5, E600. Hier geht es darum, wie Verlage Künstliche Intelligenz für sich nutzen können. Welche Themen werden viel gegoogelt? So können Verlage Trends vorausahnen und schauen, welche Bücher sie dazu schon im Bestand haben, die sie neu auflegen können. Beispielsweise den Mützen-Häkeltrend vor wenigen Jahren hätte man so voraussehen können. Außerdem geht es darum, wie sich die Verlage die Daten zunutze machen, die Nutzer mit ihrem Surfverhalten hinterlassen. 

11:15 Uhr | Christian Fuchs stellt Buch über rechte Netzwerke vor

Christian Fuchs
Autor Christian Fuchs Bildrechte: Christoph Busse

Der Journalist Christian Fuchs stellt das Buch "Das Netzwerk der neuen Rechten" vor. Es habe in den letzten fünf Jahren viel Berichterstattung über AfD und Pegida gegeben, aber die Netzwerke seien viel breiter und reichten von Magazinen bis zu einem patriotischen Café in Halle, sagt Fuchs. Die neuen Rechten hätten eine Verschiebung des Diskurses nach Rechts geschafft. Das zeige sich auch darin, dass Bundesminister Worte wie "Abschiebeindustrie" benutzten. 

11:10 Uhr | Preisverleihung mit Spannung erwartet

Als Highlights des ersten Messetages gilt die Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse am Nachmittag. Für die mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Auszeichnung sind Autoren und Autorinnen wie Feridun Zaimoglu, Jaroslav Rudiš und Anke Stelling nominiert.

10 Uhr | Herzlich Willkommen!

Die Leipziger Buchmesse 2019 ist eröffnet. In unserem MDR KULTUR-Live-Ticker halten wir Sie in den kommenden vier Tagen über die aktuellen Geschehnisse rund um die Buchmesse auf dem Laufenden.

Besucherschlangen vorm Eingang der Leipziger Buchmesse.
Besucherschlangen vor den Toren der Messe Bildrechte: MDR/Stefan Petraschewsky

Der offizielle Auftakt fand am Mittwochabend im Leipziger Gewandhaus statt. Die Autorin Masha Gessen erhielt des Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung für ihr Porträt der russischen Gesellschaft in "Die Zukunft ist Geschichte".

Um 10 Uhr öffnet die Buchmesse ihre Türen. Direktor Oliver Zille rechnet in diesem Jahr wieder mit ähnlich vielen Besuchern wie 2017, nachdem im vergangenen Jahr Schnee- und Bahnchaos für einen Besucherrückgang sorgten.

Mehr zur Leipziger Buchmesse

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. März 2019 | 06:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2019, 18:06 Uhr