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Der Soziologe Harald Welzer spricht auf der Leipziger Buchmesse 2023 über Wege aus der Klimakrise Bildrechte: IMAGO

ProgrammhighlightsLeipziger Buchmesse 2023: Sieben spannende Veranstaltungen zu Politik und Geschichte

27. April 2023, 10:53 Uhr

Bei der Leipziger Buchmesse werden neben belletristischen Neuerscheinungen anhand von Sachbüchern auch die aktuellen politischen Fragen diskutiert. Da schaut sich Meron Mendel das besondere Verhältnis von Israel und Deutschland an, der Reporter Daniel Schulz geht der Frage nach, was der Krieg in der Ukraine mit den Menschen dort macht und die Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl fordert mehr Solidarität. Auch die AfD wird Thema sein, genauso wie alltäglicher Rassismus und Hass. Und der Soziologe Harald Welzer hat Vorschläge, was wir gegen die Klimakrise tun können.

von Juliane Streich, MDR KULTUR

Meron Mendel: "Über Israel reden"

Über kaum ein anderes Land wird in Deutschland so viel geredet und gestritten: Zu Israel hat jeder eine Meinung. Warum ist das so? Wieso hat der Nahostkonflikt eine solche Bedeutung? Und warum ist die Debatte so emotional – und oft so vergiftet? Als Meron Mendel vor 20 Jahren nach Deutschland kam, stellte er überrascht fest, welche Bedeutung Israel im öffentlichen Diskurs hat. Nahezu alle, mit denen er sprach, konnten sehr klare Positionen zu Israel und seiner Politik formulieren. Daran hat sich bis heute nichts geändert: Die Haltung zu Israel ist für viele Deutsche konstitutiv in ihrer politischen Positionierung. Gehört Israel zur deutschen Staatsräson? Darf man mit BDS-Aktivisten reden? Sollten radikale palästinensische Positionen Raum bekommen in deutschen Medien?

Was steckt hinter diesen Fragen, die im Land der Täter so leidenschaftlich diskutiert werden? Mendel fragt in seinem Buch "Über Israel reden" nach den Hintergründen zu diesen in Deutschland, dem Land der Täter, so heftig diskutierten Fragen. Mendel engagierte sich selbst in der Debatte um die documenta und bezieht immer wieder engagiert Stellung, wenn es um Antisemitismus geht. In seinem neuen Buch fragt er nach den Gründen für die Emotionalität der deutsch-israelischen Debatten. Mit Blick auf die NS-Vergangenheit sieht er eine Art Verpflichtung im deutschen Diskurs, mit Israel freundschaftlich umzugehen, gerade angesichts andauernder antisemitischer Umtriebe. Wie soll man jedoch auf den Rechtsruck in der aktuellen israelischen Regierung reagieren?

28. April 2023, 16:15 Uhr Leipziger Buchmesse, taz-Studio, Halle 5 C500

28. April 2023, 19 Uhr Ariowitsch-Haus, Hinrichsenstraße 14

Infos zum Buch

Meron Mendel: "Über Israel reden"
Kiepenheuer&Witsch, 2023
Gebunden, 224 Seiten
Preis: 22 Euro
ISBN: 978-3-462-00351-2

Beschreibt die deutsche Israel-Debatte: "Über Israel reden" von Meron Mendel Bildrechte: Verlag Kiepenheuer&Witsch, 2023

Leipziger Buchmesse 2023

Daniel Schulz: "Ich höre keine Sirenen mehr"

In der Ukraine herrscht Krieg. Nicht erst seit dem Februar 2022, sondern seit 2014. Denn schon damals fielen sogenannte "grüne Männchen", verdeckt operierende russische Soldaten, in den Donbass ein und begannen einen Zermürbungskrieg zur Abspaltung der Ostukraine. Ohne diesen verlustreichen Dauerkonflikt, der in Europa jahrelang kaum wahrgenommen wurde, lässt sich der Kriegsverlauf, lassen sich die Reaktionen der Bevölkerung und die für viele Beobachter überraschend gut organisierte und schlagkräftige Gegenwehr der ukrainischen Armee gegen die russischen Invasoren nicht verstehen.

Der preisgekrönte Reporter Daniel Schulz verfügt über vielfältige Kontakte in das Land, über das er seit vielen Jahren schreibt und in dem er selbst als Journalist gearbeitet hat. In seinen Texten begleitet er Menschen, die bereits seit Jahren mit dem Krieg im eigenen Land leben: Zivilist*innen, Soldat*innen, Student*innen und Künstler*innen, die sich im Widerstand organisieren und für eine freie und demokratische Ukraine kämpfen. Dabei fragt Daniel Schulz, was der militärische Konflikt, der schon Jahre währt und sich wohl noch lange hinziehen wird, mit den Menschen in der Ukraine macht – denen, die kämpfen, denen, die ausharren und denen, die flüchten.

28. April 2023, 10:30 Uhr Gespräch detektor.fm

28. April 2023, 14 Uhr Messebuchhandlung, Zschochersche Str. 18

28. April 2023, 16 Uhr Leipziger Buchmesse, Medienforum

Infos zum Buch

Daniel Schulz: "Ich höre keine Sirenen mehr"
Randomhouse, 2023
Gebunden, 272 Seiten
Preis: 22 Euro
ISBN: 978-3-8275-0167-7

"Ich höre keine Sirenen mehr", ein Buch des preisgekrönten Reporters Daniel Schulz Bildrechte: Randomhouse

Tupoga Ogette: "Tag für Tag aktiv gegen Rassismus"

Die Leipzigerin Tupoga Ogette ist Deutschlands erfolgreichste Vermittlerin für Rassismuskritik. Mit "Tag für Tag aktiv gegen Rassismus" hat sie einen stylischen Jahresplaner veröffentlicht, der neue Perspektiven eröffnet, Raum für eigene Gedankenexperimente lässt und dazu einlädt, unsere Welt jeden Tag ein bisschen offener und bunter zu machen – dabei aber alle Vorhaben und Termine im Blick zu behalten. Denn die Entscheidung zum rassismuskritischen Leben trifft man jeden Tag aufs Neue. Dieses Journal unterstützt dabei. Jeder Monat steht im Zeichen eines Themas: Black History, Weiße Zerbrechlichkeit, Allyship. Und jede Woche warten Denkanstöße, Aufgaben, Porträts bedeutender Persönlichkeiten sowie Lese- oder Podcastempfehlungen auf die neugierigen Nutzer*innen.

27. April 2023, 12:20 Uhr Leipziger Buchmesse, ZDF Bühne (aspekte-Talk mit Hengameh Yaghoobifarah)

27. April 2023, 21 Uhr
Gespräch im Zeitgeschichtlichen Forum

Infos zum Buch

Tupoga Ogette: "Tag für Tag aktiv gegen Rassismus"
Randomhouse, 2023
Taschenbuch, 208 Seiten
Preis: 18 Euro
ISBN: 978-3-328-60219-4

Rassismuskritik als stylischer Jahresplaner von Tupoga Ogette Bildrechte: Randomhouse

"Wir machen Ernst. Klima-Engagement jenseits von Politik und Protest"

Seit Jahren wird gesagt, das mit der Klimakrise sei schlimm, werde immer schlimmer und müsse man nun aber wirklich mal angehen. Was eindeutig stimmt. Nur machen dann immer alle weiter wie bisher. Nicht nur der horizontlosen Politik, sondern auch den politiklosen Klima-Protestierenden fehlt in Wahrheit der Ernst im Umgang mit der polykrisenhaften Gegenwart. Wie die übergroße Koalition CDUCSUFDPGRÜNESPD am Status Quo festgetackert ist, so kleben sich ihre Protest-Antipoden der "Letzten Generation" wortwörtlich an den Asphalt und damit an das Bestehende. Alles aussichtslos? Nein, sagt der Soziologe Harald Welzer: Zwischen Politik und Protest formiert sich eine große Gruppe, die die Probleme angehen will. Aber wie genau können diese Leute etwas voranbringen? Darüber sprechen Harald Welzer und der taz-Chefreporter Peter Unfried.

27. April 2023, 19 Uhr Galerie KUB, Kantstraße 18

Hat Ideen für den Klimaschutz: Der Soziologe Harald Welzer Bildrechte: imago/Metodi Popow

Şeyda Kurt: "Hass"

Der Hass, dieses knirschende, zersetzende Gefühl, ist allgegenwärtig. Er brüllt von den Straßen oder flüstert in gutbürgerlicher Feindseligkeit. Er wächst in Parlamentsreden, Querköpfen und Kinderzimmern – und ganz bestimmt nicht im Verborgenen, auch wenn viele ihn gerne dorthin verdammen würden. Şeyda Kurt holt den Hass raus aus der Verbannung und begibt sich auf die Spuren seines widerständigen Potentials. Dabei interessieren sie vor allem die Menschen als Subjekte des Hasses in einer kapitalistischen, rassistischen und patriarchalen Welt.

Wer darf überhaupt hassen und wer nicht? Welche Gefühle lähmen, welche Gefühle helfen, nicht zu erstarren, und sich immer und immer weiter zu bewegen auf dem Weg in eine gerechtere und zärtliche Gesellschaft? Schonungslos, launig und jenseits selbstgerechter Entrüstung erkundet Şeyda Kurt den Hass von seiner schöpferischen Seite: als Kategorie der Ermächtigung, der Menschen in ihrem innersten Unbehagen abholen und mobilisieren kann, als widerständiges Handwerk – und nicht zuletzt als dienliches Gefühl, das uns hilft, uns in einem Ozean aus möglichen Reaktionen auf die Welt zurechtzufinden.

28. April 2023, 16 Uhr Gespräch bei detektor.fm

28. April 2023, 17:40 Uhr Leipziger Buchmesse, ZDF-Bühne

29. April 2023, 20 Uhr Residenz (Schauspiel Leipzig), Spinnereistraße 7

30. April 2023, 11:30 Uhr Leipziger Buchmesse, Forum offene Gesellschaft

30. April 2023, 13:30 Uhr Leipziger Buchmesse, ARD-Forum

Infos zum Buch

Şeyda Kurt: "Hass"
Harper Collins, 2023
Gebunden, 208 Seiten
Preis: 18 Euro
ISBN: 978-3-365-00158-5

Şeyda Kurt schreibt in "Hass" über das Privileg dieses Gefühls Bildrechte: Verlag Harper Collins

"Die Wiederkehr. Die AfD und der neue deutsche Nationalismus"

Spätestens seit zehn Jahren und mit der Gründung der AfD ist der Nationalismus wieder da. Im Zuge von populistischer Protestkultur und den Legitimationsproblemen demokratischen Regierens ist er auch in Deutschland zurückgekehrt, nachdem seine nach der Wiedervereinigung prophezeite Renaissance ausgeblieben war. Mit seinen kuriosen Protagonisten und grotesken Eklats konnte sich der neue Nationalismus eine permanent erregte Öffentlichkeit zu Nutze machen und zeigt sich so bei weitem nicht mehr nur in den Reihen der AfD, sondern bei allen Parteien.

Der Journalist Patrick Bahners schildert unterhaltsam und in ungesehener Präzision, wie sich das politische Leben verändert hat und verändern wird, wenn sich der Protest von rechts im System weiter etabliert. Der Nationalismus ist in seiner neuen Erscheinung paradoxerweise zu einer regierungs- und staatsfeindlichen Auffangideologie geworden und er wird bleiben – ob wir wollen oder nicht.

27. April 2023, 20 Uhr Stadtbibliothek, Wilhelm-Leuschner-Platz 10-11

30. April 2023, 11:30 Uhr Leipziger Buchmesse, Forum offene Gesellschaft

Infos zum Buch

Patrick Bahners: "Die Wiederkehr. Die AfD und der neue deutsche Nationalismus"
Klett-Cotta, 2023
Gebunden, 544 Seiten
Preis: 28 Euro
ISBN: 360-8-98689-8 

"Die Wiederkehr: Die AfD und der neue deutsche Nationalismus" von Patrick Bahners Bildrechte: Verlag Klett Cotta

Natascha Strobl: "Solidarität!"

Unsere alten Gewissheiten zerbrechen aktuell an vielgestaltigen Krisen. Dem beizukommen wäre vornehmste Aufgabe der Politik. Doch die stellt sich kein gutes Zeugnis aus: Die einen klammern sich an den Glauben, dass die verlorene Normalität rückholbar ist. Die anderen wollen die Krisen mit Individualismus oder autoritären Maßnahmen meistern – und bedrohen damit den Rechtsstaat.

Die in Wien lebende Politikwissenschaftlerin und Publizistin Natascha Strobl plädiert in ihrem neuen Buch "Solidarität"für einen dritten Weg: ein solidarisches ökonomisches und soziales Miteinander. Denn die Art, wie wir leben, produzieren und wirtschaften, muss sich grundsätzlich ändern. Das muss nichts Schlechtes bedeuten, wenn die Lösung echte Solidarität ist – ein kollektiver Wert, der individuelle Befindlichkeiten überwindet.

28. April 2023, 20 Uhr Haus der Demokratie: Podcast mit Natascha Strobl und Jenny Günther

28. April 2023, 15:15 Uhr
Leipiger Buchmesse, Forum offene Gesellschaft

Infos zum Buch

Natascha Strobl: "Solidarität!"
Kremayr & Scheriau 2023
Gebunden, 104 Seiten
Preis: 20 Euro
ISBN: 978-3-218-01378-9

Natascha Strobl stellt bei der Leipziger Buchmesse ihr neues Buch "Solidarität!" vor Bildrechte: Verlag Kremayr & Scheriau

Mehr zur Leipziger Buchmesse

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 23. Februar 2023 | 08:40 Uhr