Anke Stelling auf der Leipziger Buchmesse 2019
Preisträgerin Anke Stelling Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Preis der Leipziger Buchmesse Buchmessepreis für Anke Stelling

Am ersten Besuchertag der Leipziger Buchmesse ist die mit Spannung erwartete Entscheidung über den Preis der Leipziger Buchmesse 2019 gefallen: Anke Stelling ist die Siegerin in der Kategorie "Belletristik". Für die mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Auszeichnung waren auch Autoren wie Feridun Zaimoglu und Jaroslav Rudiš nominiert sowie Kenah Cusanit, die es mit ihrem Debüt auf die Shortlist geschafft hatte. Vergeben wurde der Preis außerdem in den Kategorien "Sachbuch" und "Übersetzung".

Anke Stelling auf der Leipziger Buchmesse 2019
Preisträgerin Anke Stelling Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Der Preis der Leipziger Buchmesse 2019 in der Kategorie "Belletristik" geht an Anke Stelling. Das verkündete am Donnerstag die Jury bei der Festveranstaltung in der großen Glashalle der Leipziger Buchmesse. Stelling wird für ihren Roman "Schäfchen im Trockenen" geehrt.

In der Laudatio für die Autorin hieß es: "Danke, dass Sie uns zum Hinsehen zwingen, Danke, dass Sie uns verunsichern." In Stellings Roman "Schäfchen im Trockenen" geht es um eine Frau, die aus ihrer Wohnung gedrängt wird. Die Autorin greift darin aktuelle Ängste wie Gentrifizierung und sozialen Abstieg auf. "Die Klassenfrage scheint überwunden, aber Hauptfigur Resi muss feststellen, es spielt eine Rolle", fasst Stelling die wichtigste Aussage ihres Buches zusammen. Ein Klassenbewusstsein für die eigene Klasse fehle den meisten, sagte sie.

Es ist super, wenn der eigene Name bei der Verleihung fällt.

Anke Stelling, Autorin

Kategorie "Sachbuch": Ein anderes Bild von deutscher Geschichte

Impressionen vom Buchmesse-Donnerstag 2019
Harald Jähner bei seiner Dankesrede Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Für das beste Sachbuch wurde Harald Jähner ausgezeichnet. Sein Buch "Wolfszeit" zeichnet die ersten Nachkriegsjahrzehnte in Deutschland nicht vorrangig als Zeit der großen Entbehrungen, sondern des Aufbruchs und einer neuen, überbordenden Lebenslust. "Die Menschen, die damals viel gefeiert haben, wollten danach nicht dazu stehen", erklärte Jähner. "Aber sie haben auf den Putz gehauen, gerade weil sie den Krieg entronnen waren – und, um einen Partner zu finden."

Die Juroren überzeugten vor allem die Anschaulichkeit des Sachbuches sowie das dramaturgische Gespür und die Eloquenz des Autors. Juror Marc Reichwein fasste es in dem Satz zusammen: "'Wolfszeit' ist Alltagsgeschichte im besten Sinne." Preisträger Jähner war "wahnsinnig dankbar, auch angesichts der vielen Mitnominierten".

Ausgezeichnete Übersetzung aus dem Rumänischen

In der Kategorie "Übersetzung" setzte sich Eva Ruth Wemme durch. Sie hat den Roman "Verlorener Morgen" von Gabriela Adameşteanu aus dem Rumänischen ins Deutsche übertragen. Jurymitglied Gregor Dotzauer begründete die Entscheidung mit Wemmes Fähigkeit, über die Sprache in dem Roman das Talent der Übersetzerin zum Vorschein gebracht zu haben: "Eva Ruth Wemme hat dieses Schimpfen und Ätzen in ein ansprechendes Deutsch gebracht." Wemme war tief gerührt und sagte: "Ich bin etwas zittrig, aber ich bedanke mich bei allen!"

Es ist schwer, mit einem rumänischen Roman auf den deutschen Buchmarkt zu kommen.

Eva Ruth Wemme, Übersetzerin

Eindrücke von der Verleihung Galerie: Preis der Leipziger Buchmesse 2019

Bereits zum 15. Mal wurde der Preis der Leipziger Buchmesse vergeben. Zwei Preisträgerinnen und ein Preisträger konnten sich 2019 freuen: Eva Ruth Wemme, Anke Stelling und Harald Jähner.

Besucher auf der Leipziger Buchmesse
Am ersten Besuchertag der Buchmesse 2019 war der Andrang groß. Mit Spannung wurde die Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse erwartet. Dotiert ist die Auszeichnung mit 60.000 Euro und hoch angesehen. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Besucher auf der Leipziger Buchmesse
Am ersten Besuchertag der Buchmesse 2019 war der Andrang groß. Mit Spannung wurde die Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse erwartet. Dotiert ist die Auszeichnung mit 60.000 Euro und hoch angesehen. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Auf einer Bühne sitzen Menschen hinter einem Podium. Publikum schaut zu. Ein Mann steht an einem Rednerpult.
Die Preisverleihung findet mitten im Messetrubel – in der großen Glashalle statt. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Impressionen vom Buchmesse-Donnerstag 2019
Zuerst wurde die Kategorie "Übersetzung" ausgezeichnet. Der Preis ging an Eva Ruth Wemme. Sie hat den Roman "Verlorener Morgen" von Gabriela Adameşteanu aus dem Rumänischen ins Deutsche übersetzt. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Impressionen vom Buchmesse-Donnerstag 2019
In der Kategorie "Sachbuch" wurde der Journalist Harald Jähner geehrt. In "Wolfszeit" zeichnet er ein anderes Bild der Nachkriegsjahre und stellt diese nicht als bloße Zeit der Entbehrung dar. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Preisträgerin Anke Stelling (Beletristik)
Als Anke Stelling ihren Namen hört, steht ihr die Überraschung ins Gesicht geschrieben, ... Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Preisträgerin Anke Stelling (Beletristik)
... aber sie ist tatsächlich grade mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie "Belletristik" ausgezeichnet worden. "Ich hab mich sehr gefreut", sagt sie später. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Anke Stelling
Nach der Preisverleihung ist der Andrang auf Anke Stelling groß. Ihr Roman "Schäfchen im Trockenen" thematisiert aktuelle Ängste, wie Gentrifizierung und sozialen Abstieg. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Anke Stelling
Anke Stelling bedankt sich für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie "Belletristik". Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Eva Ruth Wemme, Anke Stelling und Harald Jähner
Die Verleihung des 15. Preises der Leipziger Buchmesse war der bisherige Höhepunkt der Messe. Von Links: Eva Ruth Wemme, Anke Stelling und Harald Jähner. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Impressionen vom Buchmesse-Donnerstag 2019
Übersetzerin Eva Ruth Wemme ist im Anschluss an die Preisverleihung im gespräch bei MDR KULTUR. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Ein Mann ist mit einer Frau im Gespräch. Mikrofone liegen auf dem Tisch.
Auch Harald Jähner stellt sich den Interview-Fragen. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Impressionen vom Buchmesse-Donnerstag 2019
Anke Stelling im Gespräch mit Carsten Tesch von MDR KULTUR. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Impressionen vom Buchmesse-Donnerstag 2019
MDR KULTUR meldet sich täglich mehrfach von der Leipziger Buchmesse. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Impressionen vom Buchmesse-Donnerstag 2019
MDR KULTUR-Moderator Thomas Bille im angeregten Austausch mit Autor Jaroslav Rudiš. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Impressionen vom Buchmesse-Donnerstag 2019
So geht der erste Messetag mit einem Highlight zu Ende – der Preis der Leipziger Buchmesse ist vergeben. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. März 2019 | 17:10 Uhr

Orientierung im Meer der Neuerscheinungen

Jury-Chef Jens Bisky nannte den Preis der Leipziger Buchmesse eine der wichtigsten Auszeichnungen, die für deutschsprachige Literatur vergeben wird. Das Besondere sei die Offenheit für alle Genres. Buchmesse-Chef Oliver Zille betonte, der Preis sei mehr als ein Marketinginstrument, sondern eine Orientierungshilfe für Leser und Leserinnen im Meer der Neuerscheinungen. Dass auch Übersetzer und Übersetzerinnen in einer eigenen Kategorie gewürdigt werden, hebe den Preis der Leipziger Buchmesse ebenfalls heraus.

Vergeben wird die mit inzwischen insgesamt 60.000 Euro dotierte Auszeichnung seit 2005 mitten im Messetrubel in der zentralen Glashalle des Messegeländes. Über die Preisträger entscheidet eine wechselnde Jury aus Literaturkritikern und Journalisten. In diesem Jahr gehörten ihr neben Jens Bisky außerdem Gregor Dotzauer, Tobias Lehmkuhl, Wiebke Porombka, Marc Reichwein, Elke Schmitter und MDR KULTUR-Literaturredakteurin Katrin Schumacher an.

Das waren die 15 Nominierten

In der Kategorie "Belletristik"

In der Kategorie "Sachbuch"

In der Kategorie "Übersetzung"

  • Georg Aescht: "Der Wald der Gehenkten" von Liviu Rebreanu, übersetzt aus dem Rumänischen
  • Susanne Lange: "Gringo Champ" von Aura Xilonen, übersetzt aus dem Spanischen
  • Timea Tankó: "Löwenchor" von György Dragomán, übersetzt aus dem Ungarischen
  • Karin Uttendörfer: "Tierreich" von Jean-Baptiste Del Amo, übersetzt aus dem Französischen
  • Eva Ruth Wemme: "Verlorener Morgen" von Gabriela Adameşteanu, übersetzt aus dem Rumänischen

Die Preisträger der vergangenen Jahre

Preis der Leipziger Buchmesse Die Preisträger der Kategorie "Belletristik"

Anke Stelling
2019 Anke Stelling für "Schäfchen im Trockenen" Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Anke Stelling
2019 Anke Stelling für "Schäfchen im Trockenen" Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Esther Kinsky bei der Verleihung des Leipziger Buchmessepreises in der Kategorie Belletristik
2018 Esther Kinsky für "Hain. Geländeroman" Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Guntram Vesper
2016 Guntram Vesper mit "Frohburg" Bildrechte: dpa
Jan Wagner - Selbstporträt mit Bienenschwarm
2015 Jan Wagner mit "Regentonnenvariationen. Gedichte" Bildrechte: MDR/Bernd Cramer
Saša Stanišić
2014 Saša Stanišić mit "Vor dem Fest" Bildrechte: IMAGO
David Wagner
2013 David Wagner mit "Leben" Bildrechte: imago/teutopress
Wolfgang Herrndorf, 2007
2012 Wolfgang Herrndorf (1965-2013) mit "Sand" Bildrechte: dpa
Clemens J. Setz
2011 Clemens J. Setz mit "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes" Bildrechte: MDR/Marco Prosch
Schrifsteller Georg Klein
2010 Georg Klein mit "Roman unserer Kindheit" Bildrechte: dpa
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | artour | 21. März 2019 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2019, 08:36 Uhr

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