Feridun Zaimoglu
Feridun Zaimoglu darf für "Die Geschichte der Frau" auf einen der Preise hoffen. Bildrechte: dpa

Shortlist Preis der Leipziger Buchmesse: Das sind die Nominierten

Feridun Zaimoglu
Feridun Zaimoglu darf für "Die Geschichte der Frau" auf einen der Preise hoffen. Bildrechte: dpa

Die Leipziger Messe hat die Nominierungen für den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse bekannt gegeben. 15 Bücher haben es demnach auf die Shortlist des renommierten Preises geschafft, jeweils fünf Nominierte in den Kategorien "Belletristik", "Sachbuch" und "Übersetzung". Im Finale steht unter anderem die in Blankenburg geborene Autorin Kenah Cusanit mit ihrem Werk "Babel". Anke Stelling, nominiert für "Schäfchen im Trockenen", hat am Literaturinstitut in Leipzig studiert.

Alle ausgewählten Bücher in der Kategorie Belletristik – und das ist eine gute Nachricht – sind ausgesprochen ambitioniert, sie sind erklärtermaßen bewusst geformte Literatur – und können doch über die Kreise der Eingeweihten, der Kritiker und der Fachleute hinaus leuchten und wirken.

Jörg Schieke, MDR KULTUR-Literaturkritiker

Auseinandersetzung mit dem eigenen Land

In der Kategorie Sachbuch beschäftigten sich gleich zwei Bücher mit der Seelenlage der Deutschen: Frank Biess untersuche in seiner "Republik der Angst" die großen Schreckensbilder der Deutschen, etwa die Angst vor einem Atomkrieg in den 80er-Jahren. Einer schönen und aufregenden These folge Harald Jähner mit seinem Buch "Wolfszeit“, in dem er das erste Nachkriegsjahrzehnt zwar als eine Zeit der großen Entbehrungen, aber auch als eine des Aufbruchs und der neuen, überbordenden Lebenslust zeichne.

Dies ist eine starke Auswahl, die mit Marko Martins 'Das Haus in Habana' auch einen echten Überraschungsgast mit aufgenommen hat.

Jörg Schieke

Die Verleihung des Preises findet am 21. März 2019 statt. Insgesamt waren in diesem Jahr 359 Titel eingereicht worden.

Die Nominierungen im Überblick

In der Kategorie "Belletristik"

  • Jaroslav Rudiš: "Winterbergs letzte Reise" (Luchterhand Literaturverlag)
  • Feridun Zaimoglu: "Die Geschichte der Frau" (Kiepenheuer & Witsch)
  • Matthias Nawrat: "Der traurige Gast" (Rowohlt)
  • Kenah Cusanit: "Babel" (Hanser)
  • Anke Stelling: "Schäfchen im Trockenen" (Verbrecher Verlag)

In der Kategorie "Sachbuch"

  • Lothar Müller: "Freuds Dinge. Der Diwan, die Apollokerzen & die Seele im technischen Zeitalter" (Die Andere Bibliothek)
  • Harald Jähner: "Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945 – 1955" (Rowohlt Berlin)
  • Kia Vahland: "Leonardo da Vinci und die Frauen. Eine Künstlerbiographie" (Insel Verlag)
  • Frank Biess: "Republik der Angst. Eine andere Geschichte der Bundesrepublik" (Rowohlt Verlag)
  • Marko Martin: "Das Haus in Habana. Ein Rapport (Wehrhahn Verlag)

In der Kategorie "Übersetzung"

  • Georg Aescht: "Der Wald der Gehenkten" von Liviu Rebreanu, übersetzt aus dem Rumänischen
  • Susanne Lange: "Gringo Champ" von Aura Xilonen, übersetzt aus dem Spanischen
  • Timea Tankó: "Löwenchor" von György Dragomán, übersetzt aus dem Ungarischen
  • Karin Uttendörfer: "Tierreich" von Jean-Baptiste Del Amo, übersetzt aus dem Französischen
  • Eva Ruth Wemme: "Verlorener Morgen" von Gabriela Adameşteanu, übersetzt aus dem Rumänischen

Nominierte live erleben Belletristik:
22. Februar, Schauspiel Leipzig
23. Februar, Literaturhaus Halle
5. März, Literaturhaus Hamburg

Übersetzung:
1. März, LCB Berlin

Sachbuch:
13. März, Literaturhaus Köln

Jährlicher Höhepunkt auf der Leipziger Buchmesse

Der Preis der Leipziger Buchmesse wird seit 2005 verliehen und ist mit insgesamt 60.000 Euro dotiert. Darüber, wer mit dem Preis ausgezeichnet wird, entscheidet eine Jury aus Literaturkritikern und Journalisten. Die Jury besteht aus Jens Bisky, Gregor Dotzauer, Tobias Lehmkuhl, Wiebke Porombka, Marc Reichwein, Elke Schmitter und MDR KULTUR-Literaturredakteurin Katrin Schumacher.

Die Preisträger der vergangenen zehn Jahre

Kategorie "Sachbuch/Essayistik"
Jahr Preisträger Titel
2018 Karl Schlögel Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt
2017 Barbara Stollberg-Rilinger "Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit"
2016 Jürgen Goldstein Georg Forster. Zwischen Freiheit und Naturgewalt
2015 Philipp Ther Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent. Eine Geschichte des neoliberalen Europa
2014 Helmut Lethen Der Schatten des Fotografen
2013 Helmut Böttiger Die Gruppe 47. Als die deutsche Literatur Geschichte schrieb
2012 Jörg Baberowski Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt
2011 Henning Ritter Notizhefte
2010 Ulrich Raulff Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben. Eine abgründige Geschichte
2009 Herfried Münkler Die Deutschen und ihre Mythen
Kategorie "Übersetzung"
Jahr Preisträger Übersetzter Titel
2018 Sabine Stöhr und Juri Durkot "Internat" (von Serhij Zhadam) aus dem Ukrainischen
2017 Eva Lüdi Kong "Ungewisser Verfasser. Die Reise in den Westen" aus dem Chinesischen
2016 Brigitte Döbert "Die Tutoren" (von Bora Ćosić) aus dem Serbischen
2015 Mirjam Pressler "Judas" (von Amos Oz) aus dem Hebräischen
2014 Robin Detje "Europe Central" (von William T. Vollmann) aus dem Amerikanischen
2013 Eva Hesse "Die Cantos" (von Ezra Pound) aus dem Amerikanischen
2012 Christina Viragh "Parallelgeschichten" (von Péter Nádas) aus dem Ungarischen
2011 Barbara Conrad "Krieg und Frieden" (von Lew Tolstoi) aus dem Russischen
2010 Ulrich Blumenbach "Unendlicher Spaß" (von David Foster Wallace) aus dem Amerikanischen
2009 Eike Schönfeld "Humboldts Vermächtnis" (von Saul Bellow) aus dem Amerikanischen

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 14. Februar 2019 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2018, 12:26 Uhr

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