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AuszeichnungPreis der Leipziger Buchmesse 2021 für Leipziger Übersetzerin Timea Tankó

Stand: 30. Mai 2021, 17:17 Uhr

Die Leipziger Übersetzerin Timea Tankó ist mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2021 in der Kategorie Übersetzung ausgezeichnet worden. In den Kategorien Belletristik und Sachbuch/Essayistik erhielten Iris Hanika und Heike Behrend den mit insgesamt 60.000 Euro dotierten Literaturpreis. Das teilte die Jury am Freitag im Livestream zur Preisverleihung in Leipzig mit. Tankó, Hanika und Behrend setzten sich damit gegen insgesamt 389 deutsprachige Neuerscheinungen aus 132 Verlagen durch.

Timea Tankó hat das Buch "Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus" vom Ungarischen ins Deutsche übersetzt. Bildrechte: Die Andere Bibliothek

Die Preisträgerinnen und ihre Bücher

Den Preis für die beste Übersetzung erhält Timea Tankó für ihre deutsche Fassung des Buches "Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus" des ungarischen Schriftstellers Miklós Szentkuthy.

In dem Moment als ich die Anfrage bekam, hab ich dann natürlich nochmal reingelesen und musste mir die Frage stellen: Kriegst du das hin?

Timea Tankó hat sich als Berufsanfängerin nicht an Texte von Szentkuthy getraut, jetzt ist sie für ihre Übersetzung preisgekrönt.

Die deutsch-ungarische Übersetzerin Timea Tankó. Bildrechte: Konstantin Déry

Ihre Übersetzung werde, so die Jury, der intellektuellen Beweglichkeit Szentkuthys absolut gerecht. Weiter heißt es in der Jury-Begründung: "Wie lässt sich so etwas Quecksilbriges, sich jeder Zuordnung Entziehendes, wild Fantasierendes und zugleich messerscharf Argumentierendes in eine andere Sprache bringen? Die Antwort kann nur lauten: indem man mitdenkt. Und nichts anderes tut Timea Tankó."
Timea Tankó, Kulturwissenschaftlerin und Diplom-Übersetzerin, wurde 1978 in Leipzig geboren, studierte an der dortigen Universität, wuchs in Ungarn und Deutschland auf und lebt heute in Berlin. Seit 2003 ist sie freiberuflich als Literaturübersetzerin und Dolmetscherin für Ungarisch tätig.

Iris Hanika wurde mit ihrem Roman "Echos Kammern" ausgezeichnet. Bildrechte: dpa

Iris Hanika, Jahrgang 1962, hat sich mit ihrem vielgelobten Roman "Echos Kammern" in der Königsdisziplin Belletristik durchgesetzt. In ihrem Buch erzählt die Wahlberlinerin vom Reisen und vom späten Liebeswahn einer Schriftstellerin, von der Gentrifizierung von Städten und vom Beginn der Dichtkunst. Die Jury nennt Hanika in ihrer Begründung "eine der eigensinnigsten Stimmen der deutschen Gegenwartsdichtung, die mit brutal klarem und unverschämten Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse schauen kann".
Hanika schreibt bereits seit 30 Jahren Romane, experimentiert mit deren Form und Sprache und ist vielfach preisgekrönt, unter anderem mit dem Literaturpreis der Europäischen Union und dem Hermann-Hesse-Literaturpreis.

Ich spüre es im Herzen, es klopft!

Iris Hanika über ihr Gefühl als Preisträgerin

Ethnologin Heike Behrend gewinnt in der Kategorie Sachbuch Bildrechte: Anita Back/Verlag Matthes & Seitz

In der Kategorie Sachbuch wurde die 1947 in Stralsund geborene Ethnologin Heike Behrend ausgezeichnet. In ihrem Buch "Menschwerdung eines Affen" reflektiert sie die Geschichte ihres Faches und kommt dabei zur Erkenntnis, dass die Menschen nicht nur Gegenstand der Forschung, sondern immer auch Subjekte sind. In der Jury-Begründung heißt es: "Ihr Buch ist eine ebenso köstliche wie kostbare Lektüre, die unsere Horizonte weit verschiebt, ohne dabei eine politische Agenda vermitteln zu wollen."

Das Schlimmste, was einem in dieser Gesellschaft passieren kann, ist, dass man als Fresssack identifiziert wird.

Heike Behrend über ihre Erfahrungen während ihrer ethnografischen Arbeit in Kenya und Uganda

Preis der Leipziger Buchmesse

Der Preis der Leipziger Buchmesse ist mit insgesamt 60.000 Euro dotiert. Die Auszeichnung, die herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung ehrt, wird seit 2005 von einer siebenköpfigen Jury vergeben. Coronabedingt wurde die Preisverleihung in diesem Jahr via Livestream online übertragen.

Zu den Preisträgerinnen und Preisträgern des letzten Jahres zählen Lutz Seiler (Belletristik), Bettina Hitzer (Sachbuch/Essayistik) und Pieke Biermann (Übersetzung). Sie folgen auf namhafte Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Ingo Schulze, Clemens Meyer, Saša Stanišić, Natascha Wodin und Anke Stelling, die bereits in den Vorjahren mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden sind.

Mehr zur Leipziger Buchmesse 2021

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | Kultur Kompakt | 28. Mai 2021 | 17:30 Uhr