Stimmungsbild Reaktionen auf die Absage der Leipziger Buchmesse

Bei Verlegern und Autoren findet die Absage der Leipziger Buchmesse Verständnis, die unabsehbare Corona-Lage lasse keine andere Entscheidung zu. Auch wird die frühe Bekanntgabe gelobt, da man sich so auf die Situation einstellen könne. Wirtschaftlich ist das zweite Jahr in Folge ohne Messe jedoch ein schwerer Schlag.

Gespanntes Publikum am Magdeburger Stand auf der Buchmesse 2019.
Literaturliebhaber müssen in diesem Jahr erneut auf den Besuch der Leipziger Buchmesse verzichten Bildrechte: Manuel Pape

Mark Lehmstedt vom Lehmstedt Verlag Leipzig zollt den Veranstaltern Respekt "vor dieser Entscheidung, die den Machern der Messe bestimmt nicht leicht gefallen ist".

Mark Lehmstedt, Verleger und Biograph von Hannes Hegen
Mark Lehmstedt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Besonders lobt er die frühe Bekanntgabe der Absageentscheidung, da sich so die Autoren längerfristig darauf einstellen können. Gleichzeitig sieht er den großen Verlust bereits der zweiten Buchmesse in ihrer Kommunikations- und Werbefunktion, der sich "sicher auch wieder in den Bilanzen" niederschlagen wird.

Schwerer wirtschaftlicher Schlag

Thüringens Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Die Linke
Benjamin-Immanuel Hoff Bildrechte: dpa

Thüringens Kulturminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff bedauert, dass die Buchmesse im zweiten Jahr in Folge nicht stattfinden kann, betont aber "der Gesundheitsschutz steht im Vordergrund". Er verweist auf andere Formen des literarischen Zusammenkommens: "Umso wichtiger ist es mir, dass literarische Begegnungen möglich bleiben. Ich freue mich, dass Lesungen im digitalen Raum und an anderen ausgewählten Orten in Leipzig geplant sind."

Heike Haupt, Geschäftsführerin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels für die mitteldeutschen Bundesländer, zeigt Verständnis für die Messe, "die mit Verantwortungsbewusstsein und Augenmaß reagiert hat." Die anhaltende Corona-Pandemie erlaube keine vernünftige Planung einer solchen Großveranstaltung. Sie sieht jedoch in der Absage der Buchmesse auch einen schweren wirtschaftlichen Schlag: "Für die Verlage ist es ein Desaster, weil sie ihre neuen Programme wieder nicht öffentlich zeigen können, für die Buchhandlungen, weil sie den Überblick über die Novitäten nicht erhalten und für die Leserinnen und Leser, weil sie nun nicht zum Stöbern, Entdecken und zu den Veranstaltungen kommen können."

Absage ist alternativlos

Den Leipziger Verleger Bastian Salier hat die Buchmesse-Absage nicht überrascht. Man habe sich "nicht allzu sehr ins Zeug gelegt, um zum Beispiel Veranstaltungen zu planen", sagt er, denn "wenn man sich die Gesamtlage im Pandemiegeschehen anschaut, wäre das von Anfang an aussichtslos gewesen." Sollte die Buchmesse digitale Angebote vorlegen, beispielsweise mit Lesungen, habe man sich vorbereitet und bereits im vergangenen Jahr "ein paar Konzepte gebaut und auch schon ausprobiert, die ganz gut funktionieren", so Salier.

Letztlich ist die Absage der Buchmesse alternativlos. Wenn man sich vorstellt, sich in den leeren Hallen die Beine in den Bauch zu stellen, ohne nennenswertes Publikum, das hätte auch für uns als Verlag kaum Wert gehabt.

Bastian Salier, Salier Verlag

Auch für den Verleger des Carl Hanser Verlages, Jo Lendle, kam die Absage der Messe nicht überraschend. Er lobt die gute Kommunikation der Messeverantwortlichen mit den Verlagen. Durch die besonnene und entschiedene Position brauchte man nicht planerisch in Vorleistung gehen, um dann später später zurückzurudern.

Die Messeleitung hat eine vorbildliche Kommunikation mit den Verlagen gepflegt und uns einbezogen in Abwägungen.

Jo Lendle, Verleger des Carl Hanser Verlages

Alles zur Leipziger Buchmesse 2021

Alexander Suckel 8 min
Bildrechte: Alexander Suckel

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 29. Januar 2021 | 10:30 Uhr

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