Verlage und Vertrieb Reaktionen auf Absage der Leipziger Buchmesse

Die Leipziger Buchmesse 2020 ist knapp eine Woche vor Beginn abgesagt worden. Das bedeutet auch für Verlage und Verlagsvertriebe einen Rückschlag. Sie reagieren mit Verständnis, aber äußern zum Teil auch Kritik.

Bücherstapel vor einem Bücherregal
In diesem Jahr wird es keine Buchmesse geben. Bildrechte: MDR/Collage/Colourbox.de/dpa

Knapp eine Woche vor ihrem Beginn wurde die Leipziger Buchmesse abgesagt. Wie Veranstalter und Stadt mitteilten, ist die Entscheidung eine Präventionsmaßnahme, um eine weitere Verbreitung des Coronavirus zu unterbinden. Verlage und auch Auslieferungsbetriebe hat die Nachricht mitten in ihren Vorbereitungen zur Messe getroffen.

Erleichterung, aber auch Kritik

Jochen Mende, Geschäftsführer der Prolit-Verlagsauslieferung, bewertet die Absage positiv. MDR KULTUR sagte er, er bedanke sich für die verantwortungsbewusst getroffene Entscheidung. Trotz der Klarheit und der damit verbundenen Erleichterung, äußerte er jedoch Kritik am Zeitpunkt – er hätte sich eine frühere Entscheidung erhofft.

Somit habe man zum "spätestmöglichen Zeitpunkt interveniert". Dabei bezog er sich auch auf die Vorbereitungen. Bei vielen Verlagen und auch ihrem Betrieb seien dabei viel Arbeit und auch Kosten entstanden, die man nun "in die Tonne treten" könne. Prolit selbst hätte ca. 50.000 Bücher auf die Leipziger Buchmesse transportieren sollen.

Schwerer Schlag für Buchbranche

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels
Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Bildrechte: dpa

Nach Ansicht des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels sei die Absage der Buchmesse für die Branche ein herber Verlust. Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis sagte MDR KULTUR, dass die Strahlkraft der Leipziger Buchmesse als Publikums- und Lesemesse in der nächsten Woche verloren gehe. "Die gibt es dann nicht und das ist natürlich ein harter Schlag für die Buchbranche und für alle, die begeistert Bücher lesen."

Trotzdem sei die Entscheidung zur Absage richtig, da die Gesundheit der Menschen vorgehe. Was durch den Ausfall der Messe jedoch wirtschaftlich wegfalle, könne "nur durch erhöhte Aufwendungen, erhöhtes Betreiben von Werbung und von engagierten Buchhändlern vielleicht ein klein wenig aufgefangen werden“, so Skipis.

Vorsichtsmaßnahmen ernst nehmen

Auch der Leiter des Hanser Verlags, Jo Lendle, bedauerte gegenüber MDR KULTUR die Absage. Erst einmal überwiege die Traurigkeit, sagte er. Es sei allerdings nicht so, dass die Entscheidung sie "kalt erwischt hätte". Aber man habe schon "ungeheuer viel Vorarbeit" in die Buchmesse gesteckt und viele Veranstaltungen vorbereitet, was "jetzt also alles für den Papierkorb" sei.

Der Verleger und Schriftsteller Jo Lendle.
Jo Lendle Bildrechte: Carl Hanser Verlag/Mathis Beutel

In diesem Jahr hätte der Hanser Verlag besonders viele Autoren auf der Buchmesse gehabt. Laut Lendle werde man jedoch so praktizieren, dass alle bereits vereinbarten Termine trotzdem wahrgenommen werden – und zwar am Telefon. "Jeder hat sich seine kleine halbe Stunde jeweils freigehalten."

Lendle verteidigte aber auch die Absage. Man sei als gesamte Branche aufgerufen, die Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen ernst zu nehmen. In diesem Frühjahr sei es eben so, dass man "ein bisschen Obacht geben" müsse. Wenn man so den Ausbruch schneller unter Kontrolle bekomme, würde er die Maßnahmen dafür in Kauf nehmen.

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Bildrechte: imago/Rüdiger Wölk

Nicht nur die Leipziger Buchmesse ist abgesagt, auch das Lesefest "Leipzig liest". In Leipzig trifft das besonders Taxifahrer und Hoteliers. Tino Dallmann hat mit ihnen gesprochen.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 04.03.2020 07:10Uhr 03:47 min

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. März 2020 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. März 2020, 10:52 Uhr