Rumänien-Klischees Dracula, Ceausescu und Korruption - was ist dran?

Fahrradweg in der rumänischen Hauptstadt Bukarest
Hohe Bordsteinkanten verbinden Rumänen gewöhnlich mit Korruption und der Vermutung, dass hier jemand mehr Geld verdienen wollte. Das Argument der Kritiker: Eine Farbmarkierung hätte ausgereicht. Der Radweg wurde von der Stadtverwaltung Bukarest finanziert. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Fahrradweg in der rumänischen Hauptstadt Bukarest
Hohe Bordsteinkanten verbinden Rumänen gewöhnlich mit Korruption und der Vermutung, dass hier jemand mehr Geld verdienen wollte. Das Argument der Kritiker: Eine Farbmarkierung hätte ausgereicht. Der Radweg wurde von der Stadtverwaltung Bukarest finanziert. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Nie fertig gestelltes Denkmal in der rumänischen Hauptstadt Bukarest. Auf dem Sockel  ein Graffiti: Denkmal der Korruption
Untersuchungen von Nichtregierungsorganisation zeigen, dass die Mehrheit der öffentlichen Aufträge an Firmen vergeben wird, die gute Kontakte zu Politikkreisen haben. Ein Teil der Auftragseinnahmen fließt an Politiker zurück, die dadurch zu viel Reichtum gelangen. Auch werden auf diese Weise Parteien in Rumänien finanziert. Auf ein nie fertiggestelltes Denkmal in der Innenstadt hat jemand spitzfindig "Denkmal der Korruption" gesprüht. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Zehntausende demonstrieren am 2. Februar vor dem Regierungspalast in Bukarest.
Doch wie korrupt ist Rumänien? Das ist schwer zu sagen. Die Nichtregierungsorganisation Transparency International (TI) befragt jedes Jahr Geschäftsleute und Experten über ihre Wahrnehmung von Korruption. Wie massiv sie tatsächlich verbreitet ist, beweist das nicht. Im jüngsten TI-Index von 2016 lag Rumänien auf Platz 57 und damit im EU-Vergleich noch vor Italien, Griechenland und Bulgarien. Fest steht aber: Ein Großteil der Bevölkerung hat die Korruption im Land längst satt. Als im Februar 2017 die sozial-liberale Regierung den Antikorruptionskampf aufweichen wollte, gingen rund 600.000 Rumänen aus Protest auf die Straße. Es war die größte Demonstration seit der Revolution 1989. Die Regierung musste ihre geplante Gesetzesänderung zurücknehmen. Bildrechte: IMAGO
Rumänien - Rumänisches Parlament
"Haus des Volkes" nannte der einstige Diktator Nicolae Ceausescu die für ihn konzipierte Machtzentrale. Sie entstand Mitte der 80er-Jahre, ein Großteil der Bukarester Altstadt wurde dafür abgerissen. Um den Luxusbau zu finanzieren, musste die Bevölkerung unmenschliche Entbehrungen auf sich nehmen. Auftraggeber Ceausescu hat sich damit ein ewiges Denkmal geschaffen. Wegen seiner gigantischen Dimensionen gehört der Bau, in dem inzwischen das Parlament residiert, zu einer der beliebtesten Touristenattraktionen in der rumänischen Hauptstadt. Bildrechte: Annett Müller/MDR
Nicolae Ceausescu
Ceausescu baute in seiner 24-jährigen Amtszeit eine nationalkommunistische Diktatur auf und betrieb starken Personenkult. Priviligiert war nur, wer zum Machtapparat gehörte, der große Rest der Bevölkerung war der Armut ausgesetzt. Wer aufbegehrte, wurde vom brutalen Geheimdienst Securitate verfolgt. Bildrechte: IMAGO
Rumänien - Ceausescu-Graffiti
Unter dem Ceausescu-Graffiti an einer Bukarester Häuserwand steht: "Komm in fünf Minuten wieder". Eine Anspielung auf die Sehnsucht nach dem alten Regime: In einer Umfrage von 2016 erklärten rund 40 Prozent der Befragten, sie würden Ceausescu wieder an die Spitze des Landes wählen. Der rumänische Schriftsteller Mircea Cartarescu sagt über die Nostalgiker: "Sie würden am liebsten ihre Freiheit gegen ein miserables Leben eintauschen, das ihnen aber stabil erscheint." Bildrechte: MDR/Annett Müller
Ceausescus Hinrichtungsmauer in Targoviste
In Rumänien wurde das Herrscher-Ehepaar 1989 nicht nur gestürzt, sondern am Weihnachtsfeiertag (25. Dezember) in einer Militärkaserne in Targoviste auch hingerichtet. Seit ein paar Jahren ist die stillgelegte Kaserne für Touristen geöffnet. An der Hinrichtungsmauer sind noch die Einschüsse zu sehen. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Denkmal für den rumänischen Fürsten Vlad Tepes in Bukarest
Vlad Tepes regierte im 15. Jahrhundert in der Walachei. Er galt als grausamer Tyrann, der seine Feinde pfählen ließ. Tepes machte mit seinen Gräueltaten über die Grenzen hinweg von sich reden. Den irischen Schriftsteller Bram Stoker inspirierte er so sehr, dass er Dracula erfand. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Schloss Bran in Rumänien
Stoker ersann sich für seinen Roman auch eine altehrwürdige Burg am "Rande eines grandiosen Abgrundes". Dass es sich hier um Schloss Bran im rumänischen Siebenbürgen handeln soll, ist reine Spekulation. Stoker war niemals vor Ort. Bildrechte: IMAGO
Menschenschlange vor sogenannter Dracula-Burg in Bran
Doch Bran verkauft sich bestens als Dracula-Ort. Im Sommer ist Warten angesagt, wenn man die über 600 Jahre alte Burg besichtigen will. In den Räumen findet sich wenig Dracula. Dass der Walachei-Herrscher Vlad Tepes hier einmal gewesen ist, ist auch nicht erwiesen. Bildrechte: MDR/Armin-Peter Heinze
Rumänischer Präsident Klaus Iohannis mit Ehefrau auf Bukarester Buchmesse
Rumänien ist ein Multikultiland. 2014 wurde der Bürgermeister von Hermannstadt, der rumäniendeutsche Klaus Johannis, zum Staatschef gewählt. Hier ist er bei einem Besuch der Bukarester Buchmesse mit seiner Frau Carmen zu sehen. Doch Rumänien hat nicht nur einen deutschsprachigen Präsidenten. Die 17 im Land anerkannten Minderheiten sind jeweils auch mit einem Abgeordneten im Parlament vertreten. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Moschee in der rumänischen Hafenstadt Konstanza
Die Zahl der Rumäniendeutschen wird heute auf rund 20.000 geschätzt, ebenso die Zahl der Türken und die der Tataren, die mehrheitlich in Südostrumänien am Schwarzen Meer leben, wie in der Hafenstadt Constanta. Die dortige Moschee wurde 1910 gebaut. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Roma-Kinder in Bacau in Rumänien beim Spielen
Laut Volkszählung von 2011 gibt es rund 621.000 Roma im Land, doch Nichtregierungsorganisation schätzen ihre Zahl auf über zwei Millionen. Viele bekennen sich aus Angst vor Diskriminierung nicht zu ihrer Herkunft. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Roma-Kind zeigt eigenen Hof im rumänischen Bacau
Ein Großteil der Rumänen schiebt das Negativ-Image ihres Landes auf die Roma, die auch in Westeuropa zur ärmsten Bevölkerungsschicht gehören. Die Armut ließe sich nur durch eine jahrzehntelange Integration überwinden, doch scheitert die auch an der Diskriminierung. Eine Umfrage unter rumänischen Unternehmen zeigte 2015, dass ein Viertel der Arbeitnehmer keine Roma einstellen würde. Die Mehrheit der Roma bleibt damit sozial und materiell marginalisiert. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Pferdefuhrwerk in siebenbürgischen Dorf in Rumänien
In den Dörfern sieht man sie noch allerorten: Pferdefuhrwerke, die Landmaschinen des kleinen Mannes in Rumänien. Damit wird die Ernte eingefahren, Holz für den Winter transportiert. Das Pferdefuhrwerk ist das einzige Transportmittel, das man auch ohne Fahrprüfung steuern darf. Für Rumänien ein wichtiges Thema: Es gibt viele Analphabeten, die ohne schreiben und lesen auch keine Fahrerlaubnis machen können. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Pferdefuhrwerk im rumänischen Cetate, Dorf an der Donau
Auf Nationalstraßen, auf Autobahnen sowie in Großstädten sind Pferdefuhrwerke inzwischen verboten. Das Auswärtige Amt warnt dennoch auf seiner Website, Fahrten nach Einbruch der Dunkelheit zu vermeiden, da "langsame Fuhrwerke, die zudem schlecht oder gar nicht beleuchtet sein können, eine zusätzliche Gefährdung darstellen." Bildrechte: MDR/Annett Müller
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