Bildung Im Tandem: So lernen Kinder besser Lesen

Regine Förster, Redakteurin
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

25 Prozent aller Viertklässler verfügen über ungenügende Lesekompetenz, ergab die letzte IGLU-Studio. Doch diese ist wichtig, um in der Schule und im Leben mitzuhalten, die Welt lesend zu entdecken. Das Förderprogramm Tandem-Lesen will hier helfen. Das Besondere: es hilft nicht nur leseschwachen Schülerinnen und Schülern, auch die lesestarken Kinder profitieren davon.

Tandem-Leserinnen Leila (links) und Lea (rechts)
Tandem-Leserinnen Leila (links) und Lea (rechts) arbeiten gerne im Team Bildrechte: MDR/Regine Förster

Tandem-Lesen ist ein Programm zur gezielten Leseförderung. Eine bundesweite Aktion soll Grundschulen für diese besondere Methode des Lautleseverfahrens sensibilisieren; gemeinsam initiiert von der Stiftung Lesen, dem Klett Kinderbuch-Verlag, dem Klett Grundschulverlag und der Uni Leipzig. Denn die Ergebnisse der letzten IGLU-Studie von 2016 sind ernüchternd: Knapp 25 Prozent aller Viertklässler haben keine ausreichende Lesekompetenz. Wörter mühelos zu lesen, Sätze als Sinneinheiten wahrzunehmen und einen Text zu verstehen. Doch das sind Grundvoraussetzungen um erfolgreich zu lernen, sich im Alltag zurecht zu finden, aber auch um Spaß an Büchern zu haben.

Zeitmangel verhindert Lautlesen

Lesen in der Schule heißt heute meist noch: leise und nur für sich zu lesen. Oder, wenn laut, dann wird reihum in der Klasse gelesen – wobei jedes Kind nur wenig liest und der ganze Text oft so zerpflückt wird, dass er sich dem Einzelnen nicht mehr erschließt. Doch selbst das ist selten, aus Zeitmangel wird in der Schule heute kaum laut gelesen. Dabei finden es Kinder toll, die Möglichkeiten der eigenen Stimme zu entdecken.

Das Tandem-Lesen ist dabei eine Alternative, wer noch stockend und zähflüssig liest, wird im Tandem mitgenommen in die Bücher-Welt. Besondere Bedingungen braucht es dafür nicht. Die Lautstärke ist nicht höher als bei anderer Gruppen- oder Partnerarbeit, denn es wird halblaut gelesen. Es sind auch keine zusätzlichen Räume oder weiteres Personal nötig, gelesen wird zu zweit am Tisch im Klassenraum.

Die Methode

Zwei Geschichten der "wilden Schulzwerge" aus dem Klett-Kinderbuchverlag wurden beispielsweise didaktisch für Lesetandems bearbeitet: in Abschnitte portioniert, die Zitate farbig gekennzeichnet, zwei Leseniveaus in einem Wendebuch vereint.

Seite eines Buches zum Tandemlesen mit verschiedenfarbigem Text.
Der Text in den Tandem-Büchern ist durch verschiedene Farben für die beiden Leser markiert. Bildrechte: MDR/Robert Kühne

Die Kinder lesen dann im Tandem Texte wie "Frau Grümm greift hinter sich und holt zwei große Körbe hervor". Die Lesestärkere ist dabei die Trainerin, die Schwächere ist Sportlerin. Nach einem vorherigen "Eins, Zwei, Drei"-Einzählen geht es los: beide lesen laut und im gleichen Tempo gemeinsam den Text.

So auch Lea und Leila von einer Grünauer Grundschule. Lea ist Lesetrainerin und zeigt mit dem Finger auf den zu lesenden Text. Macht Sportlerin Leila keinen Fehler, lobt Trainerin Lea. Ansonsten verbessert sie. Zwischendurch kichern die Freundinnen auch mal. Viermal lesen beide eine Doppelseite, dann klappt es flüssig und betont.

Lesetandem hilft auch Lesestärkeren

Dass leseschwächere Kinder von der Tandem-Methode profitieren, leuchtet ein. Doch Susanne Riegler, Professorin für Grundschuldidaktik an der Uni Leipzig, kann auf wissenschaftliche Untersuchungen verweisen, die belegen, dass beide gefördert werden – auch die "Trainer" werden besser!

Initiative verlost 10.000 Lektüren

Zum Auftakt der Initiative werden bundesweit 10.000 Lektüren zum Tandem-Leseverfahren verlost. Interessierte Grundschulen können sich bei der Stiftung Lesen bewerben. Sie bekommen dann einen halben Klassensatz, also 15 Bücher mit zwei Geschichten von den "wilden Schulzwergen", sowie Lehrerhandreichungen und kostenlose Fortbildung.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. März 2020 | 08:40 Uhr

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