Ausgezeichnet Bunt und vielfältig – der Bürgerpark FreiFeld in Halle

Bürgerpark FreiFeld heißt eine Fläche hinter dem Bahnhof in Halle, die nun mit dem "polis Award" der Montag-Stiftung ausgezeichnet wurde. Der Park erhielt den zweiten Platz in der Kategorie "Lebenswerter Freiraum", weil hier mit vieler Hände Arbeit eine Fläche entstanden ist, die das Leben in dem Stadtviertel lebenswerter macht. Das befanden die Juroren und das finden auch die Initiatoren. Ein Besuch.

Eine Frau mit Hund an einem Toreingang mit einer bunt bestpühten Mauer. 4 min
Bildrechte: MDR/Anne Sailer

Wer in Halle am Bahnhof ankommt, schlendert über den Boulevard Richtung Marktplatz, das Stadtviertel hinter dem Bahnhof bekommen nur die Anwohner zu Gesicht. In Freiimfelde laufen die Straßen rechtwinkelig aufeinander zu. Graue 50er-Jahre Bauten reihen sich aneinander. Es ist menschenleer, trostlos. Und plötzlich steht der Besucher vor einer Mauer – einer bunten Mauer voll Graffiti – und vor einem Tor, das zum Durchlaufen einlädt.

Der Besucher findet sich auf dem Marktplatz wieder, erklärt Yvonne Böhm, Mitglied im Vorstand des Freiimfelde e.V.: "Wenn man das FreiFeld betritt, befindet sich ganz links ein Spielplatz. Dann haben wir den Bolzplatz, der täglich genutzt wird. Hinten befinden sich der Apothekergarten, der Gemeinschaftsgarten, dann eine lange Halle. Ganz groß ist auch der Bauspielplatz."

Graffiti-Projekt machte den Anfang

Eine Frau vor einem Holzhäuschen.
Yvonne Böhm vor dem Habibi-Haus Hier sollen sich bald Migrantinnen treffen und austauschen können Bildrechte: MDR/Anne Sailer

Ein kleines Häuschen mitten auf dem Marktplatz soll später von Migrantinnen genutzt werden. Eine Ruine gibt es auch. Umgeben ist die Fläche von der Wall of Fame. Große Graffiti-Wände, die legal besprüht werden durften. Mit diesem Projekt von Künstlern der Freiraumgalerie fing auch alles an. Im Mai diesen Jahres wurde die Mauer neu verputzt, mit Hilfe vieler freiwilliger Helfer. Mehr als 50 kamen.

Das Geld für den Zement spendete ein großer Baumarkt. Durch Spenden, Projektfinanzierungen und andere Gelder wird das FreiFeld jeden Tag einladender. Doch es sind die Anwohner, die es beleben. Kinder, Erwachsene, jeder packt mit an.

Ein Ort zum Abhängen

Auch Yvonne Böhm weiß jeden Tag ein bisschen mehr, was es heißt, sich zu Hause zu fühlen. Selbstwirksamkeit heißt das – also, selbst anpacken macht glücklich: "Es ist eine schöne Lokalität dafür. Es ist ein Ort, der schon gewisse Freiräume gibt, wo Jugendliche oder junge Menschen auch gerne abhängen. Und dementsprechend eignet sich das super dafür. Und das Viertel hat ja noch nicht unendlich viele Möglichkeiten, damit sich Jugendliche beschäftigen können."

Diese Brache, das FreiFeld, da identifizieren sich ganz viele Menschen damit. Das ist ihr Zuhause, da wo das Herz ist.

Yvonne Böhm, Ehrenamtliche beim FreiFeld

Auch Simons Herz schlägt im Bürgerpark FreiFeld schneller. Der 14-Jährige kommt oft her, packt mit an. Er hat gerade eine so genannte "Spirale" gebaut, ein schneckenförmiger Kräutergarten. Ein ungewöhnliches Projekt für einen Teenager. Doch Simon strahlt und scheint am liebsten zuschauen zu wollen, wie demnächst die Kräuter hier gedeihen. Er kommt fast jeden Tag in den Bürgerpark.

FreiFeld bekommt eine Skate-Bowl

Ein Junge vor einer kleinen Baugrube.
Bald soll hier eine Skate-Bowl stehen. Bildrechte: MDR/Anne Sailer

Noch nicht so oft kommt der neun Jahre alte Louis. Das wird sich sicher nächsten Monat ändern. Sein Vater war auf den Verein zugekommen und hatte gefragt, ob ein Skate-Bowl gebaut werden könnte. Das ist eine Schale für Skatboard-Fahrer, die ein bisschen aussieht, wie ein Schwimmbecken ohne Wasser.

Louis freut sich schon mächtig darauf. "Ich habe zu meinem Geburtstag ein BMX bekommen und hatte davor schon ein Skateboard und ich habe dann angefangen zu üben." Leider seien aber alle Skater-Parks sehr weit weg. "Jetzt ist es einfach nur cool, dass hier auf dem FreiFeld ein Skateboard-Bowl entsteht. Hier machen überhaupt viele etwas, das ist sehr schön."

Gleich nebenan ist auch noch ein Bauspielplatz – ein Projekt, bei dem Kinder ihre eigene Stadt bauen: sägen, hämmern, malern. Mit jedem Tag wird der Bürgerpark FreiFeld bunter und vielfältiger, das Angebot größer und die Mitwirkenden stolzer.

Für eine Herzensangelegenheit

Zwei Jungendlich mit Hund vor einer Wiese mit Kräuterspirale und Hochbeet.
Alle packen mit an: Simon (auf dem Bild mit Freund Jannik) hat eine Kräuterspirale gebaut. Bildrechte: MDR/Anne Sailer

Wie Yvonne Böhm, die eigentlich Ergotherapeutin ist, kommen die Menschen meist zufällig zu dem Projekt. Für viele wird es eine Herzensangelegenheit. Aber noch nicht für alle Leute im Viertel Freiimfelde in Halle, wie Böhme erzählt: "Es gibt immer Leute, die offen sind. Denen fällt das leicht und die sehen, dass die Leute irgendwas machen und kommen einfach dazu. Es gibt aber auch Menschen, die das nicht wertschätzen, die halt ihre Hund hierher kacken lassen, die Mülleimer umwerfen, die Gemüse rausreißen. Das ist nicht schön. Und dann müssen wir irgendwie zusammenhalten und uns gegenseitig die Tränen trocknen und weitermachen."

Tränen trocknen und weitermachen – das ist im Bürgerpark FreiFeld die Devise. Und mit jedem Tag, den der Park wächst, wächst auch das Selbstbewusstsein der Mitwirkenden, strahlen all die Projekte nach außen, fordern immer mehr Respekt ein. Respekt, der ihnen jetzt den "polis award" in der Kategorie "Lebenswerter Freiraum" beschert hat. Und dieser wird sicher nicht der letzte Preis gewesen sein.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. September 2020 | 07:10 Uhr