Die undatierte Aufnahme zeigt die Musiker Sam Beam (l-r, Iron & Wine), John Convertino und Joey Burns (beide von Calexico).
Calexico und Iron & Wine – eine Zusammenarbeit, die sich gelohnt hat Bildrechte: Piper Ferguson/CitySlang/dpa

Album "Years To Burn" Western-Romantik mit Tiefgang: Calexico und Iron & Wine

Für viele ist es sicher wie eine Ehe, die im Himmel geschlossen wurde: Calexico und Iron & Wine, zwei der hierzulande beliebtesten Americana-Bands, haben gemeinsam ein Album eingespielt. Das haben sie vor 15 Jahren schon einmal getan. Beide Bands haben ihren Sound und ihre Klangästhetik seitdem eindrucksvoll weiterentwickelt: Calexico als großes Ensemble in Richtung Tex-Mex und Weltmusik, Iron & Wine eher als leises Singer/Songwriter-Projekt. Aufgenommen haben sie ihr Album im alten Studio von Cowboy Jack Clement in Nashville, Tennessee, in dem schon Johnny Cash oder R.E.M. ihre Werke produziert haben. Und das scheint abgefärbt zu haben.

von Andreas Dewald, MDR KULTUR-Musikkritiker

Die undatierte Aufnahme zeigt die Musiker Sam Beam (l-r, Iron & Wine), John Convertino und Joey Burns (beide von Calexico).
Calexico und Iron & Wine – eine Zusammenarbeit, die sich gelohnt hat Bildrechte: Piper Ferguson/CitySlang/dpa

Calexico aus Tucson, Arizona, sind eine der führenden Americana-Bands, berühmt für ihre mit Wüsten-Atmosphäre und Mariachi-Bläsern aufgeladene Musik. Die Gruppe Iron & Wine um den rauschebärtigen Songwriter Sam Beam wiederum verbindet Einflüsse aus Folk, Country, Jazz und Soul zu einem facettenreichen Sound. Jetzt haben sich die beiden Bands nach "In The Reins" von 2005 zum zweiten Mal zusammengefunden, um ein gemeinsames Album aufzunehmen.

Dabei basiert das neue Album "Years To Burn" auf neuen, speziell für dieses Projekt gefertigten Songs von Sam Beam, so Joey Burns von Calexico. Weiter erläutert er: "Die Songs von Sam Beam verherrlichen die Landschaft im Südwesten der USA. Ich liebe das!" Beams Songs geben ihm zudem das Gefühl, "nicht nur tolle Songs zu hören, sondern wie durch ein Fenster in eine Welt zu blicken", Er beschreibt diese Welt laut  Burns von der Stimmung und den Emotionen her wunderbar – was eine Begabung ist, merkt Burns an.

Sam Beam ist ja in Filmwissenschaft ausgebildet und war Professor für Film an der Universität. Auch deswegen hat er wohl ein Gespür für Musik, die die Atmosphäre der Umgebung hervorruft.

Joey Burns von Calexico über Sam Beam

Calexico und Iron & Wine während eines Konzertes auf der Bühne.
Calexico und Iron & Wine bei einem gemeinsamen Auftritt Bildrechte: imago/ZUMA Press

Raus aus der Komfortzone

Man bekommt auf "Years To Burn" allerdings mehr zu hören als die wohlklingende Americana, die man von Calexico und von Iron & Wine kennt. Alle Beteiligten wollten bei dieser Kollaboration ihre behaglichen Komfortzonen verlassen und waren zur Improvisation und zum Experiment bereit.

So schwebt der Geist des Jazz über einigen Passagen des Albums, besonders über der dreiteiligen, gut achtminütigen Extravaganz "The Bitter Suite", in deren dunklen Klangwolken und Disharmonien sich auch die beunruhigenden politischen Spannungen der Gegenwart zu spiegeln scheinen.

'The Bitter Suite' bedeutet für mich, musikalisch das Fenster zu öffnen, alles zuzulassen, und zu sehen, was passiert. Vielleicht steht das symbolisch für den aktuellen Zustand, in dem sich dieser Planet befindet.

Joey Burns von Calexico

Musiker mit Werten

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Cover des Albums "Years To Burn" Bildrechte: City Slang

Auf "Years To Burn" gehen Sam Beams sublimes Songwriting und die virtuose Spiel- und Improvisationskunst von Calexico eine Kombination ein, die mehr ist, als die Summe ihrer Teile. Der Sänger von Iron & Wine hat Songs geschrieben, die mitunter an die von Crosby, Stills, Nash & Young erinnern. "Father Mountain" zum Beispiel, in dem er das materialistische Denken der Elterngeneration und den Idealismus der Jugend in berührenden Sprachbildern kontrastiert und in herzergreifende Musik kleidet.

Und auch in den übrigen Songs beschwört Sam Beam als Ehemann und Vater von fünf Töchtern ganz unkitschig Werte wie Love & Peace, Familie und Freundschaft.

In den Songs geht es um Nostalgie, um Rückschau, um tiefe Liebesbeziehungen, um Dinge aus der zweiten Hälfte des Lebens, um die Höhen und Tiefen, die wir alle durchlebt haben.

Joey Burns von Calexico

Americana-Romantik mit Tiefgang

Die undatierte Aufnahme zeigt die Musiker Sam Beam (l-r, Iron & Wine), John Convertino und Joey Burns (beide von Calexico).
Sam Beam (Iron & Wine, links), John Convertino und Joey Burns (beide von Calexico; mitte, rechts). Bildrechte: Piper Ferguson/CitySlang/dpa

Calexico und Iron & Wine bieten auf "Years To Burn" Americana-Romantik, die nicht nur oberflächlich gut klingt, sondern sich auch textlich durch poetischen Tiefgang, Empathie und Lebensweisheit auszeichnet. Und hört man das Album an einem Stück, wird die musikalische Idylle immer wieder so spannend aufgebrochen, dass sich keinesfalls ein Gefühl von Weltflucht einstellt.

Calexixo haben in der Vergangenheit in ihren Stücken immer wieder die politische Lage im Grenzgebiet zwischen Mexiko und den USA thematisiert. Und zumindest indirekt tun sie das auch bei dieser Kollaboration auf "Years To Burn".

Joey Burns sagt dazu "Ich denke, offen in einer Gemeinschaft zu sein, sich die Ideen des anderen anzuhören, miteinander zu kommunizieren und zu improvisieren, egal wer und wo du bist, das ist eine wundervolle Geste, die auch auf eine globale Bühne übertragen werden kann: sei es in der Politik oder bei sozialen Aktivitäten oder wenn es darum geht, ein guter Nachbar zu sein, ein guter Diener der Natur und der Mutter Erde."

Ebenfalls hörenswert

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Juni 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2019, 08:54 Uhr

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