Gemäldegalerie Alte Meister Einzigartiges Caravaggio-Gemälde als Leihgabe in Dresden

Das Gemälde "Johannes der Täufer" von Caravaggio ist eine Ikone der Kunstgeschichte. Seine Heimat sind eigentlich die Kapitolinischen Museen in Rom, doch bis zum 17. Januar kann man den weiten Reiseweg sparen und das über 400 Jahre alte Kunstwerk im Winckelmann-Forum der Galerie Alte Meister in Dresden bewundern.

Caravaggios Gemälde "Johannes der Täufer" ist als  Leihgabe in Dresden zu sehen. Es stammt aus den Kapitolinischen Museen in Rom. Das 1602 entstandene Werk ist ein ikonisches Meisterwerk. Es bietet den Anlass für eine ganze Ausstellung, die unter dem Titel "Das Menschliche und das Göttliche" Caravaggios weitreichenden Einfluss auf die Kunst in Europa zeigt. Sie ist zu sehen im Winckelmann-Forum der Galerie Alte Meister im Semperbau.

Caravaggio, Johannes der Täufer, 1602, Öl auf Leinwand, 129 x 95 cm
Die Leihgabe aus Rom: Caravaggio, Johannes der Täufer, 1602, Öl auf Leinwand, 129 x 95 cm Bildrechte: Kapotolinische Museen, Rom

Sein wirklicher Name war Michelangelo Merisi (1571-1610), aber er nannte sich Caravaggio, nach dem Ort in der Lombardei, aus dem seine Eltern stammten. Unter diesem Namen ist er auch in die Kunstgeschichte eingegangen und hat schon zu Lebzeiten höchste Berühmtheit erlangt. Rund 64 Gemälde des Barockmalers sind überliefert, nur zwei davon befinden sich in Deutschland – in Potsdam und in Berlin.

Heiliger als Kind dargestellt

Ein nackter Junge umarmt inmitten paradiesischer Natur einen Widder und wendet sich – hingelagert auf Pelz und drapierten Tüchern – über die Schulter blickend dem Betrachter zu. Das Licht modelliert die makellosen Formen seines Körpers und das runde, frohe von Locken gerahmte Gesicht.

Und das soll Johannes der Täufer sein? Der Asket und Wegbereiter Christi? Alle ihm üblicherweise zugeordneten Attribute wie Kreuzstab und der charakteristische Zeigegestus fehlen. Der Maler unterläuft die Erwartungen, liefert dafür etwas gänzlich Neues und verwischt die Grenzen zwischen Religiösem und Profanem.

Francisco de Zurbarán, Gebet des Heiligen Bonaventura, 1628/29, Öl auf Leinwand
Ebenfalls in Dresden zu sehen ist dieser von Caravaggio beeinflusste Künstler: Francisco de Zurbarán, Gebet des Heiligen Bonaventura, 1628/29, Öl auf Leinwand Bildrechte: Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Estel/Klut

Extreme Kontraste

Marion Ackermann, die Generaldirektorin der SKD, zeigt sich sichtlich erfreut über diesen besonderen Gast: "Er zeigt eben all diese Qualitäten, für die Caravaggio bis heute steht. Also dieser extreme Kontrast von Hell/Dunkel, also Hell-Dunkel-Malerei. Auch dieser für die damalige Zeit radikale Naturalismus. Und auch, dass er überlieferte christliche ikonografische Darstellungen neu gedeutet hat und sich dabei ganz stark auch an der Lebensrealität seiner Zeitgenossen orientiert hat, also neue Formen von Erzählungen geschaffen hat."

Bilder und Skulpturen in einer Ausstellung
Blick in die Dresdner Ausstellung Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Betriebsgeheimnisse eines Künstlers

Um 1590, im Alter von knapp 20 Jahren, war Caravaggio nach Rom gekommen, dem kreativen Zentrum Europas, hatte in verschiedenen Ateliers gearbeitet, zunächst als Spezialist für Früchte und Blumen. Zielstrebig arbeitete er an seinem Aufstieg zu einem teuren, von den Kirchenoberen und vom hohen Adel gefragten Maler, der sein "Betriebsgeheimnis" immer zu wahren suchte, keine eigene Werkstatt unterhielt und auch die Möglichkeiten für Kopien einschränkte.

Stephan Koja, der Direktor der Galerie Alte Meister erläutert: "Er lässt sich nicht in die Karten schauen. Er hat sich ein Oberlicht in seinem Atelier anlegen lassen, wo er diesen speziellen Lichteinfall von oben, nach der Natur studieren kann. Aber er lässt niemand heran. Niemand darf sehen, wie diese Bilder entstanden sind. Er erweckt den Eindruck, als wären sie in großer Eile nach dem Modell gemalt. In Wirklichkeit sind sie natürlich vorbereitet." Und sie erregten großes Aufsehen!

Die dramatische Lichtregie, die die Figuren aus dem Dunkel holt, die Naturnähe, die psychologische Authentizität ließen den Maler zum Vorbild einer ganzen Generation werden. Das kann man in Dresden an rund 50 Skulpturen und vor allem Gemälden studieren.

Die Ausstellung Caravaggio. Das Menschliche und das Göttliche
Leihgabe der Kapitolinischen Museen Rom bei den Alten Meistern

Ausstellungsort:
Zwinger | Gemäldegalerie Alte Meister
Theaterplatz 1, 01067 Dresden

16. Oktober 2020 bis 17. Januar 2021

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag, 10-17 Uhr, freitags bis 20 Uhr
Montag geschlossen

Ausstellungen in Dresden

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. Oktober 2020 | 07:40 Uhr