Leiterin des Europäischen Zentrums der Künste Dresden-Hellerau Carena Schlewitts Visionen für Hellerau

Berlin, Düsseldorf, Basel – das sind nur einige Stäfte, in denen Carena Schlewitt gewirkt hat. Seit Juli 2018 ist sie nun neue Leiterin des Europäischen Zentrums der Künste in Dresden-Hellerau. Warum zog es sie zurück in ihre Heimat?

Carena Schlewitt hat sich viel vorgenommen für ihre Zeit in Dresden-Hellerau. Ein international ausgerichtetes Haus der Live-Künste soll es sein, erzählt sie, mit fließenden Grenzen zwischen Tanz, Performance und Theater. Schlewitts erste Spielzeit ist im September gestartet, eine der ersten Premieren  trug den Titel "Krieg und Terpentin". Dafür lud Schlewitt die belgische Needcompany nach Hellerau. 250 Veranstaltungen finden jährlich in Hellerau statt. Schlewitt möchte das Zentrum weiter als "Labor und Experimentierhaus" führen.

Carena Schlewitt
Carena Schlewitt ist seit Juli 2018 die neue Leiterin des Europäischen Zentrums der Künste in Dresden-Hellerau. Bildrechte: MDR/ Nora Große Harmann

Die Intendantin wurde 1961 in Leipzig geboren. Sie wurde in Bad Lausick groß, erkundete als Tochter eines Germanisten und einer Unterstufen-Lehrerin schon als Jugendliche die Theater in der Umgebung.

Spannende Aufgabe mit Heimat-Bonus

Schlewitt studierte Theaterwissenschaft an der Humboldt Universität Berlin und arbeitete von 1985 bis 1993 an der Akademie der Künste in Ost-Berlin. Seitdem ist sie viel herum gekommen: Sie wirkte als Dramaturgin und Kuratorin an verschiedenen freien Produktionshäusern wie Podewil Berlin, Forum Freies Theater Düsseldorf, und HAU Berlin – bis zu ihrem Wechsel nach Dresden war Schlewitt zehn Jahre lang Leiterin der Kaserne Basel, dem größten Zentrum der Freien Szene in der Nordwestschweiz.

Carena Schlewitt 38 min
Bildrechte: MDR/ Nora Große Harmann
Carena Schlewitt 38 min
Bildrechte: MDR/ Nora Große Harmann

Was also zog die Theaterwissenschaftlerin zurück nach Sachsen? Natürlich habe es an der spannenden Aufgabe gelegen, die sie in Hellerau erwarten würde, so Schlewitt. Aber auch der Heimat-Faktor habe eine Rolle gespielt: "Es ist mir ein Bedürfnis, mich nochmal mit Umbruchsituationen, mit der DDR, mit Osteuropa zu beschäftigen", erzählt sie. Das alles seien für sie Themen, die sie für sich noch nicht abgeschlossen habe. "Und ich finde es wichtig, dass Kunst und Kultur diese Auseinandersetzung mit der DDR mit dem Blick von heute noch mal starten" – der Blick der 1990er und 2000er-Jahre reiche nicht.

Die "andere" Stadtgesellschaft stärken

Dresden wird, vor allem im westlichen Europa, derzeit oft mit negativen Schlagzeilen in Verbindung gebracht. Der Kanon: Dresden ist AfD, Dresden ist Pegida. Diese Voreingenommenheit hat auch Schlewitt zu spüren bekommen, als ihr Umzug bekannt wurde. Nicht selten sei sie gefragt worden, warum sie ausgerechnet nach Sachsen ziehe. Schlewitt entgegnet: "Wenn ich in Dresden bin, spüre ich auch eine andere Stadtgesellschaft, ein anderes Umfeld – und es geht mir darum, dieses Umfeld zu stärken."

Schlewitts Vision für das Europäische Zentrum: "Ich finde es wichtig, dass Hellerau nicht nur Präsentationsort ist, sondern sich noch stärker zum Produktions- und Arbeitsort entwickelt." In einem neu gebauten Ostflügel sollen Probenräume, eine Studiobühne und Residenzen entstehen. "Wir können die Stadtgesellschaft nur erreichen, wenn wir nicht nur rausgehen, sondern auch neue Wege finden, die Stadtgesellschaft zu uns ins Haus einzuladen."

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Eine Beamerprojektion auf dem Boden markiert die Standpunkte der anderen Ensemblemitglieder. Farbe, Form und Symbole der Projektionsflächen signalisieren die Interaktionen der anderen Tänzer.
Eine Beamerprojektion auf dem Boden markiert die Standpunkte der anderen Ensemblemitglieder. Farbe, Form und Symbole der Projektionsflächen signalisieren die Interaktionen der anderen Tänzer. Bildrechte: Abbildung: Paul Judt

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. November 2018 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. November 2018, 16:42 Uhr

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Eine Beamerprojektion auf dem Boden markiert die Standpunkte der anderen Ensemblemitglieder. Farbe, Form und Symbole der Projektionsflächen signalisieren die Interaktionen der anderen Tänzer.
Eine Beamerprojektion auf dem Boden markiert die Standpunkte der anderen Ensemblemitglieder. Farbe, Form und Symbole der Projektionsflächen signalisieren die Interaktionen der anderen Tänzer. Bildrechte: Abbildung: Paul Judt

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