Der britische Sänger Yusuf Islam alias Cat Stevens steht beim  Song Festival of Vina del Mar 2015 auf der Bühne.
Der britische Sänger Yusuf Islam alias Cat Stevens. Bildrechte: dpa

70. Geburtstag Cat Stevens - Ein Nahtod-Erlebnis änderte sein Leben

Der Musiker Cat Stevens wurde durch Hits wie "Morning has broken", "Father and Son" oder "Wild World" weltberühmt. Später konvertierte er zum Islam und machte als Yusuf weiter Musik. Nun feierte er seinen 70. Geburtstag.

von Stefan Maelck, MDR KULTUR

Der britische Sänger Yusuf Islam alias Cat Stevens steht beim  Song Festival of Vina del Mar 2015 auf der Bühne.
Der britische Sänger Yusuf Islam alias Cat Stevens. Bildrechte: dpa

Vor 70 Jahren wurde am 21. Juli 1948 ein britischer Musiker geboren, dessen Leben durch drei Namen in seine verschiedene Phasen eingeteilt werden kann: geboren als Steven Demetre Georgiou, erreicht er als Cat Stevens höchste musikalische Ehren, bis er dann 1977 zum Islam konvertierte und fortan als Yusuf (Islam) ebenfalls erfolgreich auftrat.

Späthippie mit höheren Zielen

Cat Stevens (bürgerlich: Steven Demetre Georgiou, aktueller Künstlername: Yusuf Islam)
Geboren wurde Cat Stevens/Yusuf Islam in London. Für den Künstlernamen "Cat" soll er sich entschieden haben, weil eine Freundin ihm sagte, dass er die Augen einer Katze hätte. Bildrechte: IMAGO

Cat Stevens, Sohn eines griechischen Vaters und einer schwedischen Mutter, verstand es mit seinen Liedern wie kein anderer, eine neue Welt im Kopf des Hörers zu kreieren. Spirituell war er dabei immer, ein Späthippie, der pseudophilosophische Lieder über den Wind sang und sich schwor, die Fehler, die seine Musiker-Kollegen machten, zu vermeiden. Er selbst sagt dazu: "Ich habe so viele verschiedene Einflüsse, viele Quellen. Mein Vater war ein orthodoxer Grieche, meine Mutter eine schwedische Baptistin und ich ging in die römisch-katholische Schule. Aber mir schwebte immer etwas vor, das über das Leben, das ich ererbt hatte, hinausging. Ich war fähig dazu und bin es immer noch, zu erkennen, wo Trennungen nötig sind und einen Pfad zu sehen."

Musikalische Raffinessen

Der Zauber von Stevens' Liedern liegt wohl ebenso in der kunstvoll aufgeblasenen Lyrik, wie in den cleveren Arrangements: mitunter gaben der 7/8 Rhythmus und die Bouzukies den Folk-Rocksongs einen exotischen Klang. Hinzu kam, dass Stevens mit seinen Locken und dem Bart locker als Jesus’  Sohn durchging. Früh schon interessierte sich der Vegetarier für die Religionen des fernen Ostens. Dabei waren seine Lieder nie Kitsch -  heute aus der Distanz und im Kontext von Singer/Songwriter, Americana und Neo-Folk hört man das noch deutlicher. Dazu waren seine Texte viel zu engagiert und die Stimme des Barden zu rau, zu expressiv.

Zu seinen Einflüssen bemerkt Stevens: "Als ich 15 war kamen die Beatles, damals war es der Traum jedes jungen Mannes, eine Gitarre zu haben und in einer Band zu spielen. Ich hatte das Glück, nicht weit von Londons Tin Pan Alley weg zu wohnen und so bekam ich meine erste Gitarre, nachdem mein Vater nachgegeben hatte, für acht Pfund." Bob Dylan habe dann sein poetisches Denken möglich gemacht und ihn davon weggebracht, nur Liebeslieder zu schreiben.

Star wider Willen

Mancher Popstar kokettiert mit dem Satz, nie gewünscht zu haben, ein Star zu werden. Cat Stevens glaubt man das, wenn man seine ungewöhnliche Karriere verfolgt. Bekannt wurde er durch eine gemeinsame Tour mit Steve Winwoods Band Traffic. Das Publikum feierte  den Folk-Barden im Vorprogramm der Supergruppe mehr als die eigentliche Hauptband Traffic. 1971 hatte Stevens zudem die Musik zu einem außergewöhnlichen Film geschrieben: "Harald & Maude" feierte auf einzigartige Weise zwei Außenseiter, ein ungewöhnliches Paar, die Jugend und das Alter und das romantische Liebäugeln mit dem Marxismus.

Ich war immer ein Familienmensch, ich glaubte an Gott, aber ich wollte auch meinem Herzen folgen. Ich begann zu meditieren und ließ meinen Bart wachsen. Ich wollte einen spirituelleren Lebensstil und gleichzeitig wollte ich 'ne Million Dollar verdienen und dafür auf Tour gehen. Paradox. Aber man  kann kein Popsänger sein, wenn man nicht die Nummer 1 sein will.

Yusuf/Cat Stevens

Nach Todeserfahrung Hinwendung zum Islam

Der ehemalige britische Popstar Cat Stevens, jetzt unter dem Namen Yusuf Islam (l) bekannt, singt am 15.11.1997 mit dem Chor der größten Koranschule Sarajevos bei einem Konzert. Er gab insgesamt drei Songs zum besten. Seit seiner Konversion zum Islam 1979 hat er dem Musikgeschäft weitgehend abgeschworen.  Der Musiker, der sogar Khomeinis Mordaufruf gegen Salman Rushdie gutgeheißen hatte, hat 1997 wieder eine Platte vorgelegt. Mit "The Life of the Last Prophet", einer Mischung aus Texten und vertonten Koranversen, setzt sich der 47jährige für die Verbreitung des Islam ein.
Yusuf Islam (l) am 15. November 1997 mit dem Chor der größten Koranschule Sarajevos. Bildrechte: dpa

Was treibt so einen begnadet talentierten Menschen dazu, das, was er am besten kann, wofür er geboren scheint, irgendwann über Bord zu werfen und sein Leben komplett zu ändern? Ein Nahtoderlebnis 1976 (Stevens war beim Schwimmen vor Malibu zu weit aufs offene Meer getrieben, flehte um Gottes Hilfe und wurde von einer Welle an den Strand zurückgespült) änderte Stevens' Leben. Er unterbrach die letzte große Tournee, las den Koran, wurde Moslem und trennte sich von seinen Goldenen Schallplatten und Instrumenten. Mit den weiter laufenden Tantiemen seiner Platten finanzierte er Islam-Aid, eine Hilfsorganisation für Flüchtlinge aus Afghanistan, Palästina und dem Sudan.

Als sich Yusuf Islam, wie Stevens sich fortan nannte, 1989 für das Todesurteil des Schriftstellers Salman Rushdie aussprach, erschreckte das seine Fans. 1997 nahm er eine Platte mit alten bosnischen Liedern auf. 2006 kam er zurück mit neuen, eigenen Songs, weil sein Herz, wie er sagt, es ihm befohlen hat. Als Yusuf hat er inzwischen fünf Alben veröffentlicht. Das letzte, "The Laughing Apple", veröffentlichte er unter Rückwendung zu seinem alten Namen, als Yusuf/Cat Stevens.

Wieder Platten zu machen, war wie meinen Frieden zu machen zwischen meiner Vergangenheit als Cat Stevens und meiner Gegenwart als Yusuf Islam.

Yusuf/Cat Stevens

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Juli 2018 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2018, 10:50 Uhr

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