Catherine Deneuve während der 67. Internationalen Filmfestspiele in Cannes
Die französische Schauspielerin Catherine Deneuve wird 75 Jahre alt. Bildrechte: dpa

Porträt Superstar, Schönheitsideal, rätselhafte Ikone: Catherine Deneuve wird 75

Zuletzt war sie wegen ihrer Kritik an der #MeToo-Bewegung in den Schlagzeilen – aber Catherine Deneuve ist natürlich viel, viel mehr: Grand Dame des französischen Kinos, internationaler Superstar, Leinwandmythos, Schönheitsideal und einst die begehrteste Frau der Welt. Am 22. Oktober wird "La Deneuve" 75 Jahre alt. Wir schauen auf eine weibliche Ikone, deren rätselhafte Aura immer wieder beschworen und bewundert worden ist.

von Sky Nonhoff, MDR KULTUR

Catherine Deneuve während der 67. Internationalen Filmfestspiele in Cannes
Die französische Schauspielerin Catherine Deneuve wird 75 Jahre alt. Bildrechte: dpa

Spulen wir vor, an eins der herzzerbrechendsten Film-Enden aller Zeiten. Geneviève, gespielt von Catherine Deneuve, eröffnet ihrem ehemaligen Geliebten Guy am Heiligabend im Schnee, dass sie ein Kind von ihm bekommen hat, das nun bereits sieben Jahre alt ist. "Sie heißt Françoise", sagt sie. "Sie ist dir sehr ähnlich. Möchtest du sie kennenlernen?"

Die Rolle des einfachen Ladenmädchens in den "Regenschirmen von Cherbourg" macht die 21-jährige Deneuve 1964 über Nacht berühmt. In Jacques Demys bittersüßem Melodram ist sie noch die niedliche Blondine, in die man sich schlicht verlieben muss. Ihre wahre Leinwand-Persona aber wird die junge Schauspielerin, die nie Schauspielunterricht hatte, erst in den kommenden Jahren entwickeln.

"Sie wurde, ich würde nicht sagen, erfunden, aber ihre Schönheit wurde von einem großen Regisseur, Jacques Demy, entdeckt", sagte dazu der Filmemacher Benoit Jacquot. "Alle, die danach kamen, haben sich einfach bedient. Und sie selbst auch, in gewisser Weise."

Figuren ohne Eigenschaften

Catherine Deneuve
Catherine Deneuve Bildrechte: dpa

Die psychopathische Maniküre in Roman Polanskis Schocker "Ekel", die bourgeoise Jungmatrone in Luis Buñuels "Belle de jour", die Befriedigung nur in ihren sadomasochistischen Phantasien finden kann – es sind seltsam kontur- und eigenschaftslose Figuren, die sich in Deneuves makelloser Sphinxhaftigkeit spiegeln. Stets bleibt sie eine Mischung aus französischer Grace Kelly und Eisprinzessin, Zahnarztgattin und Stepford-Wife.

Wenn Francois Truffaut sie in "Das Geheimnis der falschen Braut" in einer völlig sinnlosen Szene ihren Pullover auf einer Landstraße ausziehen lässt, meint man gleichsam seinen Aufschrei zu hören: "Zeig mir etwas von dir, Catherine, irgendetwas, und seien es nur deine Titten." Es hat nichts genützt.

Missratene Duette mit Serge Gainsbourg

Selbst in ihren Chansons widerklingt Deneuves Detachement als seltsam leidenschaftsloser Sirenengesang – sei es in Filmen wie "8 Femmes" ("Toi jamais") oder ihren eher missratenen Duetten mit Serge Gainsbourg, dem es – zugebenermaßen ziemlich am Ende seiner Alkoholikerkarriere – ums liebe Leben nicht gelingen wollte, eine zweite Jane Birkin aus ihr zu machen.

Kaum zu glauben, dass diese Frau mit dem Schauspieler Marcello Mastroianni eine Beziehung geführt haben soll, in der von Küche und Schlafzimmer nichts als Trümmer blieben – das allerdings ist nur ein Gerücht, da "La Deneuve" im Privatleben noch verschlossener als auf der Leinwand ist. Eine Ausnahme hat sie 1971 gemacht, als sie das berühmte "Manifest der 343 Schlampen" unterzeichnete, in dem sich 343 Französinnen dazu bekannten, abgetrieben zu haben.

Unnahbarkeit und Geheimnisse

"Catherine verfügt über etwas Träumerisches und Rätselhaftes", sagte der französische Filmregisseur Jaques Demy. "Bei jeder Rolle hat man das Gefühl, als hätte die Figur auf der Leinwand noch ein zweites, geheimes Innenleben. Sie ist anders, eine Schauspielerin der Träumerei, der gespaltenen Persönlichkeiten."

Der Regisseur André Téchiné hat sieben Filme mit Catherine Deneuve gedreht – einzig und allein, um ihre Unnahbarkeit zu entschlüsseln, wie er sagt. Deneuve selbst hat beim Rätselraten nie mitgespielt.

Würde ich nicht so aussehen, wie ich aussehe, hätte ich nie so viele Filme gedreht.

Catherine Deneuve

So Deneuves schulterzuckendes Diktum. "Und vor dem Blick der Leute habe ich schon lange kapituliert." In genau dieser Kapitulation lag gleichzeitig immer schon ihr Sieg. Im Wissen darum, dass sich in ein Gesicht alles hineinlesen lässt. Und das eigene Geheimnis meist nur die Ahnungslosigkeit der anderen ist.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Oktober 2018 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2018, 04:00 Uhr