Geburtstag vor 100 Jahren Charles Bukowski: vom Tankwart zum Kult-Autor

Schöngeistige Literatur war nicht seine Sache. Stattdessen war Charles Bukowski bekannt für eine rüde Sprache, Geschichten über Kleinkriminelle oder Gedichte über Hämorrhoiden. Am 16. August 1920 wurde der Dichter und Schriftsteller geboren und galt schon zu Lebzeiten als Kultfigur.

Charles Bukowski
Der Autor Charles Bukowski bei einer Veranstaltung Bildrechte: imago images/Leemage

Kann man Hämorrhoiden in ein Gedicht verpflanzen? Kann man nicht? Man kann. Zumindest Charles Bukowski kann das. Er hat einen "Hämorrhoiden-Blues" geschrieben.

"Hämorrhoiden-Blues" von Charles Bukowski Da liege ich, platt auf dem Bauch, Hem ist tot/ die Fische, die ich gefangen,/gegessen und ausgeschieden habe, sind tot/der Doc rammt mir eine Glasröhre in den Arsch./

Ein typischer Bukowski: Drastische Sprache, deftige Begriffe. Benutzt von einem Autor, dessen Gedichte, Kurzgeschichten und Romane Alkoholiker, Obdachlose und 100-Dollar-Huren bevölkern, der die desillusionierende Welt des Suffs und der Pferdewetten aufleben lässt. Bukowski zeichnet ein Amerika-Bild, das zur Werbung nicht taugt. Bukowski: "Wenn du einen ganzen Monatslohn in 4 Stunden auf dem Rennplatz verloren hast und abends um zehn wieder in deine verschissene Bude zurückkommst und dich an die Schreibmaschine setzt, dürfte es dir verdammt schwerfallen, irgendwelchen schöngeistigen Bullshit hinzuschreiben."

Geschichten aus der Welt der Trinker

Das Interesse Bukowskis an der Welt der Trinker ist allerdings nicht geheuchelt: Er beschreibt, was er kennt, stammt selbst aus diesem Milieu. Schon seine Voraussetzungen sind miserabel: Bukowski wächst in Los Angeles bei einem prügelnden Vater auf, aus der Prügel durch den Vater wird das Prügeln mit dem Vater. Anfang der 40er-Jahre ist der im deutschen Andernach geborene junge Mann dann "on the road": ständig wechselt er die Städte, die Bars, die Jobs. Er arbeitet als Leichenwäscher, Tankwart, Werbetexter für ein Luxus-Bordell in New Orleans, Schlachtergehilfe oder Birnenpflücker. Schließlich ergattert Bukowski eine Festanstellung bei der Post. Das Schreiben ist für ihn dabei eine Art Selbsttherapie: "Wenn mir das Schreiben nicht geholfen hätte, hätte ich das normale Arbeitsleben zwischen acht und fünf nicht ertragen", so Bukowski.

Von der Kritik gefeiert

Tatsächlich erreicht Bukowski in den Sechzigern ein gewisses Maß an Popularität. Das veränderte politische Klima ist daran nicht unschuldig. Allerdings: Der Autor selbst interessiert sich für das neue Klima kaum. Die Welt verbessern – nicht sein Ding. Er kreist um sich selbst: "In all den Jahren, die ich an Fließbändern und in U-Bahn-Tunnels geschuftet habe, ist mein Vokabular auf einen letzten Rest zusammengeschrumpft, aber mit diesem Rest versuche ich rauszuhämmern, was nur drin ist."

Was er "raushämmert" überzeugt. Vom Kultautor ist in den Siebzigern schließlich die Rede, "Schullektüre" solle sein Werk werden, Bukowski habe "Dynamit in seiner Schreibmaschine". Der große Zuspruch mag dem Schriftsteller manchmal sogar unangenehm sein, eckt er doch weniger an, als ihm lieb ist, aber Bukowski kann es nicht ändern – er ist jetzt etabliert.

Charles Bukowski
Charles Bukowski wurde schon zu Lebzeiten zum Kult. Bildrechte: imago images/Leemage

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. August 2020 | 08:40 Uhr