Entscheidung in Berlin Chemnitz soll Kulturhauptstadt 2025 werden

Altes und Neues Rathaus in Chemnitz
Altes und Neues Rathaus in Chemnitz Bildrechte: imago images/Rainer Weisflog

Chemnitz soll Deutschland als Europäische Kulturhauptstadt 2025 vertreten. Eine entsprechende Empfehlung für die sächsische Stadt verkündete die europäische Auswahljury am Mittwoch in Berlin. Damit haben die weiteren Bewerber Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg das Nachsehen.

Der Kultursonderzug für die Bewerbung der Stadt Chemnitz zur Kulturhauptstadt Europas 2025 steht auf dem Hauptbahnhof Chemnitz 5 min
Bildrechte: dpa

Die Jury hat entschieden: Chemnitz soll die deutsche Europäische Kulturhauptstadt 2025 werden. MDR KULTUR-Reporterin Jaqueline Hene war während der Entscheidung vor Ort und schildert ihre Eindrücke des Tages.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 28.10.2020 15:30Uhr 04:39 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Kultursonderzug für die Bewerbung der Stadt Chemnitz zur Kulturhauptstadt Europas 2025 steht auf dem Hauptbahnhof Chemnitz 5 min
Bildrechte: dpa

Die Jury hat entschieden: Chemnitz soll die deutsche Europäische Kulturhauptstadt 2025 werden. MDR KULTUR-Reporterin Jaqueline Hene war während der Entscheidung vor Ort und schildert ihre Eindrücke des Tages.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 28.10.2020 15:30Uhr 04:39 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Nach dem Votum der Auswahljury muss noch die Kulturministerkonferenz zusammen mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) die ausgewählte Stadt offiziell zur deutschen "Kulturhauptstadt Europas 2025" ernennen. Die Titelvergabe soll bis Ende des Jahres erfolgen.

All die Leute und Orte sichtbar machen, die man nicht sieht, und damit auch ein Chemnitz, das in Europa - noch - keiner auf dem Schirm hat.

Aussage des Bewerbungsteams
Frau hält einen Zettel, auf dem Chemnitz steht, in die Kamera.
Juryvorsitzende Sylvia Amann mit dem Briefumschlag bei der Verkündung der Gewinnerstadt Bildrechte: Kulturstiftung der Länder

Man möchte mit kulturellen Mitteln Gräben überwinden, so das Bewerbungsteam Chemnitz. Die Stadt war vor zwei Jahren tagelang im Ausnahmezustand gewesen, nachdem Daniel H. am Rande des Stadtfests von einem Asylbewerber erstochen worden war. Es folgten Demonstrationen, bei denen auch der Hitlergruß gezeigt wurde. Die Ereignisse des Sommers 2018 wurden genau wie brachliegende Flächen und leerstehende Häuser zunächst als Schwäche in der Bewerbung der drittgrößten Stadt in Sachsen betrachtet. Ob Wende, Strukturwandel oder jetzt die Corona-Pandemie: Mit Macher-Mentalität will Chemnitz aktiv werden.

Blick über Magdeburg vom Riesenrad im Stadtpark Rotehorn über die Elbe auf Magdeburg mit dem Dom und der backsteinernen Stadthalle im Bauhaus-Stil. 7 min
Bildrechte: imago images/ecomedia/robert fishman

Große Trübsal und Stille herrschte in Magdeburg nach der Entscheidungsverkündung, wer Kulturhauptstadt 2025 wird. Doch nun will die Stadt nach vorn blicken. MDR-Landeskorrespondentin Sandra Meyer im Gespräch

MDR KULTUR - Das Radio Mi 28.10.2020 14:00Uhr 06:39 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Blick über Magdeburg vom Riesenrad im Stadtpark Rotehorn über die Elbe auf Magdeburg mit dem Dom und der backsteinernen Stadthalle im Bauhaus-Stil. 7 min
Bildrechte: imago images/ecomedia/robert fishman

Große Trübsal und Stille herrschte in Magdeburg nach der Entscheidungsverkündung, wer Kulturhauptstadt 2025 wird. Doch nun will die Stadt nach vorn blicken. MDR-Landeskorrespondentin Sandra Meyer im Gespräch

MDR KULTUR - Das Radio Mi 28.10.2020 14:00Uhr 06:39 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Reaktionen auf die Ernennung zur Kulturhauptstadt

"Wir sind einfach glücklich und überwältigt", sagte die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD):

Es wird der Stadt so gut tun. Das ist einfach ein ganz großartiges Gefühl.

Barbara Ludwig, Oberbürgermeisterin Chemnitz
Barbara Ludwig (SPD), Oberbürgermeisterin von Chemnitz, jubelt nach der Bekanntgabe der europäischen Kulturhauptstadt.
Barbara Ludwig (SPD), Oberbürgermeisterin von Chemnitz, jubelt nach der Bekanntgabe der europäischen Kulturhauptstadt Bildrechte: dpa

Mit Blick auf die rechtsextremen Ausscheitungen in Chemnitz vor rund zwei Jahren sagte Ludwig, diese hätten die Stadt in einer Art und Weise an ihre Grenzen gebracht, "die uns zum Teil auch sehr weh getan hat". Daraus sei eine Jetzt-erst-recht-Reaktion erwachsen. Man habe zeigen wollen, "dass wir so viel mehr sind als die Bilder, die 2018 um die Welt gegangen sind", sagte Ludwig.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig bezeichnete die Ernennung von Chemnitz zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 als verdiente Entscheidung:

Ich freue mich auf die facettenreichen Projekte, die in den kommenden Jahren mit Leben gefüllt und viele unterschiedliche Menschen in Europa verbinden werden.

Martin Dulig, Wirtschaftsminister Sachsen

Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen, sagte auf Facebook, in Chemnitz habe man zusammengehalten: "Was für eine Arbeit, was für Engagement, wie viel Kreativität, wie viele kluge Ideen waren dafür notwendig." Chemnitz stehe dafür, "wie wichtig es ist, die Gefahr von Spaltungen zu überwinden und aktiv für unsere europäischen Werte und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt einzutreten.":

Rainer Robra, Staats- und Kulturminister von Sachsen-Anhalt gratulierte Chemnitz. Aber auch Magdeburg habe sich hervorragend präsentiert, sagte er:

Auch wenn die Jury Magdeburg nicht ausgewählt hat, hat der langjährige Bewerbungsprozess bewiesen, mit wieviel Kreativität und Engagement die Menschen in Magdeburg und im Osten Deutschlands sich immer wieder neu erfinden und ihr Leben tatkräftig gestalten.

Rainer Robra, Staats- und Kulturminister Sachsen-Anhalt

Jahrelanges Bewerbungsverfahren

In den Bewerberstädten wurden jahrelang Ideen gewälzt, Programme aufgestellt und dicke Bewerbungen geschrieben. Die Kandidaten wurden aufgrund umfangreicher Bewerbungsbücher bewertet. Außerdem gab es zuletzt Stadtbesuche, wegen der Corona-Pandemie allerdings ausschließlich digital.

Das Karl-Marx-Monument, im Volksmund auch "Nischel" genannt, im Zentrum von Chemnitz in der blauen Stunde des Tages. 7 min
Bildrechte: dpa

Als Kulturhauptstadt könnte Chemnitz endlich ein neues Image bekommen und aus dem Schatten Leipzigs und Dresdens heraustreten. Ferenc Csák, Projektleiter der Bewerbung verrät, was Chemnitz zur Gewinnerstadt macht.

MDR KULTUR - Das Radio Do 29.10.2020 06:00Uhr 06:48 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Förderung der kulturellen Vielfalt Europas

Traurige Zuschauer sitzen auf dem Rathausplatz in Hildesheim und verfolgen die Online-Pk der Europäischen Jury zur Empfehlung für Deutschlands Vertreter als europäische Kulturhauptstadt 2025.
Freude und Erleichterung, als der Name Chemnitz fällt Bildrechte: dpa

Wer den Titel holt, kann zugleich auf ein großes Konjunkturprogramm für Stadt und Region hoffen. Das Kulturhauptstädteprogramm ist eine EU-Initiative, mit der die Verbundenheit zur gemeinsamen europäischen Kultur gefördert und die Vielfalt Europas verdeutlicht werden soll. Pro Jahr gibt es zwei Kulturhauptstädte aus zwei Mitgliedsstaaten. Welche Länder in welchem Jahr gemeinsam eine Kulturhauptstadt benennen, wird lange vorab festgelegt. 2025 sind dies Slowenien und Deutschland.

Deutsche Kommunen wurden bisher drei Mal mit dem Titel versehen. Das waren 1988 West-Berlin, die thüringische Klassikerstadt Weimar im Jahre 1999 sowie Essen und das Ruhrgebiet im Jahre 2010.

Mehr zur Kulturhauptstadt 2025

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Oktober 2020 | 13:30 Uhr