Alles aus dem Lager Rückblick auf 30 Jahre – Jubiläumsausstellung der Chemnitzer Galerie Weise

1990 wurde in Chemnitz die Galerie Weise gegründet. In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Institution gewandelt: Mehrmals ist Bernd Weise umgezogen, die Räume sind zum Ort des Austausches geworden und zu einer Förderstätte für junge Künstlerinnen und Künstler. Zum 30-jährigen Jubiläum zeigt die Galerie in der Ausstellung "transformationen" Werke aus dem eigenen Depot.

Jubiläumsausstellung Galerie Heise
Blick in den Ausstellungsraum der Galerie Weise Bildrechte: Galerie Weise

Das Funkeln, das zur Kunst gehört, ist für Bernd Weise die Sahnehaube obendrauf. Eine kleine Jubiläumsschau hängt dieser Tage an den Wänden seiner Galerie mit Bildern von einst präsentierten Künstlern und Künstlerinnen und mit Ausstellungsplakaten aus 30 Jahren. Wenn sich Bernd Weise erinnert, wen er alles präsentierte, muss man ihn stoppen: Große Namen wie Otto Dix oder Gerhard Altenbourg sind darunter. Für einen Chemnitzer Galeristen liegt natürlich Carlfriedrich Claus nahe. Es folgen der Berliner Harald Metzkes, Stefan Plenkers, Claus Weidensdorfer, Frieder Heinze – um nur einige zu nennen. Aber auch volkstümlich kann Bernd Weise sein. So zeigte er 2008 Collagen zu Bob Dylan im Zuge der Dylan-Schau in den Kunstsammlungen Chemnitz oder 2011 Grafiken und Gemälde von Armin Müller-Stahl, die sich gut verkauften. Zur Vernissage schlängelte sich das Publikum durch die Galerie.

Die Galerie im Wandel

Um Besucherinnen und Besucher in seine Galerie zu locken, musste der Galerist zunächst ein Gespür für die Stadt entwickeln: "Die Schwierigkeiten für Chemnitz liegen darin, dass es eine relativ überschaubare Ansammlung von Menschen gibt, die für Kunst auch Geld ausgeben. Das merkt man aber erst im Laufe der Zeit, um nicht zu sagen, wenn es zu spät ist. Dann entwickelt sich das Bewusstsein für die Kunden, das Publikum. Diese relativ wohlsituierte Mittelschicht gibt es ja im Osten kaum und in Chemnitz weniger. Die Leute interessieren sich durchaus dafür, aber manchmal fühlen wir uns hier auch – das macht auch durchaus Spaß – wie eine Außenstelle der Volkshochschule", erinnert sich Weise.

Jubiläumsausstellung Galerie Heise
"Licht am Ende des Tunnels" von Lydia Thomas und Wolfram Schneider Bildrechte: Galerie Weise

Seit 1987 arbeitet er als Galerist, hat sich vom Ingenieur für Maschinenbau zum Kunstkenner und Gutachter für Kunst des 20. Jahrhunderts entwickelt. Nachdem er drei Jahre lang die einstige Galerie-Institution "oben" auf dem Kaßberg in Chemnitz geleitet hatte, siedelten 1990 sich Weise und seine Frau Regine, die ebenfalls in der Galerie mitarbeitet, auf dem Sonnenberg an, bevor sie 2003 in die Innenstadt an die Innere Klosterstraße zogen. 2018 folgte ein weiterer Umzug in den Rosenhof 4 in der Fußgängerzone mit neuen, weitläufigeren Räumen mit großen Schaufenstern. Es ist der ersten Adresse in Chemnitz, sehr "chic". Von außen können alle Bilder des größten Ausstellungsraumes eingesehen werden; auch Plastiken entfalten hier ihre Wirkung. Die Galerie sollte auch ein Begegnungsort sein: Der Leipziger Kunstmuseumsdirektor Alfred Weidinger war ebenso zu Gast wie Ingrid Mössinger von den Chemnitzer Kunstsammlungen und es gab Konzerte. "Seit wir in diesen großen Räumen sind, ging es uns immer darum, eine Plattform für Gespräche zu sein. Deshalb nennen wir die Galerie nicht nur Galerie Weise, sondern auch Kunstsalon Rosenhof", erklärt der Galerist.

Junge Kunstschaffende im Blick

Einst startete Bernd Weise einem besonderen Schwerpunkt mit Dresdner Künstlern. Neben den Heroen der 80er- und 90er-Jahren nimmt der Galerist längst die künstlerisch agierende Jugend in den Blick. "Es soll zu keiner Stagnation kommen", sagt Weise. Allerdings schaut er von Chemnitz aus, der sächsischen Großstadt ohne Kunstakademie, nicht nach Leipzig oder Dresden, sondern nach München. So stellte er 2017 gleich eine ganze Malklasse aus: 15 Künstlerinnen und Künstler, die an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Professorin Anke Doberauer ihr Diplom abgelegten. Aus dieser Klasse ging auch die Malerin Lydia Thomas hervor, 1987 in Karl-Marx-Stadt geboren und Bernd Weises Star. Formal wandelt sie zwischen den Bänken der Leipziger Schule. In der Jubiläumsschau ist ein Ölgemälde von 4x5 Metern ausgestellt, auf dem Wutbürger mit Megafonen und sogenannte Hoffnungsträger in einer Fußgängerunterführung in Chemnitz zu sehen sind – eine Bestandsaufnahme, die in die Stadt passt. Wie Weise sagt, will "Communication breakdown" unbedingt aus dem Lager.

Jubiläumsausstellung Galerie Heise
"Communication Breakdown" von Lydia Thomas Bildrechte: Galerie Weise

In dem von außen nicht einsehbaren Ausstellungsraum der Galerie Weise hängen indessen einige Sprachblätter von Carlfriedrich Claus, einsiedlerischer "Weltkünstler" aus Annaberg und einst Mitglied der Chemnitzer Künstlergruppe "Clara Mosch". Jene Blätter erinnern unter anderem an einen Höhepunkt in der Claus-Rezeption, als die Kunstsammlungen Chemnitz 2005, anlässlich des 75. Geburtstages, Claus im Kontext von Klee bis Pollock zeigten. In der Galerie Weise konnte man damals Blätter von Claus auch kaufen. Und das kann man heute immer noch.

Jubiläumsausstellung Galerie Heise
Ein Werkblatt von Carlfriedrich Claus Bildrechte: Galerie Weise

Mehr Informationen Die Ausstellung "transformationen. 30 Jahre Galerie. Arbeiten aus dem Bestand" ist bis zum 9. Januar in der Galerie Weise zu sehen.

Innere Klosterstraße 1
09111 Chemnitz

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag, 10-18 Uhr
Samstag, 10-16 Uhr

MDR KULTUR besucht Ateliers

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Dezember 2020 | 13:10 Uhr

Abonnieren

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei