Modelabel "karlskopf" Marx mit Sonnenbrille: Der Chemnitzer "Nischel" als angesagte Modemarke

Es gibt ihn als Hipster, Skater, Fotograf, Rocker, Santa Karl, Skifahrer, Matrose oder Sänger. Aber er hat immer eine Sonnenbrille auf. So druckt das Label "karlskopf" den Nischel – das Wahrzeichen von Chemnitz – auf T-Shirts, Sweater oder Hoodies. Das Ziel des Inhabers Martin König: Chemnitz cool nach Außen zu präsentieren.

Martin König, Inhaber des Labels "karlskopf"
Martin König ist Inhaber des Chemnitzer Labels "karlskopf". Bildrechte: karlskopf

Wie viele junge Unternehmer, hat sich auch Martin König den Brühl-Boulevard in Chemnitz als Standort für seinen Laden "karlskopf" ausgesucht. "Bewusst", wie er sagt. Martin König sprudelt nur so vor Ideen. Das ist dem 30-jährigen Betriebswirt sofort anzumerken. Er ist gerade dabei, das Konterfei des großen Philosophen Karl Marx als Skifahrer mittels Siebdruck auf ein T-Shirt zu drucken.

Von Chemnitz in die Welt

Ein T-Shirt mit Karl Marx Druck.
Ein mit dem "karlskopf" bedrucktes T-Shirt aus Königs Kollektion. Bildrechte: karlskopf

Mittlerweile hat König 19 Motive im Repertoire und es kommen immer weitere dazu. Trotz Sonnenbrille schaut Karl Marx immer etwas düster von den Kleidungsstücken. "Sie steht dafür, dass es egal ist, was andere über dich denken, einfach machen", sagt König. Auch hinten auf den Shirts und Pullovern ist eine kleine Brille. König träumt davon, dass die Menschen nur daran erkennen, dass der- oder diejenige vor ihnen etwas von "karlskopf" trägt.

Die Idee für die Marke kam König, als er noch in Münster BWL studierte. "Immer wenn mich die Leute gefragt haben, wo ich herkomme, habe ich Chemnitz gesagt – aber immer ein bisschen beschämt, irgendwie zurückhaltend. Ich wollte etwas machen, worauf man stolz sein kann, um Chemnitz cool nach außen zu tragen." Dann dachte er an das riesige Karl-Marx-Denkmal, das das Stadtbild von Chemnitz prägt. "Der steht halt rum bei uns, aber so grau. Ich bin ein sehr offener und lebensfroher Mensch. Ich entdecke gern Neues und dachte mir, wenn Marx heute leben würde, würde er das wahrscheinlich genauso machen", begründet König die Idee, den bärtigen Philosophen in unterschiedliche Outfits zu stecken.

Der chillende Karl Marx als Motiv

Socken des Labels Karlskopf.
Karl Marx ist für Martin König eine Kultfigur – den Nischel druckt er sogar auf Socken. Bildrechte: karlskopf

Mit seinem damaligen Zimmergenossen, der als Künstler aktiv ist, entwickeln sie erste Entwürfe. Das Motiv der Geburtsstunde seines Labels zeigt den chillenden Karl Marx, der mit seiner leuchtend blauen Sonnenbrille entspannt die Welt betrachtet. Seitdem ist der "karlskopf" in der Welt unterwegs: Die wenigsten Bestellungen gehen nach Chemnitz. Stattdessen bekommt er Fanpost aus Paris oder Ägypten. Das macht den Designer auch etwas stolz. Sein anderer Traum ist, "dass man vor dem Karl-Marx-Kopf steht und sagt, das ist nicht der Karl-Marx-Kopf, sondern der karlskopf. Das wäre sehr witzig."

Ein Personenkult der etwas anderen Art

Ein wichtiger Aspekt für den Erfolg seiner Marke ist vor allem die Qualität: Die Technik des Siebdrucks macht die Kleidungsstücke schließlich zu etwas Einzigartigem. "Das macht das Label so beliebt", vermutet König. Für das gewisse Etwas verleiht König allen Stücken eine eigene Geschichte, die auf einem kleinen Kärtchen gedruckt beiliegt. Im Moment arbeitet er halbtags im Geschäft seines Onkels, dem Chemnitzer Designer Rene König vom Modelabel Germens. Ab Herbst will er sich aber ganz seinem eigenen Laden widmen. Zusätzlich zum Geschäft vertreibt er seine Kleidungsstücke, zu denen inzwischen auch Socken und Hoodies gehören, im Online-Shop. Die Motive hätten aber nichts mit Verehrung für den berühmten Wirtschaftsphilosophen und seine linke Weltsicht zu tun. "Es ist eine Kultfigur", meint Martin König.

Martin König beim Bedrucken der Shirts.
Durch das Siebdruckverfahren wird jedes Kleidungsstück zum Unikat. Bildrechte: karlskopf

Ein Entwurf eigens kreiert für Chemnitz als Kulturhauptstadt

Nach der Wahl zur Kulturhauptstadt 2025 haben König und sein Team auch ein dazu passendes Motiv entworfen: den Kulturbanausen. Denn der Chemnitzer sei nicht so leicht für Kultur zu begeistern, beobachtet König. "Eigentlich hat er nicht so viel mit Kultur am Hut, aber jetzt muss er ja, weil Chemnitz ist Kulturhauptstadt." Der Kulturbanause hält ein Schild mit "Kulturhauptstadt 2025" hoch, trägt eine Goldkette mit dem Wort "fetzt", weil "das so ein typisch sächsisches Wort ist – wenn etwas cool ist, dann fetzt es", erklärt König. Außerdem trägt der Kulturbanause ein Stirnband, auf dem "weder grau noch braun" steht. "Das war uns sehr wichtig, auch aufgrund der Vorfälle in Chemnitz. Chemnitz ist eine bunte Stadt, eine offene Stadt", sagt König. Dafür soll auch "karlskopf" stehen.

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