Chris Thile
Chris Thile mit seinem achtsaitigen Instrument Bildrechte: IMAGO

Albumvorstellung "Thanks for Listening" Chris Thile spielt Mandoline fernab von Kitsch

Derzeit erlebt die Mandoline eine Renaissance. Das kitschige und verstaubte Image, das dem kleinen Zupfinstrument lange Zeit anhaftete, wurde weggezupft von Interpreten wie dem Israeli Avi Avital und dem US-Amerikaner Chris Thile. Thile spielt vor ausverkauften Häusern, was vermutlich auch daran liegt, dass er so virtuos ist und stilistische Grenzen zu Jazz und Klassik überschreitet. Die jüngste Veröffentlichung des Mandolinenbekenners trägt den Titel "Thanks for Listening" - "Danke fürs Zuhören". Sehr gerne!

von Petra Rieß, MDR KULTUR-Musikkritikerin

Chris Thile
Chris Thile mit seinem achtsaitigen Instrument Bildrechte: IMAGO

Von klein auf bereist und erforscht Chris Thile mit seiner Mandoline die unterschiedlichsten Gefilde. Für sein neues Album hat er sich Freunde eingeladen, darunter Aoife O’Donovan, die als Frontfrau ihrer Band Crooked Hill auch in Europa einen Namen hat. Oder Sarah Yarosz, ebenfalls eine junge Stimme des amerikanischen New Folk.

Der Elefant im Raum

Wie Freundschaften und Familien funktionieren, wie wir miteinander umgehen, davon erzählt Thile auf seinem neuen Album intensiv und teilweise psychologisch ausgefuchst.

So in "Elephant in the Room", einer englischen Metapher für ein Problem, das für jeden sichtbar im Raum steht, das aber niemand anspricht. Diese Geschichten steckt Thile jeweils in das klanglich passende Gewand. Im Elephant torkelt die Mandoline bluesig verträumt durch den Song.

In dem Song "Douglas Fir" erzählen Thile und Aoife O’Donovan wiederum die biblische Geschichte von Jesu Geburt neu. Sie singen aber auch davon, wie das Leben vieler Kinder heute aussieht - nicht immer rosig.

Blues und Elektronik

Thile spielt fast alle Saiteninstrumente selbst, außer Bass und Bratsche. Den Sound seiner sogenannten Flat-Back Mandoline, ein Instrument mit flachem Rückenteil, wie im Blue Grass üblich, hört man auf diesem Album selten solo. Im Gegenteil: Thile experimentiert mit elektronischen Sounds und treibt sich mit "old fashioned keyboard sounds" sogar ein bisschen in der Retro-Ecke rum.

Grammy-Gekrönt

Chris Thile
Geboren wurde Chris Thile 1981 im sonnigen  Kalifornien  Bildrechte: IMAGO

Vier Grammys hat Thile schon bekommen: Einen davon 2013 für die mit Yo-Yo Ma, Edgar Meyer und Aoife O’Donovan entstandenen "Goat Rodeo Sessions" als "Bestes Folkalbum". Im selben Jahr veröffentlichte Thile ein Album mit Bach-Sonaten und Anfang 2017 ist sein herausragendes Album mit dem Jazzpianisten Brad Mehldau erschienen.

Wie feinsinnig er improvisieren kann, zeigt Thile auch auf seinem neuen Album, beispielsweise in der leisen musikalischen Skizze "Balboa". Der Titel ist eine kleine Pause für die Ohren auf der ansonsten sehr soundverliebten, poppigen Produktion.

Seine Stimme ist ähnlich hochtönig wie die seiner Mandoline, bekannte Thile einmal. Mit seiner hohen Gesangsstimme und den engen Arrangements erinnert er hier stellenweise an den US-amerikanischen Sound der 70er- und 80er-Jahre.

"Thanks for Listening" ("Danke fürs Zuhören") heißt Thiles neues Album. Dabei möchte man eigentlich umgekehrt dem Künstler danken, für seine Energie, seine Neugier und Vielseitigkeit, für die enorme expressive und handwerkliche Kunst, mit der er immer wieder Neues sucht und findet.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Januar 2018 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2018, 01:00 Uhr

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