Ausstellung in Dresden Christa Petroff-Bohne – Design, das zum Diebstahl verführte

Die Designerin Christa Petroff-Bohne ist die wohl wichtigste und wirkmächtigste Gestalterin der 1950er- und 60er-Jahre. Ihr widmet das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden seine diesjährige Saisonausstellung: "Schönheit der Form. Die Designerin Christa Petroff-Bohne".

Auch wem der Name Christa Petroff-Bohne nicht geläufig ist, vor dem großen Tisch im Wasserpalais mit den von ihr entworfene Produkten ist der Wiedererkennungseffekt gewiss groß: bei den sachlich-eleganten Edelstahlkännchen mit dem Klappdeckel , den  Servierschalen, die  in den besseren Hotels gereicht wurden, den schlichten Vasen, den Bestecken, auch die Urform des Handrühr- und Mixgerätes RG 5 stammt von ihr.

Die Ausstellung "Schönheit der Form. Die Designerin Christa Petroff-Bohne"

Christa Petroff-Bohne, Vasen, 1958
Christa Petroff-Bohne, Vasen, 1958 Bildrechte: Heike Overberg
Christa Petroff-Bohne, Vasen, 1958
Christa Petroff-Bohne, Vasen, 1958 Bildrechte: Heike Overberg
Christa Petroff-Bohne, Ausstellung, Staatlichen Kunstsammlungen, Pillnitzer Wasserpalais, Dresden
Christa Petroff-Bohne (Entwurf), Kaffeekanne, um 1961, VEB Auer Besteck- und Silberwarenwerke (Ausführung) Bildrechte: SKD
Christa Petroff-Bohne, Ausstellung, Staatlichen Kunstsammlungen, Pillnitzer Wasserpalais, Dresden
Teekanne, Christa Petroff-Bohne (Entwurf), VEB Auer Besteck- und Silberwarenwerke (Ausführung), um 1961 Bildrechte: SKD
Christa Petroff-Bohne
Christa Petroff-Bohne beim Unterrichten im Fachgebiet "Visuell-ästhetisches Gestalten" an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, 1970er-Jahre Bildrechte: Andreas Stirl
Christa Petroff-Bohne, Suppentassen, Entwurf 1959-1961
Christa Petroff-Bohne, Suppentassen, Entwurf 1959-1961 Bildrechte: Georg Eckelt
Christa Petroff-Bohne, Hotel- und Tafelgeräte, Entwurf 1959-1962
Christa Petroff-Bohne, Hotel- und Tafelgeräte, Entwurf 1959-1962 Bildrechte: Georg Eckelt
Christa Petroff-Bohne, Ausstellung, Staatlichen Kunstsammlungen, Pillnitzer Wasserpalais, Dresden
Blick in die Ausstellung im Pillnitzer Wasserpalais Bildrechte: SKD
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Studium in Dresden und Berlin

Petroff-Bohne hat Generationen von DDR-Formgestalteneden ausgebildet und geprägt. Begonnen aber hatte die 1934 in Colditz im Muldental geborene Künstlerin sehr bodenständig und praktisch als Malerin  im Steingutwerk Colditz. Einen Büroberuf, wie von den Eltern empfohlen, wollte sie auf keinen Fall ausüben, sondern etwas mit Zeichnen und Gestalten.

Christa Petroff-Bohne
Christa Petroff-Bohne in den 70er-Jahren Bildrechte: Anneliese Bonitz

Im Studium an der Dresdner Kunsthochschule war sie eine der Jüngsten. Als hier 1953 die Formgestaltung ganz der Malerei weichen musste, setzte sie ihr Studium der Keramik und Formgebung an der Hochschule in Berlin-Weißensee fort, an die sie später als Lehrende zurückkehrte. Dazwischen liegen Jahre als Industrieformgestalterin in vielen Sparten und für viele Auftraggeber. Allein zwischen 1956 und 1959 waren es über 80 Produkte, die sie gestaltete und die in hohen Stückzahlen produziert wurden.

Mein Ziel war es nicht, Luxusgegenstände zu machen und einzelne Gruppen oder einzelne Menschen damit glücklich zu machen, die auch zahlungsfähig sind. Ich wollte ein Design machen, was vielen Menschen zugutekommt.

Christa Petroff-Bohne

Design für die Menschen

Im VEB Auer Besteck- und  Silberwarenwerke modernisierte die erst 24-jährige die Gestaltung von Bestecken, die bis dato nach Stilvorlagen aus dem 19. Jahrhundert produziert wurden. Den Messern zum Beispiel verpasste sie einfache, geschwungene Formen, sie sollten  leicht und doch gut in der Hand liegen und nicht schwere Materialität vorgaukeln. Ihre Beweggründe beschreibt sie: "Das sollte nach etwas kostbarem aussehen, nach Silber, nach schwerem Metall, deshalb füllte man da Sand rein in die Hohlformen dieser Griffe. Aber das war für mich irrsinnig und das konnte doch nicht die Geisteshaltung sein für eine Generation, die den Krieg gerade überwunden hat und nichts hat."

Christa Petroff-Bohne, Ausstellung, Staatlichen Kunstsammlungen, Pillnitzer Wasserpalais, Dresden
Teekanne, Christa Petroff-Bohne (Entwurf), VEB Auer Besteck- und Silberwarenwerke (Ausführung), um 1961 Bildrechte: SKD

Designverführung zum Diebstahl

Im Handel war vieles von Petroff-Bohne kaum erhältlich, weil es als zu modern gar nicht erst geordert wurde, so dass die Bewunderer ihrer Arbeit die  Bestecke im Hotel Berolina nach dem Essen einfach mitgehen ließen. Auch um ihre einfachen, undekorierten Vasen und Gefäße entbrannte ein Streit, die  Formalismusdebatte wirkte lange nach. Aber sie erntete auch viel Zustimmung: Der Besucher  einer Ausstellung vermerkte im Gästebuch: Endlich mal Blumen drin statt Blumen drauf!

Ich habe ja auch Dekore gemacht, sehr zurückhaltend, wollte nie durch Dekor die Form stören, die Form war für mich immer etwas Wesentliches. Und die muss funktional stimmen – für die Menschen brauchbar sein.

Christa Petroff-Bohne
Christa Petroff-Bohne
Christa Petroff-Bohne Bildrechte: SKD/Klemens Renner

Woher ihre Vorbilder kamen, das zeigt die Ausstellung auch: aus der Kunst der Vor- und Zwischenkriegszeit, vom Werkbund, aus dem  Kunsthandwerk und von Bauhäuslern  wie Albert Buske. Den internationalen Vergleich müssen  ihre Arbeiten nicht scheuen, bestätigt Thomas Geisler, der  Direktor des Kunstgewerbemuseums: "Und das ist ja genau auch das, was die Entwürfe von Christa Petroff-Bohne auszeichnen, dass sie heute genauso Gültigkeit haben wie vor 50 oder 60 Jahren. Natürlich sind sie auch in diesem modernistischen Denken der damaligen Zeit entstanden. Sie waren damals radikal, durch diese Radikalität haben sie nichts an Ästhetik und Gefallen verloren oder an Schönheit."

Nachhaltigkeit war und ist Petroff-Bohne wichtig: Materialgerechtigkeit, Reparaturfähigkeit und Langlebigkeit! Ihre beeindruckende Vita und eine auf das Ästhetische gerichtete Arbeit an der Alltagskultur, das macht die  Ausstellung "Schönheit der Form. Die Designerin Christa Petroff-Bohne". so besonders.

Über die Ausstellung "Schönheit der Form. Die Designerin Christa Petroff-Bohne".
Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen im Pillnitzer Wasserpalais
27. Juni bis 1. November 2020
Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr, Montag geschlossen
Bitte beachten Sie die aktuellen Hygienevorschriften vor Ort

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Juli 2020 | 07:40 Uhr