Ein Mitglied der Yakuza zeigt seine Tätowierungen während des Sanja-Matsuri-Festivals
Tätowierte Mitglieder der japanischen Mafia, der Yakuza Bildrechte: IMAGO

Buch: "Das Jahr der Katze" Mafia, Philosophie und Erotik - der Japanroman von Christoph Peters

Eine spannende Innenansicht Japans bietet der neue Roman "Das Jahr der Katze". Ob Yakuza-Mafia oder buddhistische Philosophie, Action, Erotik oder Sozialkritik - Christoph Peters Buch ist nicht nur für Japan-Liebhaber lesenswert. Unser Kritiker ist davon sehr angetan.

von Jörg Schieke, MDR KULTUR-Literaturkritiker

Ein Mitglied der Yakuza zeigt seine Tätowierungen während des Sanja-Matsuri-Festivals
Tätowierte Mitglieder der japanischen Mafia, der Yakuza Bildrechte: IMAGO

Japan – dieses Land ist seit Jahrhunderten gerade für deutsche Autoren und Intellektuelle ein beliebtes Ziel und literarisches Thema.

Das könnte damit zusammenhängen, dass die japanische Gesellschaft - trotz Globalisierung - doch noch sehr anders funktioniert als die deutsche. Und genau davon ist auch der Schriftsteller Christof Peters immer wieder beeindruckt: Hat er doch seine Romanwelten in den letzten Jahren zumeist in Japan gefunden. So auch im neuen Roman: "Das Jahr der Katze".

Peters taucht mit einer urwüchsigen Erzählfreude in die Welt der Yakuza, der japanischen Mafia, ein. Das Buch ist angelegt als Krimi mit zahlreichen Action-Einlagen, gewürzt mit einem Schuss Philosophie, ein bisschen Erotik - und auch einer vorsichtigen Analyse der japanischen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.

Peters erzählt zügig und mit Sinn fürs Detail - und erweist sich einmal mehr als Kenner der japanischen Hoch- und Trash-Kultur.

Jörg Schieke, MDR KULTUR

Gerade haben die Japaner die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2020 in Tokio zugesprochen bekommen, und da wird viel gebaut, was natürlich auch für die Yakuza interessant ist. Nikola, eine junge Deutsche, gerät in Berlin als Freundin eines japanischen Yakuza-Kämpfers mitten hinein in die Auseinandersetzungen der Japaner mit der in Berlin ebenfalls agierenden vietnamesischen Mafia. Die Deutsche und ihr japanischer Freund müssen nach Japan fliehen, wo traditionelle Yakuza-Strukturen gerade auseinanderbrechen und heftige Machtkämpfe toben.

Spiel mit Japan-Klischees

Peters erzählt mal aus der Perspektive der Deutschen, dann wieder aus der Perspektive eines japanischen Karate-Meisters, der viele der hier kämpfenden Yakuza ausgebildet hat - und zugleich so etwas wie der Statthalter der alten japanischen Werte ist. Für ihn zählen die unbedingte Härte gegen sich selbst und die Furchtlosigkeit gegenüber dem Tod, wie sie aus dem jahrzehntelangen Training der Kampfkünste erwachsen sind.

In diesem Roman ist von allem ein bisschen drin: Buddhismus und Bushido (die speziell japanische Kriegerethik), die alten Samurai-Ideale und auch eine deutliche Kritik an dem Japan der Gegenwart mit seiner Spaßkultur.


Peters spielt auch mit den hierzulande geläufigen  Japan-Bildern, die er manchmal knapp am Klischee vorbeischrammen lässt. Er beschreibt die Verflechtung von Mafia und Politik in Japan, er schildert die Rituale der Yakuza und ihre Kämpfe, bei denen mit Schwert und Pistole die Machtverhältnisse bestätigt oder neu fixiert werden.

Auch das Verhältnis von Schüler und Meister oder der Konflikt des Prinzips Treue mit dem Prinzip Gerechtigkeit umkreist Peters in seinem Roman und findet damit, anschaulich und gelehrt, zu urjapanischen Themen und Fragestellungen. All das ist eingebunden in eine spannende Geschichte mit krachenden Karate- und Schwertkampfszenen.

Peters bewegt sich stilvoll und sicher zwischen Hoch- und Unterhaltungsliteratur und  legt damit einen Roman vor, der nicht nur dem Japan-Interessierten empfohlen sein soll.

Jörg Schieke, MDR KULTUR

Angaben zum Buch Christoph Peters: "Das Jahr der Katze"
352 Seiten, gebunden, 22 Euro
ISBN: 978-3-630-87476-0
Luchterhand Literaturverlag

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Buch der Woche | 18. September 2018 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2018, 04:00 Uhr

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