Jubiläum Christoph Werner lässt in Halle seit 25 Jahren die Puppen tanzen

Er gehört zum festen "Inventar" des Puppentheaters Halle – und das nun schon 25 Jahre lang: Christoph Werner. In dieser Zeit hat der Intendant das Theater zu einem bekannten und geachteten Player in der Puppentheaterszene gemacht. Auch zu seinem 25-jährigen Dienstjubiläum hält der Intendant seine Füße nicht still. Am 31. Januar feiert sein neues Stück "Glück" Premiere. MDR KULTUR-Autorin Nora Große Harmann hat ihm bei einer Probe über die Schultern geschaut.

Christoph Werner, Intendant des Puppentheaters Halle
Christoph Werner, Intendant des Puppentheaters Halle Bildrechte: MDR/ Nora Große Harmann

Eine Frau sitzt auf einer Therapeutencouch und fragt sich, warum sie verlassen wurde. Eine Katze namens Choupette spricht über ihr verstorbenes Herrchen Karl Lagerfeld – und mittendrin ist Christoph Werner, ganz in seinem Element. Die Katze Choupette wird von drei Schauspielern gespielt, doch der Schwanz der Katze hängt wie leblos herunter. "Ohne Schwanz keine Katze", ruft Werner den Schauspielern zu. Die Szene muss stimmen, bis ins Detail.

Puppentheater-Inszenierung in Regie von Christoph Werner in Halle.
Szene aus "Glück" Bildrechte: Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle

"Glück" heißt das neue Stück, das Werner am Puppentheater inszeniert. Eine Art Revue, in der Menschen, aber auch Tiere – und Jesus – über das Glück sinnieren. Doch für Werner ist nicht nur die Premiere ein Grund zum Feiern. Seit genau 25 Jahren ist er künstlerischer Leiter am Puppentheater Halle. Doch schon davor war der Intendant mit der Stadt eng verbunden: Drei Jahre lang arbeitete er als Tontechniker am Puppentheater, bevor er zum Studium an die Hochschule "Ernst Busch" in Berlin ging.

Werner richtet Puppentheater neu aus

Die Zeit an der Schauspielschule prägt ihn bis heute: "Da die Puppentheater-Szene winzig ist, gibt es da so einen Stallgeruch", sagt Werner. "Einen Stallgeruch, von dieser Schule zu kommen: Das schweißt zusammen, und das setzt natürlich gewisse Standards, nach denen man sich streckt." Mitte der 90er-Jahre kommt Werner zurück nach Halle – und wird künstlerischer Leiter des Puppentheaters. Da habe er schon ziemlich genau gewusst, was er verändern wollte, erzählt Werner. "Das war für alle eine große Herausforderung, die natürlich nicht ohne Schmerz und schlechte Laune abging."

Schauspieler auf der Bühne
Blick in "Die Werkstatt der Schmetterlinge" Bildrechte: Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle

Werner richtet das Puppentheater neu aus: Er organisiert große Koproduktionen, etwa mit den Wiener Festwochen, dem Schauspielhaus Köln und der Volksbühne Berlin. Inszenierungen wie "Kannst du pfeifen Johanna" oder "Die Werkstatt der Schmetterlinge" feiern weltweite Erfolge – heute sind die Puppenspieler aus Halle aus der internationalen Theater-Champions-League nicht mehr wegzudenken.

"Da hat mir das Ensemble, in dem ja sehr erfahrene und damals schon sehr berühmte Puppenspieler waren, sehr geholfen", sagt der Intendant. "Und gleichzeitig hatte ich vielleicht ein großes dramaturgisches Talent – und so hat sich das ergänzt."

Impressionen Christoph Werners Puppenwelten

Puppentheater-Stücke von Christoph Werner in Halle
Konzert für eine taube Seele, Ein Spiel für Ragna Schirmer und Puppen von Christoph Werner mit Musik von Maurice Ravel | Uraufführung, Premiere: 17. Februar 2012 Bildrechte: Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle / Foto: Gert Kiermeyer
Puppentheater-Stücke von Christoph Werner in Halle
Konzert für eine taube Seele, Ein Spiel für Ragna Schirmer und Puppen von Christoph Werner mit Musik von Maurice Ravel | Uraufführung, Premiere: 17. Februar 2012 Bildrechte: Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle / Foto: Gert Kiermeyer
Puppentheater-Stück von Christoph Werner in Halle
1913 - Der Sommer des Jahrhunderts, Inszenierung nach Florian Illies, Regie: Christoph Werner, Premiere: 12. März 2016, v.l.n.r.: Louise Nowitzki, Ivana Sajevic, Franziska Rattay, Christian Sengewald Bildrechte: Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle / Falk Wenzel
Puppentheater-Stücke von Christoph Werner in Halle
Clara - Ein Spiel für Ragna Schirmer & Puppen, Text & Inszenierung: Christoph Werner, UA: 2. März 2018, v.l.n.r: Pianistin Ragna Schirmer a.G., Gloria Iberl-Thieme a.G. (Marie Schumann mit junger Clara Schumann) Bildrechte: Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle / Foto: Falk Wenzel
Puppentheater-Stücke von Christoph Werner in Halle
Clara - Ein Spiel für Ragna Schirmer & Puppen, Text & Inszenierung: Christoph Werner, UA: 2. März 2018, v.l.n.r: Nils Dreschke (Herr Ludewig), Gloria Iberl-Thieme a.G. (Marie Schumann), Lars Frank (Robert Schumann), Ines Heinrich-Frank (Clara Schumann) Bildrechte: Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle / Foto: Falk Wenzel
Puppentheater-Stücke von Christoph Werner in Halle
Lars' Angst oder die rettung des Kreuzfahrtschiffes "Völkerfreundschaft", Regie: Christoph Werner, Premiere: 22. September 2018 Bildrechte: Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle / Foto: Anna Kolata
Puppentheater-Stücke von Christoph Werner in Halle
Die Bibliothek der Träume, Stück und Regie: Christoph Werner, Premiere: 5. Juni 2019, im Bild: Nils Dreschke Bildrechte: Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle / Foto: Anna Kolata
Puppentheater-Stücke von Christoph Werner in Halle
Endless Pleasures - Orpheus & Die Päonienfrau, Transmediales Musiktheater von Marc Sinan mit einem Libretto von Maike Wetzel, Regie: Christoph Werner, UA 19. Oktober 2019, Ensemble Bildrechte: Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle / Foto: Falk Wenzel
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Bildrechte: Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle / Foto: Falk Wenzel

Spannungen auch in der Kulturpolitik

Auf der Bühne gibt Werner dabei Puppen und Schauspielern gleichermaßen Raum. Das hat damit zu tun, dass er anfangs gar nicht so recht wusste, ob es ihn mehr zum Puppentheater oder zum Schauspiel zieht, erzählt er. "Und so habe ich dann die Verquickung dieser beiden Kunstformen ausprobiert: Wie geht das, wann ist das sinnvoll, wann gewinnt man dadurch, dass man dieses Spannungsverhältnis thematisiert?"

Spannungen finden in diesen 25 Jahren nicht nur auf der Bühne statt, sondern auch in der Kulturpolitik. In Halle tobt der Theaterstreit – und das geht natürlich nicht spurlos an Werner vorbei. Da habe es Momente gegeben, in denen er am liebsten das Handtuch geworfen hätte, gibt er zu: "Das ist natürlich was, was mich auch belastet." Doch am Ende müsse immer der Spaß an der Arbeit und an der Kunst überwiegen, so der Intendant. "Und das tut er, eindeutig, das ist keine Frage."

Werners Intendantenvertrag wurde erst kürzlich um weitere fünf Jahre verlängert. Genug Zeit also für neue Projekte: Der Fokus soll wieder mehr auf Halle liegen, sagt er: Zum Beispiel in Form einer Koproduktion mit Ballett oder Orchester. Zum 70. Geburtstag des Puppentheaters in vier Jahren plant er außerdem ein Festival, das nur draußen stattfindet. Ideen gehen dem Intendanten auch nach 25 Jahren nicht aus.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 31. Januar 2020 | 07:10 Uhr

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