Eine Ente (Citroën 2CV)
Der Citroën 2CV – im Volksmund besser bekannt als "Die Ente". Bildrechte: IMAGO

Vor 70 Jahren Geburt einer Legende: Die "Ente" wird vorgestellt

Vor 70 Jahren stellte Citroën den 2CV vor – die heute legendäre "Ente". Einst scherzte man liebevoll über sie: "Vier Räder unterm Regenschirm“. Sie war preiswert, sparsam und minimalistisch. Doch sammelte schon bald eine treue Fangemeinde um sich. Im Jahr 2002 wurde sie sogar zum französischen Auto des 20. Jahrhunderts gewählt. MDR KULTUR-Autor Sven Hecker erinnert an das Kult-Mobil.

Eine Ente (Citroën 2CV)
Der Citroën 2CV – im Volksmund besser bekannt als "Die Ente". Bildrechte: IMAGO

Ein Werbe-Clip sagte damals: "Dieses Auto ist für Bauern gedacht, und die sind alle verheiratet und haben eine Frau, die die Kurbel betätigen kann." Politisch ein wenig unkorrekt, aber möglicherweise praxisnah. So begründet Citroën-Chef Pierre-Jules Boulanger, dass seine neue Auto-Idee zum Starten nicht einen Anlasser – wie anno dunnemals üblich – sondern eine Kurbel hat.

"Ein ganz kleines Auto" mit Startschwierigkeiten

Zumindest lautet so eine Legende, die sich um die Geburt der "Ente" Mitte der 1930er-Jahre rankt. Das Auto, bislang ein Luxus-Artikel, soll damals zum Volksauto werden. Ein "Toute Petite Voiture", ein "ganz kleines Auto", mit ausgesprochen schlichter Ausstattung. Das Bauern-Auto kommt mit Verspätung in die Gänge: Die Entwicklung wird wegen der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg gestoppt. Die rund 250 produzierten Prototypen lässt Citroën einstampfen, damit sie nicht den Nazis in die Hände fallen.

Der "Döschwo": 50 Kilo Kartoffeln oder ein Fässchen Wein

Citroen 2CV
Die Entwicklung der Ente wurde duch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Bildrechte: Colourbox.de

Nach dem Krieg präsentiert Citroën beim Pariser Autosalon im Oktober 1948 den "2CV" ,französisch: deux chevaux. Die Schweizer machen daraus den "Döschwo". Es ist eine Weiterentwicklung des "ganz kleinen Autos" – statt mit wasser- nun mit luftgekühltem Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor und Frontantrieb. Doch die Idee dahinter und die Anforderungen des Citroën-Chefs an seine Ingenieure hatten sich nicht geändert.

Jacques Wolgensinger, Autor und Entenhistoriker, sagt, dass die Devise des Citroën-Chefs Pierre Boulanger gewesen sei: ein Auto mit 4 Sitzplätzen, das 50 Kilo Kartoffeln oder ein Fässchen Wein transportieren sollte und 60 km/h schnell sei. "Außerdem soll es problemlos über die holprigsten Feldwege fahren, ohne dass die Eier im Korb auf dem Rücksitz kaputt gehen."

(K)eine Konservendose

Ein Auto vorrangig für das Land, für Bauern, mit hohem Nutzwert, gut gefedert, dabei so schlicht, sparsam und billig wie möglich. Das Aussehen spielt eine sehr untergeordnete Rolle. "Eine Konservendose, Modell freies Campen für vier Sardinen", so beschreibt es WELT-Online in einem ihrer Artikel. Und ein Journalist vergleicht das Auto mit dem "hässlichen Entlein" aus dem Andersen-Märchen. Die "Ente" bleibt, als Auto wie als Spitzname.

Der Weg zum Kult-Auto

Aus Spott wird – ganz wie im Märchen – aufrichtige Zuneigung und schließlich Kult. Bald fahren nicht nur Bauern die Ente, sondern auch Studenten, Intellektuelle. Actionfilm-Helden wie James Bond und die Provinzgendarmen bei Louis de Funes’ bedienen sich ihrer ebenso wie Frankreichs Staatspräsident Giscard D'Estaing. Das Anti-Auto – als Symbol einer irgendwie alternativen, französischen Lebensart – mit liebenswerten Finessen: Das Rolldach, die leicht herausnehmbaren Sitzbänke, die idiotensichere Spazierstockschaltung, flatternde Türen bei flottem Tempo, das Klappfenster – auch wenn selbiges dann und wann mal gegen den lässig heraus gelehnten Ellenbogen kracht.

Eine Ente geht in Rente

Die Ente erweist sich als zäh, überlebt vier Jahrzehnte, einige Modellgenerationen und zahlreiche Revolutionen der Autotechnik. Doch schließlich genügt sie nicht mehr den modernen Normen in Sachen Verbrauch, Geräuschentwicklung, Abgasverhalten, Unfallsicherheit. So geht die Entenlegende 1990 in Rente.

Ente (Citroën 2CV) auf Gebirgspass
Die Ente war zwar schlicht und sparsam, besaß aber einen hohen Nutzwert. Bildrechte: Superlative Adventure Club/MDR

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Oktober 2018 | 08:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2018, 04:00 Uhr

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