Abbildung von Clara Schumann
Clara Schumann wurde am 13. September 1819 in Leipzig geboren. Im Laufe ihres Lebens wurde sie zu einer international gefeierten Pianistin. Bildrechte: imago/United Archives International

Vor 200 Jahren geboren Clara Schumann – Vom Wunderkind zur Powerfrau

Am 13. September 1819 wurde Clara Schumann in Leipzig geboren. Sie beeindruckt bis heute, ob als Komponistin, Pianistin, Musikverlegerin oder Professorin. Nun wird Clara Schumann zu ihrem 200. Geburtstag besonders gefeiert: Unter dem Motto "Clara19" finden in Leipzig Ausstellungen, Lesungen und Konzerte statt. Sehen Sie hier unter anderem das Festkonzert zum Auftakt der Schumann-Festwochen Leipzig und die Dokumentation "Leidenschaft und Pflicht und Liebe. Die drei Leben der Clara Schumann". Ein Blick auf ihre Lebensgeschichte.

von Hartmut Schade, MDR KULTUR

Abbildung von Clara Schumann
Clara Schumann wurde am 13. September 1819 in Leipzig geboren. Im Laufe ihres Lebens wurde sie zu einer international gefeierten Pianistin. Bildrechte: imago/United Archives International

Clara Schumann, geborene Wieck, zeigt früh ihr musikalisches Talent. Mit neun Jahren gibt sie ihr Debüt im Gewandhaus Leipzig, mit 12 spielt sie Goethe vor und brilliert in den Pariser Salons, mit 19 bekommt sie den Titel einer "kaiserlich königlichen Kammer-Virtuosin". Zweifellos ist sie ein pianistisches Wunderkind. Die Allgemeine Musikalische Zeitung schreibt damals: "Unter der Leitung ihres musikerfahrenen, die Kunst des Pianofortespiels wohl verstehenden und dafür mit Liebe sehr tätigen Vaters dürfen wir von ihr die größten Hoffnungen hegen."

Vater Friedrich Wieck hat ein klares Ziel. Er will Clara zu einer weltberühmten Konzertpianistin machen – und das ohne den damals üblichen Drill, sondern mit modernen Lehrmethoden. Nach dem Üben muss Clara zum Ausgleich lange spazieren gehen, ihr Vater organisiert Englischunterricht für sie, erlaubt ihr das Improvisieren und sogar das Komponieren, im Zeitverständnis eine Fähigkeit, die nur Männer beherrschen.

Ihr späterer Mann Robert Schumann schreibt 1830 in sein Tagebuch: "Wunderbar, dass es keine Componistinn (sic) gibt, […] da doch das Weib die gefrorene, stehende Musik genannt werden könnte." Und er notiert darin auch, dass ihm am liebsten eine Ehefrau wäre, "die das Kochbuch auf dem Tisch hat."

Clara und Robert: Eine große Liebe

Robert Schuhmann steht neben einem Klavier, an dem seine Frau Clara Schuhmann spielt.
Clara und Robert Schumann Bildrechte: imago stock&people

Klar, dass die Interessen der beiden Männer kollidieren. Claras Position ist hingegen eindeutig: Robert. Und niemand anderes als Robert! Sie bekennt: "Ein unbegrenztes Vertrauen habe ich zu Dir, Du wirst mich ganz beglücken, aber auch ich will Dir immer von ganzer Seele ergeben sein. Mein ganzes Sinnen und Trachten ist ja Dein Glück. Gib mir Deine Hand, mein Robert, treu will ich mit Dir durchs Leben gehen. Alles mit Dir teilen, und kann ich es, Dir auch eine gute Hausfrau sein."

Das mit der guten Hausfrau wird nicht ganz so in Erfüllung gehen. Claras Klavier- und Kompositionskünste übersteigen ihre Kochfähigkeiten bei weitem. Alles mit dem geliebten Robert teilen wird sie durchaus – nur geht die Teilung auf ihre Kosten. Und das nicht nur wegen der acht Kinder, die sie bekommt. Clara muss ihr Klavierüben reduzieren, weil es Robert beim Komponieren stört, der möchte sie auch weniger auf Konzertreisen als an seiner Seite sehen und meint einmal: "Es sieht so still und ausgestorben im Hause aus, wenn sie nicht da ist."

Auch Clara komponiert, angeregt durch Robert, etwa die unter beider Namen veröffentlichten Lieder nach Gedichten von Friedrich Rückert, aber auch Sonaten. Robert hat seine Meinung über die kompositorischen Fähigkeiten von Frauen geändert.

Bildergalerie Schumann-Haus Leipzig: Multimedial in die Welt der Schumanns eintauchen

Zum 200. Geburtstag von Clara Schumann am 13. September eröffnet in Leipzig das Schumann-Haus seine neue Ausstellung "Experiment Künstlerehe". Erste Eindrücke des multimedialen Museums gibt es hier.

Schumann-Haus Leipzig
In dieses Haus in der Inselstraße 18 in Leipzig zogen Clara und Robert Schumann am 13. September 1848 (ihrem 21. Geburtstag). Hier begrüßte das Künstlerpaar regelmäßig berühmte Persönlichkeiten wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Liszt und Hector Berlioz. Hier komponierte Robert Schumann einige seiner bedeutenden Werke, beispielsweise den Liebesfrühling op. 37 zusammen mit Clara, die Frühlingssinfonie op. 38, die Dichterliebe op. 48 sowie sein Klavierquintett op. 44, das seine Frau im Gewandhaus uraufführte. Bildrechte: dpa
Schumann-Haus Leipzig
In dieses Haus in der Inselstraße 18 in Leipzig zogen Clara und Robert Schumann am 13. September 1848 (ihrem 21. Geburtstag). Hier begrüßte das Künstlerpaar regelmäßig berühmte Persönlichkeiten wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Liszt und Hector Berlioz. Hier komponierte Robert Schumann einige seiner bedeutenden Werke, beispielsweise den Liebesfrühling op. 37 zusammen mit Clara, die Frühlingssinfonie op. 38, die Dichterliebe op. 48 sowie sein Klavierquintett op. 44, das seine Frau im Gewandhaus uraufführte. Bildrechte: dpa
Einblick in das neue Schumann-Museum in der Leipziger Inselstraße.
Im neuen Museum wird auf Basis wirkungsstarker Zitate beider Partner das "Experiment Künstlerehe" beleuchtet und mit technischen Raffinessen in Szene gesetzt. Bildrechte: Christian Kern
Robert Schuhmann steht neben einem Klavier, an dem seine Frau Clara Schuhmann spielt.
Robert und Clara Schumann stehen für eine modernen Ehe – mit besonderen Spannungsfeldern, die Kuratorin Beatrix Borchart so zusammenfasst: "Sie wollte Klavierüben, er komponieren – sie wollte Konzertreisen unternehmen, er lieber zuhause blieben, um in Ruhe komponieren zu können etc. Welche Lösungsmöglichkeiten haben die beiden gefunden? Es ist also eine 'Paarausstellung', in der wir uns bemüht haben, immer beider Perspektiven zu thematisieren ohne zu bewerten." Bildrechte: imago stock&people
Einblick in das neue Schumann-Museum in der Leipziger Inselstraße.
Im Ehe-Experimentierraum verwandeln sechs Beamer einen Raum in drei Themenwelten. Inspiriert von Worten des Ehepaares wird die Zerrissenheit zwischen Liebe und Kunst, Freude und Last mit den Kindern, Reichtum an Gaben und Ringen um Geld sicht- und hörbar. Umringt von einer assoziativen Bildsprache erscheinen Zeilen in neuem Licht und lassen den Besucher eindrucksvoll in die jeweiligen Themen eintauchen. Bildrechte: Christian Kern
Einblick in das neue Schumann-Museum in der Leipziger Inselstraße.
Zu den innovativen Highlights der neuen Ausstellung zählt "Claras Hand", auf der der Besucher durch eine Installation von Erwin Stache Töne und ganze Werke von der Pianistin zum Klingen bringen kann. Bildrechte: Christian Kern
Einblick in das neue Schumann-Museum in der Leipziger Inselstraße.
Im Hörkabinett haben Besucher die Möglichkeit, Claras und Roberts in Leipzig komponierte Werke zu hören und zu studieren. Der bereits 2015 eingeweihte Klangraum lädt zum musikalischen Experimentieren ein. Bildrechte: Christian Kern
Einblick in das neue Schumann-Museum in der Leipziger Inselstraße.
Im Schumann-Saal, in dem das Ehepaar einst Freunde und berühmte Persönlichkeiten wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Liszt und Hector Berlioz empfing, sind auf ausgewählten Plätzen über Infrarot-Lautsprecher Portraits von u.a. Claras Mutter, der Sängerin Wilhelmine Schroeder-Devrient sowie dem Komponistenkollegen und Freund Felix Mendelssohn Bartholdy zu hören. Bildrechte: Christian Kern
Einblick in das neue Schumann-Museum in der Leipziger Inselstraße.
Insgesamt sechs Räume in der Beletage des Hauses in der Inselstraße 18 umfasst die neue Dauerausstellung. Es werden auch die von Leipzig aus begonnenen Konzertreisen nach Dänemark und Russland thematisiert. Bildrechte: Christian Kern
Einblick in das neue Schumann-Museum in der Leipziger Inselstraße.
Auch Einblicke in die Ausbildung der berühmten Pianistin Clara Schumann bietet die Ausstellung. Bildrechte: Christian Kern
Einblick in das neue Schumann-Museum in der Leipziger Inselstraße.
"Dieses Haus birgt einen besonderen Zauber in sich: Es zählt zu den wenigen erhaltenen Klassizistischen Bauwerken Leipzigs und steht für den mutigen Versuch Neues zu wagen. Clara und Robert zogen hier mit einem für das 19. Jahrhundert enorm modernen Ehebild ein. Mit einem außergewöhnlichen Ausstellungskonzept ist uns eins der modernsten Musikerhäuser Deutschlands gelungen", findet Museumsleiter Gregor Nowak. Bildrechte: Christian Kern
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Schicksalsschlag und Befreiung zugleich

Grab von Robert und Clara Schumann
Clara und Robert Schumann sind gemeinsam in Bonn begraben Bildrechte: imago/sepp spiegl

Während Clara mit ihren Konzerten die Familie finanziert und auch viel zum Erfolg der Kompositionen von Robert beiträgt, versinkt dieser in Depressionen und stirbt mit nur 46 Jahren. Clara blüht nun auf. Jetzt beginnt ihre große Zeit als Klaviervirtuosin, mit ausgedehnten Tourneen. Vor allem in England wird sie gefeiert. Clara bemerkt über die britischen Musikliebhaber: "Lassen sie sich einmal gehen, dann bricht alles Gefühl mit viel größerer Lebendigkeit hervor, als es bei uns Deutschen der Fall ist."

Bis ins 73. Lebensjahr gibt Clara Schumann Konzerte, arbeitet als "Erste Klavierlehrerin" am Frankfurter Konservatorium. Mit ihrem Programm prägt sie den Geschmack des Bildungsbürgertums: Beethoven, Mendelssohn, Chopin und Robert Schumann. Sie selbst hat jedoch nach seinem Tod aufgehört zu komponieren.

Angaben zum Konzert Clara Schumann zum 200. Geburtstag
Schumann-Festwochen Leipzig
Konzert aus dem Gewandhaus Leipzig
13.09.2019 | ab 20 Uhr

Werke:
*Betsy Jolas: Letters from Bachville
(Uraufführung, Auftragswerk des Gewandhausorchesters und des Boston Symphony Orchestra)

*Clara Schumann: Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 7

*Robert Schumann: 1. Sinfonie B-Dur op. 38 "Frühlingssinfonie"

Interpreten:
Lauma Skride, Klavier
Gewandhausorchester
Leitung: Andris Nelsons

Clara Schumann 4 min
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Clara Schumann ist als Komponistin und Pianistin beeindruckend. Lange stand sie im Schatten ihres Mannes Robert, doch das hat sich geändert – nicht nur durch die Aufmerksamkeit im Festjahr ihres 200. Geburtstages.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 13.09.2019 06:40Uhr 03:47 min

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Einblick in das neue Schumann-Museum in der Leipziger Inselstraße. 5 min
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Clara Schumann 6 min
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Am 13. September jährte sich der Geburtstag der Pianistin, Komponistin und Ehefrau von Robert Schumann zum 200. Mal. Maja Anter zeichnet das Leben einer der eindrücklichsten Künstlerpersönlichkeiten.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 13.09.2019 18:05Uhr 05:45 min

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Portrait Clara Schumann (1819 - 1896), deutsche Pianistin und Komponistin. 4 min
Bildrechte: imago/United Archives

Nicht nur als Klaviervirtuosin und Komponistin genoss Clara Schumann einen herausragenden Ruf, sondern auch als Klavierpädagogin. Jacqueline Hene hat die Ausstellung dazu im Schumann-Haus Zwickau besucht.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 13.09.2019 18:05Uhr 04:05 min

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TV-Termine zur Doku "Die drei Leben der Clara Schumann" 15. September 2019, 23:35 Uhr bei ARTE
26. September 2019, 23:35 Uhr im MDR FERNSEHEN

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Dr. Irmgard Knechtges-Obrecht 39 min
Bildrechte: privat

Irmgard Knechtges-Obrecht erzählt von ihrer Biografie über Clara Schumann „Ein Leben für die Musik“ und wie Clara ihre Rolle als Tochter, Ehefrau, Mutter und Konzertpianistin meisterte.

MDR KLASSIK Fr 13.09.2019 09:10Uhr 39:20 min

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. September 2019 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2019, 04:00 Uhr

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