Party in der Häselburg in Gera
Claudia Tittel bei der Eröffnung der Häselburg. Bildrechte: Gino Dambrowski

Initiatorin im Gespräch Die Häselburg: Ein neues Kunst- und Kulturzentrum für Gera

Gera ist eine gebeutelte Stadt: 25.000 Menschen wanderten in den letzten Jahren ab, die Arbeitslosenquote ist hoch und die Stadtkasse leer. Mit Kunst und Kultur will Claudia Tittel Gera zum Positiven hin verändern – gemeinsam mit ihrem Mann Burkhard Schlothauer baut sie das Kunst- und Kulturzentrum "Häselburg" auf.

Party in der Häselburg in Gera
Claudia Tittel bei der Eröffnung der Häselburg. Bildrechte: Gino Dambrowski

Die Häselburg - sie ist keine richtige Burg, sondern eine frühere Mädchenschule in der Geraer Innenstadt. Viele Jahre stand das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert leer - bis Claudia Tittel und ihr Mann Burkhard Schlothauer kamen. Sie sanieren das dreiteilige Gebäude Schritt für Schritt, bis irgendwann insgesamt 2600 Quadratmeter Nutzfläche für Kunst und Kultur vorgehalten werden können.

Neues Leben in alten Räumen

Bilder hängen im Inneren der Häselburg in Gera
Die Neue Galerie für zeitgenössische Kunst lockt bereits mit Ausstellungen. Bildrechte: Claudia Tittel

Bereits jetzt gibt es in dem Gebäude eine Galerie für zeitgenössische Kunst. Erste Ateliers wurden schon bezogen, Kursräume können genauso genutzt werden wie eine Dunkelkammer, in einer Gästewohnung kommen Künstler von außerhalb unter. Claudia Tittel will mit der Häselburg einen Raum schaffen, in dem sich Menschen begegnen können, ein "Laboratorium für neue Ideen und Perspektiven" für alle. Dass auch Flüchtlinge da miteinbegriffen sind, ist für die Kulturwissenschaftlerin selbstverständlich.

Man redet ja gerne von der Integration von Geflüchteten. Die Frage ist aber wie diese Integration gelingen kann und wie man an die Menschen herankommt. Deswegen bieten wir Kurse an, die offen für alle sind.

Claudia Tittel und ihr Mann plädieren für eine offene Gesellschaft. Auch wenn sie manchmal damit anecken. Aktuelle Ausstellungsplakate der Häselburg, die eine vollverschleierte Frau im Spagat zeigen, würden immer wieder abgerissen, erzählt Tittel. Sie lässt sich von so etwas nicht abschrecken und hofft weiter auf die Kraft der Kunst.

Kunst kann verschiedene Perspektiven einnehmen: auf Klischees oder Vorstellungen. Insofern glaube ich, dass Kunst Menschen sensibilisieren und tatsächlich verändern kann.

Kommt bald die Kreativitätsakademie?

Die Häselburg ist ein Projekt im Wachstum. Aktuell plant Claudia Tittel, in einem weiteren Teil des Gebäudes eine Kunsthochschule anzusiedeln. Diese solle an der Schnittstelle zwischen Technik, Wirtschaft und Kunst ansetzen. So sei beispielsweise eine Angliederung an eine technische Hochschule denkbar.

Viele Managerfreunde von mir beklagen, dass Ingenieure häufig Kreativitätskurse besuchen, die dann eigentlich Bastelkurse sind. Das wollen wir nicht. Wir wollen Unternehmertum mit künstlerischen Ambitionen verbinden und zeigen, wie diese Dinge zusammenhängen.

Claudia Tittel
Die Häselburg in Gera.
Die Gebäude der Häselburg standen lange leer. Bildrechte: Thomas Müller

Wenn die Häselburg in ein paar Jahren fertig saniert und mit Leben gefüllt ist, so hofft Claudia Tittel, dass an diesem Ort Alltagskultur auf Hochkultur treffen wird, traditionelles Handwerk mit Design und Denkwerkstatt mit Unternehmertum verbunden werden. Bis jetzt stoßen all diese Ideen auf viel positives Feedback: So ist die Häselburg beispielsweise als Projekt der Internationalen Bauausstellung Thüringen ausgewählt worden.

Zur Person

Claudia Tittel, in Jena geboren und in Kahla aufgewachsen, ist von Berlin nach Thüringen zurückgekehrt. Sie lehrt und forscht an der Bauhaus-Universität in Weimar über die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Zusammen mit ihrem Mann, dem Komponisten und Musikwissenschaftler Burkhard Schlothauer, rief sie 2015 die KM, die "Kultur in Mitteldeutschland gemeinnützige GmbH" in Gera ins Leben, die nun die Häselburg betreibt.

Auch abseits des Kunstzentrums prägt Claudia Tittel das Geraer Kulturleben, vor allem als Kuratorin. Gerade erst wurde in der Orangerie die von ihr konzipierte Ausstellung "Volker Regel. Out of Paper" eröffnet, in der abstrakte Papierarbeiten und Objekte des in Gera lebenden Architekten Volker Regel präsentiert werden. Zum Bauhausjubiläum im kommenden Jahr wird Tittel die Ausstellung "Intermediale Experimente am Bauhaus. Kurt Schmidt und die Synthese der Künste" kuratieren.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR trifft - Menschen von hier | 08. September 2018 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2018, 10:22 Uhr