Keine Buchläden, kein Reisen … Corona-Einschränkungen haben Clemens Meyer verunsichert

Der Schriftsteller Clemens Meyer hat über seine Erfahrungen in der Corona-Pandemie gesprochen. Es sei ihm – wider Erwarten – schwer gefallen, sich beim Schreiben zu fokussieren. Außerdem fehlte ihm das Reisen, was zuvor für die Arbeit an seinem aktuellen Roman eine wichtige Rolle gespielt hat. Und er vermisste die Besuche im Buchladen, den Austausch über die Literatur.

Der Schriftsteller Clemens Meyer, aufgenommenbei einem Pressetermin im Gutenberg-Museum in Mainz an einer Druckpresse.
Der Schriftsteller Clemens Meyer, geboren 1977 in Halle (Saale) Bildrechte: dpa

Die Corona-Pandemie hat den Arbeitsalltag von Schriftsteller Clemens Meyer durcheinandergewirbelt. Meyer sagte im Gespräch mit MDR KULTUR, das habe er anders erwartet: "Dann dachte ich: Jetzt kannst du loslegen. Die Welt ist ein bisschen aus den Fugen und alle sind zu Hause. Jetzt sitze ich auch zu Hause oder in meiner Arbeitswohnung und schreibe. Und dann merkte ich aber, so richtig fokussieren kann ich mich gerade nicht, weil sich irgendwie doch alles verändert hat."

Schriftstelleralltag entschwunden

Das gewohnte Tagesgeschäft sei verschwunden, so Meyer. Konkret nennt er Lesungen, Aufträge oder einfach einen Ausflug in die Stadt. Denn auch die Buchhandlungen waren plötzlich zu, ebenso die Kinos. Auch das Reisen sei nicht mehr möglich gewesen. Seit einem halben Jahr ist er nicht mehr mit dem Zug gefahren. Für seinen in Arbeit befindlichen Roman mit dem Arbeitstitel "Die Projektoren" war er zuvor viel herumgereist, so in das ehemalige Jugoslawien.

Schriftsteller Clemens Meyer.
Clemens Meyer Bildrechte: dpa

Ich konnte nicht irgendwohin fahren. Ich fahre öfters mal auch in andere Städte ins Theater. Oder bin sowieso mehrfach die Woche in meinen Buchhandlungen. Das war dann alles weg. Und das hat mich doch irgendwie verunsichert, muss ich sagen.

Clemens Meyer


Ausgleich durch Online-Lesungen

Ein wenig Erleichterung habe es Meyer zumindest gebracht, bei digitalen Veranstaltungen mitzuwirken. Er habe zwei solcher Corona-Lesungen gehabt, in Frankfurt und auf der Burg Ranis in Thüringen. Es habe gut getan, wieder etwas machen und sich mit anderen über Literatur unterhalten zu können. Auch die Resonanz mit geschätzt mehreren hundert Zuhörenden war größer als bei den üblichen Lesungen des Schriftstellers.

Wirklich, das tut dann gut. dass man wieder irgendwie was machen kann, Lesen kann, sich über Literatur, also über sein Tagesgeschäft, über seine Obsession auch unterhalten kann. Das hat mir gut getan. Und ich hoffe, das geht jetzt so Schlag auf Schlag einfach weiter.

Clemens Meyer

Corona und die Literaturszene

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. Juli 2020 | 17:10 Uhr