90. Geburtstag Sieben Dinge, die Sie noch nicht von Clint Eastwood wussten

Als Schauspieler ist Clint Eastwood weltberühmt, er eroberte als Cowboy und Actionheld die Kinos von Castrop-Rauxel bis Rio de Janeiro. Doch es gibt auch überraschende Facetten des zumeist wortkargen Leinwandhelden. So gewann der Mime seine Oscars nicht etwa für seine schauspielerischen Leistungen. Und einmal rettet ihn bei einem Flugzeugabsturz nur viel Glück und seine gute Kondition vor dem sicheren Tod. Am 31. Mai feiert Eastwood seinen 90. Geburtstag.


Schon als Baby gigantisch

Clint Eastwood
Bildrechte: imago images/Mary Evans

Schon als Baby war Clint Eastwood beeindruckend, die Krankenschwestern gaben ihm den Spitznamen "Samson", weil das Schwergewicht bei seiner Geburt mehr als 5 Kilogramm auf die Waage brachte. Sie trafen mit diesem Namen eine geradezu prophetische Wahl: Eastwood wurde mit Heldenrollen in Hollywoodfilmen berühmt. Auch der alttestamentarische Samson ist ein Bibelheld, der nahezu unbezwingbar war, zumindest solange er sich das Haupthaar nicht schneiden ließ.


Flugzeugabsturz überlebt

Clint Eastwood
In einem Douglas AD Skyraider-Jagdbomber ähnlich diesem stürzte Clint Eastwood 1951 ab. Bildrechte: imago/United Archives

Bei der U.S. Army war Eastwood unter anderem Schwimmlehrer. Das sollte ihm in einer lebensgefährlichen Situation helfen. 1951 stürzte der Jagdbomber, in dem er auf dem Weg von Seattle nach Sacramento befand aufgrund von Treibstoffmangel in den Pazifik. Zwar hatte Eastwood Glück im Unglück, indem er den Absturz des Flugzeuges überlebte. Doch befand sich die Absturzstelle mitten im Meer, mehrere Kilometer vom rettenden Ufer entfernt. Seine Kondition (und ein hilfreicher Schwimmring) verhalfen ihm, das Land zu erreichen. Gerüchten zufolge soll Eastwood den Flug übrigens aufgrund eines amourösen Stelldicheins genommen haben.


Karrieresprung durch niedrige Gage

Clint Eastwood
Clint Eastwood spielt in dem Film "Für eine Handvoll Dollar" den mysteriösen Fremden Joe Bildrechte: imago/United Archives

Durch seine Darstellungen in Italo-Western wurde Eastwood zum internationalen Star. Er spielte in Filmen des Superregisseurs Sergio Leone wie "Für ein paar Dollar mehr" (1965) und "Zwei glorreiche Halunken" (1966) mit. Doch bei seiner ersten Zusammenarbeit mit Leone 1964 war er bestenfalls zweite Wahl, der Filmemacher wollte eigentlich mit bekannten Stars wie Henry Fonda, Charles Bronson oder John Wayne seinen Film "Für eine Handvoll Dollar" drehen . Deren Gagen konnte er sich allerdings nicht leisten – doch Eastwood spielte für "läppische" 15.000 Dollar mit. Eine gute Entscheidung des Schauspielers, denn durch diesen und spätere Filme eroberte er den Filmolymp. Und erhielt auch deutlich höhere Gagen.


Jazzfan und Filmkomponist

Clint Eastwood
Der Jazzfan Clint Eastwood ist auch Musiker und Komponist Bildrechte: imago images/Everett Collection

Obgleich Eastwood als raubeiniger Darsteller bekannt ist, vermag er es auch gefühlvoll mit Tönen umzugehen. Bereits in den 60ern sang er bei zahlreichen Filmen, was unter Schauspielern damals wie heute durchaus üblich ist (und nicht immer ein Genuss). Doch Eastwood ging noch weiter und schrieb auch Filmmusiken, begonnen hat er damit, als er schon über 70 Jahre alt war. Zumeist komponierte Eastwood für seine eigenen Filme wie "Mystic River" (2003), "Million Dollar Baby" (2004), "Flags of Our Fathers" (2006) oder "J. Edgar" (2011). Seine Soundtracks erhielten vier Nominierungen für den Golden Globe. Vom renommierten Berklee College of Music erhielt der Jazzliebhaber Eastwood die Ehrendoktorwürde für Musik verliehen.


Lokalpolitiker

Clint Eastwood
Das ist keine Filmrolle: Clint Eastwood war Bürgermeister von Carmel Bildrechte: imago images/Everett Collection

Spätestens seit US-Präsident Ronald Reagan, der zuvor als Schauspieler Karriere machte, sind Schauspieler in politischen Ämtern in den USA nicht ungewöhnlich. Auch Eastwood engagierte sich in der Politik, er wurde 1986 als unparteiischer Bürgermeister in dem kalifornischen 4.000-Seelen-Städtchen Carmel-by-the-Sea gewählt. Zwar nur für eine Amtszeit – dafür aber mit 72 Prozent der Stimmen. Zu Beginn des neuen Jahrtausends setzte er sich zudem aktiv gegen den Ausbau einer Autobahn, der Ausbau der California State Route 241 ein.


Für Trump – und gegen Trump

US-Schauspieler Clint Eastwood spricht am 30.08.2012 beim Parteitag der Republikaner in Tampa (Florida) zu einem leeren Stuhl.
Dieser Auftritt Clint Eastwoods war nicht gerade seine Paraderolle Bildrechte: dpa

So richtig politisch verorten lässt sich Eastwood nicht, teils konservativ, teils progressiv, mal rechts, mal links. Zumeist zeigte er sich aber den Republikanern zugeneigt, der Partei von Nixon, Bush und Trump. Verstörend wirkte Eastwoods bizarrer Auftritt beim Parteitag der Republikaner 2012, bei dem er die Wahl des Kandidaten Mitt Romney unterstützen wollte, indem er auf der Bühne mit einem imaginären Barack Obama auf einem leeren Stuhl redete. Das Problem: nicht jeder erkannte, dass mit dem Stuhl Obama gemeint war. Eastwood unterstützte auch die Präsidentschaftskandidaturen von Richard Nixon oder Donald Trump. 2020 jedoch distanzierte er sich deutlich von Trump, dessen Politik er als "zankhaft" und "widerwärtig" bezeichnete.


Oscar-Ehren – aber nicht als Schauspieler

Francesca (MERYL STREEP) und Robert (CLINT EASTWOOD).
In "Die Brücken am Fluß" führte Clint Eastwood 1995 Regie und spielte an der Seite von Meryl Streep die Hauptrolle. Bildrechte: imago/United Archives

Als Schauspieler ist Eastwood eine Legende – aber auch als Mann hinter der Kamera spielt er längst in der obersten Liga mit. Bereits 1971 drehte er den Thriller "Sadistico". Später führte er Regie in Filmen wie "Erbarmungslos" (1992), "Die Brücken am Fluß" (1995), "Mystic River" (2003), "Gran Torino" (2008) und zuletzt "Der Fall Richard Jewell" (2019). Bei den Ehrungen hat er sich qualitativ im Vergleich zu seiner Schauspielkarriere sogar selbst überholt: Seine Oscars erhielt er nicht als Mime sondern für die Filme "Erbarmungslos" und "Million Dollar Baby", die für die Beste Regie und als Bester Film die goldene Trophäe erhielten.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 31. Mai 2020 | 13:15 Uhr