Cornelia Gröschel, Schauspielerin, steht vor Beginn der Preview des MDR-Tatortes "Das Nest" vor einer Werbewand im Cineplex Rundkino Dresden.
Cornelia Gröschel - ein neues, weibliches Gesicht in der ermittelnden "Tatort"-Gemeinschaft Bildrechte: dpa

Krimi Die neue Kommissarin im Dresdner "Tatort": Cornelia Gröschel im Interview

Schon als Neunjährige stand Cornelia Gröschel in der MDR-Serie "In aller Freundschaft" vor der Kamera. Nun gibt sie ihren Einstand als Kommissarin Leonie Winkler im Dresdner "Tatort: Das Nest". Ihr erster Fall: ein Serienmörder. Gröschel folgt auf Alwara Höfels, die nach sechs Filmen nicht mehr dabei sein wollte. Im Interview erklärt Gröschel, wie es sich anfühlt, in der Heimatstadt zu spielen, warum das Theater bis heute eine wichtige Rolle für sie spielt und warum sie mit der Schauspielkarriere zunächst fremdelte.

Cornelia Gröschel, Schauspielerin, steht vor Beginn der Preview des MDR-Tatortes "Das Nest" vor einer Werbewand im Cineplex Rundkino Dresden.
Cornelia Gröschel - ein neues, weibliches Gesicht in der ermittelnden "Tatort"-Gemeinschaft Bildrechte: dpa

MDR KULTUR: Haben Sie gezögert, als Sie das Angebot bekommen haben, Teil des Dresdner Tatorts zu werden?

Cornelia Gröschel: Nein, ich hab tatsächlich nicht gezögert. Das war die Mischung aus dem Angebot "Tatort" generell und "Tatort" in Dresden und damit die Möglichkeit, in meiner Heimatstadt zu arbeiten. Ich lebe nicht mehr in Dresden und arbeite jetzt zwei Mal im Jahr regelmäßig für mehrere Wochen hier zu Hause. Ich bin nicht nur der Gast, sondern ich hab hier wieder eine Aufgabe und bin unter der Woche beschäftigt an verschiedensten Orten in Dresden – und am Wochenende treffe ich Freunde und Familie. Das ist ein sehr schönes Gefühl.

In ihrem ersten Fall bekommen sie es gleich mit einem schrecklichen Gegner, mit dem unfassbar Bösen zu tun, das auch ihre Kollegin angreift. Sie sind daran nicht ganz unschuldig, dass ihm das gelingt. Wie war der Einstieg unter diesen schwierigen Bedingungen?

Die Dresdner Tatort-Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) mit ihrem Chef Peter Michael Schnabel (Martin Brambach)
Die Dresdner Tatort-Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) mit ihrem Chef Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) Bildrechte: MDR/Wiedemann & Berg/Daniela Incoronato

Ich finde den Einstieg sehr gelungen, weil er eben holprig ist und weil er schwierig ist und weil den beiden Kommissarinnen das Schlimmste gleich zu Beginn passiert, nämlich dass die eine sich nicht auf die andere verlassen kann. Sie müssen sich wieder hochkämpfen, miteinander arbeiten. Und ich glaube daran, dass sie das hinkriegen. Das finde ich eine sehr spannende Entwicklung für die beiden Figuren, gerade als Einführung für die neue Kommissarin, tausend Mal spannender als zu kommen und sich gleich anzuzicken oder Konkurrenzkämpfe. Denn es ist wirklich etwas passiert zwischen den beiden.

Leonie Winkler erscheint im ersten Fall als eine unsichere Streberin unter Druck. Wie sehen sie ihre Figur?

Also unter Druck trifft es auf jeden Fall, Streberin trifft es auch. Aber immer aus dem Wunsch heraus, es alles richtig zu machen und es vor allem dem Vater recht zu machen und ihn zu beeindrucken und seine Anerkennung zu bekommen. Und das finde ich ganz spannend, dass dieser innere Kampf von Leo ausgefochten werden muss, sich zu emanzipieren von diesem Vater, sich freizumachen, was sicherlich nie komplett gelingen wird. Ich glaube, wir haben ganz gute Anlagen und auch wir kennen Leo auch noch nicht von Anfang bis Ende. Jeder hat so verschiedene Ideen, und wir versuchen jetzt einen Konsens zu finden. Da ist noch viel Luft nach oben.

Sie sind 31 Jahre alt und spielen seit über 20 Jahren, haben als Kind angefangen. Erinnern Sie sich an eine Zeit ohne Kamera?

Gute Frage! Nicht so wirklich. Ich war ja ab neun oder zehn dabei. Es gab natürlich viele Momente, wo ich nicht gedreht habe und da wir ja eine große Familie sind, war auch wirklich dieser Wechsel sehr extrem. Heute gedreht, morgen bist Du gefälligst normal und nichts Besseres als wir. Das war eine gute Schule, um irgendwie auf dem Boden zu bleiben. Ich wollte das nie beruflich machen, ich habe das tatsächlich erst im dritten Studienjahr an der Schauspielschule beschlossen, dass ich professionelle Schauspielerin werde. Obwohl ich schon studiert und schon elf Jahre gedreht hatte.

Patricia Bach mit ihrer Tochter Sina im Krankenzimmer
Cornelia Gröschel in jungen Jahren, als Mädchen Sina (r.) in der Krankenhausserie "In aller Freundschaft" Bildrechte: MDR/Peter Krajewski

Gab es dafür einen Auslöser, ein Erweckungserlebnis?

Ja, das war ein Szenenstudium. Man beschäftigt sich sechs Wochen lang, ähnlich wie am Theater, mit einem Stück oder einer Szene und führt sie dann auf. In diesem Fall war das "Antigone", ich hab das mit einem Kommilitonen gearbeitet. Wir wurden inszeniert von Anita Vulesica, die am Deutschen Theater gespielt hat. Und sie hat mich erstmalig dazu gebracht, dass ich es toll finde, auf der Bühne zu stehen und groß und laut und extrovertiert zu spielen, was von einem Theaterschauspieler eher gefordert wird, als das kleine feine Fernsehspiel. Das war mir ganz viele Jahre unheimlich fremd und das fiel mir unheimlich schwer.

Plötzlich war da so ein Knoten geplatzt, ich fand das ganz toll und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich bin hinterher von der Bühne und war über mich selber erstaunt, weil ich nicht wusste, dass ich so sein kann. Mit der Begeisterung habe ich dann gemerkt: Doch ja, ich möchte das professionell machen.

Das Interview führte Claudia Bleibaum für MDR KULTUR.

Cornelia Gröschel im Kurzporträt
Geboren wurde Cornelia Gröschel am 1. Dezember 1987 in Dresden. Ihr Vater ist Opernsänger und ihre Mutter Pianistin. Im Alter von neun Jahren stand sie bereits für die Fernsehserie "In aller Freundschaft" vor der Kamera. 2001 spielte sie die Titelrolle in der Neuverfilmung des Kinderbuchklassikers "Heidi". Gröschel studierte von 2007 bis 2011 an der Hochschule für Musik und Theater "Felix-Mendelssohn-Bartholdy" in Leipzig Schauspiel. Sie ist in zahlreichen Theater- und Fernsehproduktionen zu sehen.

Dresden-"Tatort": "Das Nest" Darsteller:
Karin Hanczewski - Oberkommissarin Karin Gorniak
Cornelia Gröschel - Oberkommissarin Leonie Winkler
Martin Brambach - Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel

Buch: Erol Yesilkaya
Regie: Alex Eslam

Sendetermine:
So, 28.04.19 | 20:15 Uhr | Das Erste
So, 28.04.19 | 21:45 Uhr | ONE
So, 28.04.19 | 23:45 Uhr | ONE
Di, 30.04.19 | 00:45 Uhr | Das Erste
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. April 2019 | 16:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. April 2019, 04:00 Uhr

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