Ausbildung Warum die Corona-Krise Auszubildenden der Oper Halle geholfen hat

Die Corona-Krise hat gerade den Kulturbetrieb vor enorme Herausforderungen gestellt – auch die Auszubildenden. An der Oper Halle wurde die Krise jedoch als Chance gesehen. Während der Aufführungsbetrieb still stand, konnten sich die Lernenden ganz besonderen Herausforderungen stellen, was sonst nicht möglich gewesen wäre. Ein Besuch anlässlich des MDR-Ausbildungstags.

Männer richten Scheinwerfer ein.
Auszubildende Veranstaltungstechniker lernen die Besonderheiten der Technik kennen. Bildrechte: dpa

Die Corona-Krise hat alles durcheinandergewirbelt. Auch für die Auszubildenden hat die Pandemie Folgen. Viele Betriebe brachen die Ausbildungen ab, konnten die Azubis weder ausbilden, noch weiter finanzieren. Auch im Kulturbetrieb gibt es Auszubildende – in einer Branche, die quasi über Nacht ein komplettes Berufsverbot erhielt. Zum Beispiel Albert Vincent Herold, der an der Oper Halle eine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker absolviert. Doch der junge Mann profitierte sogar von der Krise.

Monatelang war die Oper in Halle aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen, die Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt – die Auszubildenden aber blieben. Und damit auch Herold. Von der Schließung erfuhr er auf der Leiter stehend, mitten bei der Arbeit: "Das war, glaube ich, auch derselbe Tag, an dem uns das gesagt wurde. So, also jetzt lasst doch alles stehen und liegen, weil wir schließen müssen. Offiziell hieß es, es darf keiner auf der Bühne arbeiten. Und dann haben wir auch alle alles stehen und liegen gelassen und haben die Bühne verlassen", sagt er.

Ausbildung ging weiter

Ein paar Tage zu Hause haben Herold nichts ausgemacht. Bald war nämlich klar, dass seine Ausbildung, die er im letzten Jahr an der Oper begonnen hat, weiter geht. Trotz Schließung der Oper durften er und vier Mitauszubildende sowie sein Ausbilder Sven Sandow das Haus in der Schließungszeit betreten.

Opernhaus in Halle
An der Oper Halle ist Albert Vincent Herold Auszubildender Bildrechte: IMAGO

So bekamen sie die Möglichkeit, Neues auszuprobieren. Sie haben die Zeit genutzt, um einen sogenannten Trash für die Bühne zu bauen, mit viel Erklärung, mit Bildmaterial etc. Herold erläutert: "Wir haben einen Trash aufgebaut, was wir sonst nie gemacht haben. Das ist eine künstliche Bühne auf der Bühne, praktisch aus Trashmaterial. Wenn eine Band auf der Bühne steht, draußen im Außenbereich, dann haben wir ein großes Dach, das ist aus Trash. Das haben wir hier auf der Bühne gebaut."

Ausbildungsberufe beim MDR

Zeit des Stillstandes genutzt

Angeleitet wird Herold von Sven Sandow, seit 1998 Ausbilder. Viele junge Bühnentechniker, jetzt Veranstaltungstechniker, sind durch seine Hände gegangen. Ein kluger Mann, nutzte er doch die Zeit der Lähmung für seine Schützlinge optimal. Neben Sachen für die sonst keine Zeit ist, konzipierte er einen Lehrgang und ließ die jungen Leute vor allem Sachen ausprobieren und immer wieder machen, die im laufenden Spielbetrieb in Fleisch und Blut übergegangen sein müssen.

Der Auszubildende Herold berichtet: "Zum Beispiel im Tonbereich, was so den Umgang mit Verkabelung angeht, da gibt es ja so viele Kabel. Da gibt es auch für bestimmte Anlagen unterschiedliche Kabel. Mit was darf ich drauf gehen? Und da guckt man lieber doppelt. Lieber noch einmal – nicht, dass man es dann falsch kabelt und im Endeffekt kommt kein Ton raus."

ein Mann an einem Mischpult
Veranstaltungstechniker sorgen unter anderem dafür, dass der Ton stimmt. Bildrechte: imago/Marius Schwarz

Die Truppe sei in dieser Zeit zusammengewachsen, erzählen Auszubildender und Ausbilder, der dazu anmerkt: "Für uns war es eigentlich optimal, was die Zeit angeht. Es war schon eine Umstellung, auf jeden Fall, das halt nicht mehr so wirklich was los ist: keine Gäste, kein Besucherverkehr. Dann hat man auch keine Kollegen, die man mal fragen kann, sondern dann muss man halt mit den Lehrlingen, die da sind, sich unterhalten. Also, wir verstehen uns auch alle."

Viel gelernt

In der Oper in Halle beginnen jedes Jahr ein bis zwei Veranstaltungstechniker ihre Ausbildung. Herold wird 2022 mit seiner Ausbildung fertig sein. Trotz und Dank Corona eine sehr gute Ausbildung mit vielen Möglichkeiten, sich auszuprobieren. Bleibt zu hoffen, dass er seine Fähigkeiten dann auch unter Beweis stellen kann, wenn der Kulturbetrieb wieder so läuft wie vor der Pandemie.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. September 2020 | 07:10 Uhr