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Kulturminister in Thüringen und Chef der Staatskanzlei: Benjamin-Immanuel Hoff nahm am Dienstag für sein Bundesland an der Bund-Länder-Videokonferenz teil. Bildrechte: imago images/Christian Spicker

Nach Bund-Länder-KonferenzThüringens Kulturminister Hoff zu Corona-Beschlüssen: "Vorsicht weiterhin das Gebot der Stunde"

Stand: 22. Dezember 2021, 13:02 Uhr

Die bundesweite Corona-Inzidenz ist derzeit rückläufig, doch gleichzeitig werden Warnungen vor einer Omikron-Welle lauter. Bund und Länder haben mit Blick auf die neue Variante die Corona-Beschränkungen verschärft – nach Weihnachten. MDR KULTUR hat mit Thüringens Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff über die Auswirkungen, die Stimmung in der Kulturszene und Unterstützungsmöglichkeiten für die Branche gesprochen.

MDR KULTUR: Mit Blick auf die neue Omikron-Variante wurden in der Bund-Länder-Konferenz am Dienstag schärfere Corona-Beschränkungen beschlossen. Was kommt auf Thüringen zu?

Benjamin-Immanuel Hoff: Für die Thüringerinnen und Thüringer ändert sich zunächst nicht wirklich viel. Thüringen hat bereits Anfang Dezember im Landtag die epidemische Lage für den Freistaat festgestellt. Vor dem Hintergrund sind eine Reihe von Maßnahmen, die in anderen Bundesländern bislang nicht gegolten haben, in Thüringen wirksam geblieben. Das hat auch dazu beigetragen, dass die Inzidenzen heruntergehen. Gleichzeitig ist Vorsicht weiterhin das Gebot der Stunde – und zwar im privaten wie im öffentlichen, und aus meiner Sicht auch im wirtschaftlichen Leben. Vor dem Hintergrund sind die Beschlüsse, die jetzt für ganz Deutschland gefasst wurden, im Prinzip die Nachverfolgung dessen, was wir in Thüringen bereits tun.

Die neuen Beschlüsse bringen Einheitlichkeit. Auf der anderen Seite bleibt es vage: Kino, Theater, etc. können weiterhin stattfinden mit 2G beziehungsweise 2G-Plus. Clubs und Diskotheken sollen ab dem 28. Dezember geschlossen sein.

Wir sind in einer nicht einfachen Situation. Wir haben es mit einem Virus zu tun, über den wir – bezogen auf die Omikron-Variante – noch nicht so viel wissen, wie wir uns wünschen würden. Was wir wissen ist, dass es extrem ansteckend ist. Zahlen und Erkenntnisse – insbesondere aus Großbritannien, wo übrigens die Impfquote viel höher ist als bei uns – zeigen, dass die Ansteckung so hoch ist, dass es in der kritischen Infrastruktur zu Problemen kommen könnte. Wir haben deshalb heute auch eine Kabinettssitzung, in der wir uns mit der aktuellen Situation der kritischen Infrastruktur in Thüringen befassen werden.

Wir werden das jetzt kontinuierlich beobachten, weil wir vermeiden müssen, dass in den wirklich existenzwichtigen Bereichen – Abwasser, Energie, aber auch natürlich im Gesundheitswesen, Rettungsdiensten – die Situation eintritt, dass sich so viele Menschen infiziert haben, dass die Dienste aus sich selbst heraus nicht mehr handlungsfähig sind. Das ist die Situation, vor der wir stehen. Und in der Situation kann ich jenseits von Kultur nur sagen, dass ich wirklich alle bitte, die noch nicht geimpft sind, das zu tun.

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Im vergangenen Jahr hat es zahlreiche Testläufe und Untersuchungen gegeben, die nachweisen, dass Kulturanbieter keine Inzidenztreiber sind. Doch vergeblich. Wie ist die Stimmung bei den Kulturveranstaltern?

Hier müssen wir zwei Dinge unterscheiden. Es gibt beispielsweise ein Bündnis der Veranstaltungswirtschaft in Thüringen, das sich in der Pandemie zusammengeschlossen hat. Die haben nochmal sehr deutlich gemacht, dass wir fortgeführte Wirtschaftshilfen brauchen, Kurzarbeitergeld bis Sommer nächsten Jahres etc. Das ist völlig richtig. Da sind das Wirtschaftsministerium und wir als Kulturrat einig, dass wir genau an dieser Stelle mit ansetzen müssen.

Das Zweite ist der Begriff des Inzidenztreibers. Jeder für sich genommen kann sagen: Ich selbst bin niemand, der die Inzidenz treibt. Aber es geht weniger darum, ob ein Theater oder eine Kulturveranstaltung für sich genommen ein Inzidenztreiber ist. Das Zusammenkommen von Menschen stellt die Schwierigkeit dar. Es geht nicht darum, dass man Kulturinstitutionen ihrer Arbeit kaputtmachen möchte. Es geht darum, dass wir alle gemeinsam versuchen müssen, uns nur in einem nur notwendigen Rahmen zu treffen, damit wir uns dann wieder bei großen Kulturveranstaltungen treffen können. Der Inzidenztreiber ist der Mensch. Darum gilt es, die Kontakte auf das Nötige, aber auch auf das sozial Notwendige zu beschränken. Wir wollen eben nicht, dass wieder alte Menschen im Pflegeheim nicht besucht werden können. Genau um solche Punkte geht es in der Abwägung.

Im Beschluss der Bund-Länder-Videokonferenz heißt es, die Unterstützungsmöglichkeiten für Kultureinrichtungen sollen verlängert werden. Bedeutet "sollen", es ist noch nicht ganz klar?

Das "soll" ist in diesem Fall ein normatives soll. Es bleibt uns auch nichts weiter übrig, als das zu tun, wenn wir wollen, dass Kultur auch nach dieser Pandemie eine gute Arbeit machen kann. Es ist die erste große Krise, in der die Kultur so eine prominente Rolle eingenommen hat. Und das wird auch weiterhin so sein.

Das Interview führte Moderator Thomas Bille für MDR KULTUR.

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 22. Dezember 2021 | 07:10 Uhr