Filmfestival "Corona Creative" #1 "Das Bewohner-Virus" – Wie Kinder die Corona-Krise erleben und ein Film entsteht

Die Kindergärten sind geschlossen, die Spielplätze auch. Warum das so ist, haben sich Wanda und Anton inzwischen zusammengereimt: Es liegt am "Bewohner-Virus". Den Alltag der Eltern bringt es heftig durcheinander. Da hilft auch keine selbst gebastelte Uhr. Nadine Gottmann und Sebastian Hilger machen aus der Notlage ein Familien-Film-Projekt. Premiere für die Vier – und ein Erlebnis zum Auftakt des "Corona Creative"-Filmfestivals von MDR KULTUR.

Corona Creative 7 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Corona Creative Fr 24.04.2020 23:50Uhr 06:52 min

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Corona Creative Fr 24.04.2020 23:50Uhr 06:52 min

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Kein Kindergarten mehr, keine Treffen mit Freundinnen und Freunden, keine Ausflüge, keine Hobbys ... Die Welt von Anton (5) und Wanda (2) hat sich innerhalb weniger Tage um 180 Grad gedreht. Wie für alle anderen auch. Doch für die beiden kam es plötzlicher als für die Eltern. Denn sie schauen keine Nachrichten – das Ausmaß dessen, was gerade passiert, ist ihnen nicht bewusst. Und doch reimen sie sich in ihren kleinen Köpfen selbst zusammen, warum alles so anders ist: "Wegen dem 'Bewohner-Virus'".

Musik mit Mama, Basteln mit Papa und die Wohnung ein Set

Corona Creative: "Das Bewohner-Virus"
Anton und Wanda am Set Bildrechte: Corona Creative / Nadine Gottmann / Sebastian Hilger

Eine selbstgebastelte Uhr strukturiert die Tage von Anton und Wanda, durch die sie jede Stunde so etwas wie eine Abwechslung haben. Sie machen Musik mit Mama, basteln ein Märchenschloss mit Papa, dürfen beim Kochen helfen und sollen zwei Stunden am Tag allein spielen, weil die Eltern eigentlich arbeiten müssen. Die Tage ziehen sich wie Kaugummi, gleichzeitig sollen sie nicht einfach so verstreichen. Denn eigentlich ist Frühling!

Die Corona-bedingte Isolation bedeutet eine außergewöhnliche Zeit für Eltern und Kinder, konflikt- und chancenreich. Einerseits sind alle stolz, dass der selbstgebastelte Zeiger weiterzieht, andererseits ist das doch eigentlich ihre Lebenszeit und die sollte man nicht vergeuden mit Warten – auf was überhaupt?

Der Film nimmt die Perspektive derer ein, die vom Virus glücklicherweise verschont bleiben, aber das ganze Drumherum miterleben. Die Kinder haben beinah unendlich viel Zeit, aber nur begrenzten Raum. Ihr Wunsch nach Gemeinschaft offenbart sich fast schmerzlich.

Stimmungsvolle Collage, ein Film als Familienprojekt

Corona Creative: "Das Bewohner-Virus"
"Es" ist gelandet. Bildrechte: Corona Creative / Nadine Gottmann / Sebastian Hilger

In spielerischen Interview-Sequenzen unterhalten sich die Filmemacher-Eltern mit ihren Kindern und erkunden, was sie in diesem Alter von der Corona-Pandemie mitbekommen und verstehen. Es geht darum, was sich für sie geändert hat. Macht ihnen die Situation Angst? Oder arrangieren sie sich doch viel schneller mit dem neuen Leben als die Erwachsenen, anders und erfinderischer? Anton und Wanda bekommen in dem dokumentarischen Film auch Raum, ihre eigene Kreativität zu zeigen, mit Hilfe von Spiel- und Naturmaterialien kreieren sie selbst kleine Stopptrick-Sequenzen, die manchmal mehr über sie erzählen, als sie es schon in Worten ausdrücken können. Der Film ist ein Familien-Projekt, in dem die Vier das erste Mal im Leben "zusammenarbeiten".

Nadine Gottmann und Sebastian Hilger im Team

Corona Creative: "Das Bewohner-Virus"
Wenn aus Kindern Kosmonauten werden Bildrechte: Corona Creative / Nadine Gottmann / Sebastian Hilger

Nadine Gottmann, Jahrgang 1985, studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Germanistik und Philosophie an der Universität Köln sowie Drehbuch/Dramaturgie an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Babelsberg.

Der auf ihrem Diplomdrehbuch basierende Kinofilm "Wir sind die Flut" (2011) lief auf zahlreichen nationalen und internationalen Festivals, damit gewann sie Publikumspreis und Achille Valdata Award auf dem Torino Film Fest in Italien. Ihr Konzept "Ponyhof" gewann den ersten, von der Degeto ausgeschriebenen "Impuls"-Preis und wurde für die ARD verfilmt. Das von der MDM-geförderte Drehbuch "Hell" war 2019 für den Emder-Drehbuchpreis nominiert und in der Vorauswahl für den Deutschen Drehbuchpreis. Seit 2015 lebt Nadine Gottmann mit ihrer Familie in Leipzig und arbeitet als freischaffende Drehbuchautorin.

Sebastian Hilger, Jahrgang 1984, begann 2003 ein Studium der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft an der Universität Köln und arbeitete währenddessen auch als Produzent, Regisseur, Kameramann, Oberbeleuchter und Cutter. Nach Abschluss seines Studiums wurde er an der Filmakademie Ludwigsburg im Studiengang Regie angenommen und realisierte dort die Filme "Die Welt da draußen", "Marder" und seinen Diplomfilm "Wir sind die Flut". Seit 2015 arbeitet er als freiberuflicher Regisseur und konnte seitdem zwei Fernsehfilme für die ARD inszenieren.

Credits: "Liebe verjährt nicht", ARD 2019,  "Familie ist kein Wunschkonzert", ARD 2017, "Wir sind die Flut" KINO (2016), rbb, Premiere auf der Berlinale: Perspektive Deutsches Kino 2016, "Liebe verjährt nicht", Gewinner des Publikumspreises auf dem 34. Torino Film Festival 2016, Gewinner des Achille Valdata Preises auf dem 34. Torino Film Festival

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 24. April 2020 | 23:50 Uhr

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