Dokumentarfilmfestival "Corona Creative" #7 "Das Virus im Dorf der Spatzenjäger" – Meusebach, was nun?

Die Filmemacher Yvonne und Wolfgang Andrä kamen schon vor der Corona-Krise ins "Dorf der Spatzenjäger", dorthin, wo alle immer zusammenhielten und die Haustüren offen standen. Wie der neue unsichtbare Feind das Miteinander angreift, zeigen sie in dieser kunstvolle Collage von Momentaufnahmen des Dorflebens – aus der Zeit vor und der Gegenwart mit Corona. Premiere jetzt beim "Corona Creative"-Festival von MDR KULTUR.

Vertriebene Spatzen, erschossene Hirsche, erschlagene Franzosen – das winzige Meusebach im Thüringischen Saale-Holzland-Kreis hat eine blutige Geschichte. Bis heute sind die Meusebacher, die sich selber "Spatzenjäger" nennen, stolz darauf.

Wenn Nähe plötzlich gefährlich wird

Meusebach, was nun
Ein gallisches Dorf Bildrechte: Corona Creative/Yvonne u. Wolfgang Andrä

Die Abgeschiedenheit inmitten von Bergen und der Gemeinschaftsgeist schützten den Ort einst vor Napoleons Truppen. Nun haben die Bewohner einen neuen Feind: Corona. Mit Virometern, rot-weißen Flatterbändern und Tiefkühltruhen nehmen sie in dem 94-Seelen-Dorf den Kampf auf ... Bisher wurde zusammen gefeiert, man traf sich draußen auf der Straße und versteckte sich nicht hinter verschlossenen Türen. Was passiert nun, wenn die bewährte Nähe plötzlich Krankheit, ja sogar den Tod bringen kann?

Meusebach, was nun
So gesellig war es vor Corona. Bildrechte: Corona Creative/Yvonne u. Wolfgang Andrä

Da ist Volker – der Wirt, Dieter – der Köhler in Altmeusebach. Es gibt Wieland, den reiselustigen Feuerwehrmann mit seiner Frau Elvira, Torsten, den stets fröhlichen Ex-Bürgermeister oder Philipp, den jungen Kunstschmied aus Dresden. Immer haben sie alles zusammen gemacht:  die Fahrt zum Traktortreffen ins Nachbardorf, den Familienwandertag, die Vereinsversammlung der Feuerwehr mit Neuwahl; Gras mähen, Holz sägen, Pilze suchen, Tiere füttern und ausgiebig in der Schenke sitzen und die große Politik bereden. Nun aber ist erstmals in der Geschichte von Meusebach alles geschlossen. Die Schenke hat zu, die Spatzenjägerhalle auch. Sich nahe kommen ist verboten. Meusebach – was nun?

Kunstvoll in Szene gesetzte Collage

Meusebach, was nun
Kein Bierchen mehr Bildrechte: Corona Creative/Yvonne u. Wolfgang Andrä

Der Dokumentarfilm von Yvonne und Wolfgang Andrä vereint Momentaufnahmen aus zwei Tagen in Meusebach während der Pandemie mit Beobachtungen aus der Zeit vor der Corona-Krise. Sie schaffen eine kunstvoll in Szene gesetzte Collage, die den Kontrast zwischen Früher und Heute, vor und während Corona zeigt. In dem Film wird ein Dorf zur Folie für die Frage, ob Menschen auch in Zeiten der Bedrohung noch zusammenstehen.

Den Dokumentarfilm über Meusebach planten Yvonne und Wolfgang Andrä seit langem, umfangreiches filmisches Material von den Dreharbeiten war vor der Corona-Krise entstanden. Es wurde nun teilweise eingesetzt, um den radikalen Unterschied darzustellen. Deutlich wird dieser Unterschied in den unterschiedlichen Drehperspektiven, aus der Nähe zu den Protagonisten wird ein Zwei-Meter-Mindestabstand, die Atmosphäre in der Umgebung wechselt von quirligem Leben zu gespenstischer Ruhe.

Autoren- und Regieteam: Yvonne und Wolfgang Andrä

Dreh für "Der Virus im Tal der Spatzenjäger"
Töne angeln in Corona-Zeiten Bildrechte: MDR / Yvonne Andrä

Yvonne Andrä: Die renommierte Autorin, Regisseurin, Produzentin wurde 1969 in Weimar geboren, sie ist Mitgründerin der Film-Produktionsfirma "1meter60 Film" und lebt mit ihrem Mann Wolfgang Andrä in Weimar.

Credits: "Die jungen Kadyas", internationaler Musik-Dokumentarfilm (2019), "Oriental Kisses", Kino-Dokumentarfilm (2016), "WEIMARleben", Langzeit Kino-Dokumentarfilm (2015/2016), "The Other Europeans in: Der zerbrochene Klang", Kino-Dokumentarfilm (2011), 2. Preis Cronograf Moldova, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, "Franz Liszt – Ein Europäer in Weimar", Dokumentarfilm (2011).

Wolfgang Andrä: Der international ausgezeichnete Autor und Regisseur wurde 1976 in Berlin geboren. Er war Meisterschüler von DEFA-Regisseur Günter Reisch und absolvierte ein Regie-Praktikum bei Andreas Dresen. Andrä ist Mitgründer der Film-Produktionsfirma "1meter60 Film".

Credits: "Die jungen Kadyas", internationaler Musik-Dokumentarfilm (2019), "Heimsuchung" (2019), "Pauls Schulweg", Kino-Dokumentarfilm (2013), "Nebenan", Kurzspielfilm (2007): Internationale Hofer Filmtage, Biberacher Filmfestspiele, 1. Preis Deutsche Filmfestspiele Hanau, GOLD Bundesfilmfestival Wiesbaden, BIAFF Diamond Award 2009 (Großbritannien), Special Award for Best Acting, Grand Prix Liechtenstein.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 24. April 2020 | 23:50 Uhr

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