Filmfestival "Corona Creative" #13 "Don't call me Corona" – Doku als Plädoyer

Manche werden als "Corona-Chinese" beschimpft; andere erleben, wie Passanten die Straßenseite wechseln. Für seine Kurzdoku hat Kai Zwettler Studierende aus Asien befragt, wie sich ihr Alltag in Deutschland in Zeiten der Pandemie verändert hat. Seinen Film sieht der Regisseur, der mehrfach in China weilte, als Plädoyer für Verständnis und Verständigung. Jetzt zu sehen bei "Corona Creative", dem digitalen Filmfestival von MDR KULTUR.

Während sich das Coronavirus in Deutschland ausbreitet, scheint noch etwas anderes mindestens ebenso ansteckend zu sein: Rassismus. Für Studentinnen und Studenten aus Asien sind die Ferien nach dem Wintersemester normalerweise eine der wenigen Gelegenheiten, für längere Zeit nach Hause zu fliegen. Durch Reisebeschränkungen und Quarantänemaßnahmen mussten die meisten von ihnen jedoch in Deutschland bleiben. Und dies gerade jetzt, wo sich asiatisch aussehende Menschen hier häufig so fremd fühlen wie selten zuvor.

Hoch ansteckend: Rassismus

'Don't call me Corona'
Unterwegs in Weimar Bildrechte: MDR/Kai Zwettler

Manche werden auf der Straße als "Corona-Chinese" beschimpft, andere erleben, wie Passanten die Straßenseite wechseln. Sie werden als Verursacher der Pandemie stigmatisiert und plötzlich ausgegrenzt.

Menschen aus Ostasien erzählen in der Kurz-Doku von ihrem Corona-Alltag, ihren unfreiwilligen Konfrontationen und ihrem Umgang damit. Filmemacher Kai Zwettler fragt sie, was sie gerade besonders vermissen und wie sie sich inmitten all der Ungewissheit ein Stück Heimat nach Deutschland holen? Auch wie sich ihr Bild von Deutschland durch die Ereignisse und persönlichen Erfahrungen der letzten Wochen verändert hat, will er wissen. – Sein Film ist auch der Versuch, in einer Zeit der sozialen und nationalen Abschottung Verständnis und Offenheit für "Andere" zu schaffen. 

Blick nach Weimar und Wuhan: "I'm Not A Virus"

'Don't call me Corona'
Per Skype Bildrechte: MDR/Kai Zwettler

Die Kurzdoku entsteht mithilfe von (Skype-)Interviews und Archiv-Footage von früheren Reisen ins chinesische Wuhan, wo Zwettler 2012/2013 als Deutsch- und Englisch-Lehrer arbeitete. Unter den Protagonisten sind chinesische Bekannte des Filmemachers, der nun in Weimar lebt. Mit der Kampagne "I'm Not A Virus" begegneten asiatisch-stämmige Menschen auch selbst den zunehmenden Anfeindungen. Zwettler will mit seinem Projekt einen "Beitrag für Verständnis und Verständigung" leisten.

Engagierter Newcomer der Dokfilm-Szene

'Don't call me Corona'
Filmemacher Kai Zwettler Bildrechte: MDR/Kai Zwettler

Kai Zwettler studiert Medienkunst an der Bauhaus-Universität Weimar. Er lebte ab August 2012 für ein Jahr im chinesischen Wuhan, unterrichtete Deutsch und Englisch an einer Schule und berichtete in einem eigenen Blog über diesen Aufgenthalt. Für dieses Jahr war ein weitere Reise nach Wuhan geplant, die durch die Corona-Pandemie nicht mehr stattfinden konnte. Zwettler ist Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung und setzt sich vehement gegen den neuen aufkeimenden antiasiatischen Rassismus ein.

Credits: "Dear Traveler" (2020) – Dokumentarfilm

Corona Creative: Die neuesten Filme

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 24. April 2020 | 23:50 Uhr

Abonnieren