Filmfestival "Corona Creative" #6 "In der Zwischenzeit": Ein Tanz durch die Quarantäne-Stadt

Wie sich das öffentliche Leben in Zeiten von Corona verändert hat, zeigt der experimentelle Kurzfilm "Zwischenzeit" von Josefina Maro und Judith Meister. Eine Tänzerin erkundet verlassene Orte der Stadt ... Ihre Bewegungen verbinden sich mit Momentaufnahmen des Stillstands. So wird sicht- und hörbar, wie sich der Rhythmus unseres Lebens gewandelt hat. Premiere jetzt beim "Corona Creative"-Filmfestival auf MDR KULTUR.

Corona Creative 11 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Corona Creative Fr 24.04.2020 23:50Uhr 11:02 min

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Video

Die leere Halle des Leipziger Hauptbahnhofs, fast zu ruhig. In der Ferne sind Meldungen über stornierte Züge zu hören. Einzig die Rolltreppen laufen ununterbrochen. Da erscheint eine Tänzerin. Sie bewegt sich über die verlassenen Bahnsteige in die Innenstadt. Schnitt. Eine Waldlichtung im Küchenholz, darauf ein Spielplatz mit selbstgebauten Tipis abgesperrt mit rot-weißem Flatterband. Die Tänzerin betritt diese Szenerie, in fließenden Bewegungen erkundet sie das Provisorium, den vertrauten und zugleich befremdlichen Ort. Dann verlässt sie ihn wieder, ohne Spuren zu hinterlassen...

Repetitive Bewegungen, Muster, erschöpfender Quarantäne-Tanz. Die Kamera wechselt den Blickwinkel, schaut nun mit der Tänzerin auf die Straße, während sie weiter tanzt.

Bewegung im Stillstand

Quarantäne-Tanz
Bildrechte: MDR Corona Creative-Filmfestival / Josefina Maro/Judith Meister

Josefina Maro erkundet auf sensible und experimentelle Weise, wie sich die Stadt und ihre öffentlichen Räume während der Ausgangsbeschränkungen verändern. Wie unser Tagesrhythmus und unsere Bewegungen sich wandeln, wenn wir in in Wohnungen eingeschlossen sind und das Gefühl von Einsamkeit Raum ergreift. Inzwischen kommt der Frühling, Vögel singen, die Sonne scheint immer heller. Doch die Veränderungen im Rhythmus der Stadt sind unübersehbar. Es gibt es keine Rushhour mehr ...

In dem experimentellen Kurzfilmprojekt verbinden sich Tanz und dokumentarische Momentaufnahmen mit verschiedene Ebenen unserer Erfahrung in Corona-Zeiten: Einsamkeit, Repetition, Entfremdung und Veränderung. Zu erleben ist, was ein in Bewegung befindlicher Körper entfacht, während die Stadt unter Kontaktsperre, Ausgangsbeschränkungen und Veranstaltungsverboten steht.

Maro und Meister verbinden Performance, Film und Sound

Im Museum: Die Tänzerin als Teilchen im Bild
Im Museum: Die Tänzerin als Teilchen im Bild Bildrechte: MDR Corona Creative-Filmfestival / Josefina Maro/Judith Meister

Alle am Projekt Beteiligten sind Filmschaffende sowie Performancekünstler und -künstlerinnen, die sich eine Ateliergemeinschaft teilen und von der Corona-Krise gleichermaßen betroffen sind. Ihre Sprache ist der zeitgenössische Tanz. Muster, Rhythmus und Synchronizität sind das Hauptthema der Choreografie.

Die Geräusche und Klänge vom jeweiligen Drehort werden zum Soundtrack. Durch die Mischung von Haupt- und Nebengeräuschen entsteht ein Beat, der eine Symbiose bildet mit den sich wiederholenden Tanzbewegungen. Die Kamera ist statisch und beobachtet die sich verändernde Energie der Stadt. In weiten Einstellungen fängt sie leere öffentliche Räume ein, die einst pulsierten und jetzt schlafen. Die Tänzerin als einziges bewegtes Teilchen im Bild.

Allein im Stadion
Allein im Stadion Bildrechte: MDR Corona Creative-Filmfestival / Josefina Maro/Judith Meister

Josefina Maro (Tanz/Choreographie), geboren 1993 in Argentinien, 2005 bis 2011 Diplomstudium zur Lehrerin für Ballett und zeitgenössischen Tanz, ab 2012 Studium der Tanzmethodik an der "Ciudad de las Artes" in Córdoba, Argentinien, Gründungsmitglied der unabhängigen zeitgenössischen Tanzkompanie "Altibajos Constante Movimiento" von 2012 bis 2018 in Córdoba. Derzeit ist Maro Teil der Kompanie M.OVER in Leipzig und arbeitet als freiberufliche Tänzerin.

Regisseurin Judith Meister
Regisseurin Judith Meister Bildrechte: MDR/Corona Creative-Filmfestival/Josefina Maro/Judith Meister

Judith Meister (Regie), Jahrgang 1986, studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Wien. Sie realisierte eigene Kurzfilme und ist aktiv in den Filmkollektiven kino5 Wien, Kino Datsche e. V. Leipzig und NISI MASA Paris. Bis 2018 war sie freiberuflich tätig als Filmschaffende, vor allem in Kamera und Schnitt sowie Videoregie für freie Theaterprojekte. Performance- und Künstlerresidenz: u.a. in Mexiko-Stadt im "Laboratorio Arte Alameda" und "WISP Laboratory"- Programm in Leipzig. Absolventin der Masterclass "TP2 Talentpool", 2017 und dem Werkleitz "PMMC Lab", 2018/2019. Derzeit arbeitet sie als Videotechnikerin am Schauspiel Leipzig.

Auf der Baustelle
Auf der Baustelle Bildrechte: MDR Corona Creative-Filmfestival / Josefina Maro/Judith Meister

Credits: "Our Space" – Animadoc-Webserie, in Produktion (2020) Eripios, Schauspiel Leipzig , Video + Videotechnik (2020), Jeder stirbt für sich allein / Die Leipziger Meuten, Schauspiel Leipzig, Live-Kamera (2019), Losing Teeth – Musikvideo, Idee, Regie (2019), Bratislava - Kurzfilm, Drehbuch, Regie (2018)

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 24. April 2020 | 23:50 Uhr

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